Von Marita Stocker

Einmal wild über die Bühne fegen? Microsoft macht's möglich und tourt mit dem Xbox-Spiel "Rock Band" durch Deutschlands Großraumdiskos. Das Ergebnis ist skurril.

Der Bass wummert, Lichter flackern, Nebel steigt auf. Der Sänger auf der Bühne greift zum Mikrofon.

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Geben alles für den Ibiza-Urlaub. Zwei Teilnehmer auf der "Rock Band" Bühne. (© Screenshot: www.xbox.com)

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Doch was ist das? "I know what I want and I want it now. I want you cause I'm Mr. Vain". Unverkennbar schallt Euro-Trash von Culture Beat aus den Lautsprechern. Das ist nicht die Rockband auf der kleinen Xbox-Bühne, sondern die normale Diskobeschallung im Q Club auf dem Gelände der Münchner Kultfabrik.

Die Gäste, die kurz nach Mitternacht die Tanzfläche füllen, achten nicht auf die vierköpfige Band in der Ecke, die tapfer versucht gegen den 90er-Jahre Hit anzusingen.

Ausgerechnet "Creep" von Radiohead haben sie sich ausgesucht. Vor Spielstart wird als Information zum gewählten Lied Folgendes eingeblendet: "Dieser Song wurde auf dem Radiosender BBC One selten gespielt, weil er als zu depressiv galt."

Keiner sieht zu, dennoch geben alle ihr Bestes. Schnell wird deutlich warum: Die Band setzt sich aus den Promotern zusammen, die im Auftrag von Microsoft den ganzen Abend gute Laune verbreiten und nicht müde werden, vorsichtig zögernde Grüppchen von ihrem Talent als Rampensau zu überzeugen. Und wenn mal keiner ansteht, dann muss eben selbst gespielt werden.

Karaoke für Fortgeschrittene

Das Computerspiel "Rock Band" funktioniert ähnlich wie "Malen nach Zahlen". Mit kleinen Hilfsmitteln wird dem Nutzer suggeriert, er könne Musik machen. Statt Saiten haben die Gitarren bunte Tasten und auch die Teller des Schlagzeugs sind farbig - eine richtige Karaoke-Band.

Inzwischen wird bereits über den Nachfolger "Rock Band 2" gemunkelt. Sie soll einen echten Kracher bieten: einen Song des sagenumwobenen neuen Guns N' Roses-Albums. Ob die Nutzer das zu würdigen wissen? Zumindest in München scheint man andere Präferenzen zu haben.

"Oft werden die Lieder von deutschen Bands ausgesucht", erklärt ein Promoter, "zum Beispiel 'Alex' von den Toten Hosen oder 'Perfekte Welle' von Juli". Direkt neben dem Eingang des Münchener Q Club versuchen sich auf der Probebühne jetzt vier Freundinnen an dem Videospiel. Auch sie haben Juli gewählt. "Ha, ha, eine Girlband" spottet ein vorbeiwankender Jüngling.

Die Gitarren stehen den jungen Frauen gut. Allerdings machen ihnen die Technik und die fehlende Computerspielerfahrung einen Strich durch die Rechnung. Als zum vierten Mal "Song vergeigt" auf dem Bildschirm aufleuchtet, geben sie frustriert auf. Sandra, die Gitarristin, freut sich dennoch: "So etwas habe ich in einer Disko noch nie gesehen, das ist ein witziger Zeitvertreib."

Lasst es krachen

Auf die Hauptbühne trauen sich die vier Freundinnen trotzdem nicht. Dort haben sich inzwischen zwei Jungs mit Sonnenbrillen Gitarre und Bass umgehängt, ein dritter sitzt mit freiem Oberkörper hinter dem Elektro-Schlagzeug. Sie spielen "Train Kept A Rollin'", den Aerosmith-Klassiker von 1974. Sie rocken, sie schwitzen, sie treffen die Töne.

Tom, Wesley und Evin nennen sich "Rockzilla". Sie sind amerikanische Soldaten, die derzeit bei Darmstadt stationiert sind und der ganze Stolz des Xbox-Teams. Die drei seien auf der gestrigen Veranstaltung im hessischen Groß-Gerau so begeistert gewesen, dass sie heute nach München nachgereist seien.

Tom's Version klingt etwas anders: "Wir sind hier, weil sie uns gefragt haben", sagt er nüchtern. Ob er glaubt, dass die Promotiontour erfolgreich sein wird? Tom ist sich da nicht so sicher. "Ich denke es wäre sinnvoller, diese Aktion in einer Karaokebar zu machen und nicht in einer Disko mit lauter Musik".

Wenn da mal nicht schon die Promoter von Microsoft-Konkurrent Sony stehen und für ihr Playstationspiel "Sing Star" Werbung machen.

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(sueddeutsche.de/mri)