Von Helmut Martin-Jung

Programme funktionieren nicht, Geräte sind inkompatibel: Viele PC-Nutzer sind mit dem neuen Betriebssystem Windows Vista von Microsoft unzufrieden.

Longhorns sind zähe, manchmal auch störrische Rindviecher. Etwas von diesen Eigenschaften scheint auf das jüngste Betriebssystem des Softwareherstellers Microsoft abgefärbt zu haben. Windows Vista, das einst unter dem internen Codenamen Longhorn entwickelt wurde, kam vor einigen Monaten drei Jahre später als geplant auf den Markt.

(© Foto: Microsoft)

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Doch damit sind offenbar nicht alle Probleme beseitigt. Kritiker sehen in Vista bereits den Nachfolger von Windows Millennium, eine Windows-Version aus dem Jahr 2000, die sich nie durchsetzen konnte.

Soweit wird es mit Vista wohl nicht kommen, denn anders als bei Milennium ist diesmal kein Nachfolger in Sicht. Das nächste Betriebssystem ist zwar geplant, aber bis es kommt, werden einige Jahre ins Land gehen. Und zumindest die PC für Heimanwender werden derzeit nur noch mit Vista ausgeliefert.

An diesem Windows kommt man also nicht vorbei, dabei scheinen so umfangreiche Verbesserungen nötig zu sein, wie man es selbst von früheren Neueinführungen nicht kannte: Obwohl Vista seit Anfang 2007 auch in Deutschland offiziell auf dem Markt ist, quellen Zeitschriften, Internetforen und Webblogs über mit teilweise haarsträubenden Berichten über Fehlfunktionen im jüngsten Betriebssystem.

Enttäuschte Benutzer

Besitzer von iPods, den Musikspielern der Firma Apple, wurden zum Beispiel gewarnt, ihr Gerät könne Schaden nehmen, wenn es vor dem Abstöpseln vom PC mit dem Vista-eigenen Befehl zum Entfernen von Geräten abgemeldet werde. Am Dienstag gab Microsoft bekannt, dass ein eigens entwickeltes Reparaturprogramm, das Problem nun endgültig lösen werde.

Am 22. Mai soll der rettende Code mit dem offiziellen Windows-Update ausgeliefert werden - vier Monate nach dem Verkaufsstart von Vista.

Benutzer teurer Zusätzgeräte, so genannter Soundkarten, die Mehrkanalton für Spiele und Musik ausgeben, sind enttäuscht, weil die Geräte unter Windows Vista nicht funktionieren. Der Hersteller der Karten will nun bis zum Ende des Jahres eine rettende Software liefern - allerdings gegen Gebühr. Dabei gab es die Karten schon vor der Einführung von Windows Vista zu kaufen.

Kein Anschluss unter diesem Betriebssystem heißt es auch für die Besitzer von Palm-Taschencomputern und Handys mit Palm-Betriebssystem. Erst im Sommer - ein halbes Jahr nach Einführung von Vista - können sie mit einer Beta-Version rechnen, also einer möglicherweise noch instabilen Fassung der Software zum Anschluss ihrer Geräte an Vista-Computer.

"Wir müssen nacharbeiten"

"Wir kennen diverse Fälle", räumt Microsoft-Sprecher Frank Mihm-Gebauer ein, "es gibt da einige Dinge, die nicht so weit sind, wie wir uns das gewünscht hätten". Man arbeite aber mit vielen Herstellern sehr intensiv zusammen, um solche Probleme zu lösen. Aber klar sei: "Wir müssen da nacharbeiten."

PC-Nutzer fragen sich nun, wie das sein kann, bei einer Software, die über Jahre hinweg vom größten Softwarehaus der Welt entwickelt wurde, von der sich Entwickler kostenlos Vorabversionen herunterladen und damit ihre eigene Hard- oder Software testen konnten?

"Wir wollen auf niemanden mit dem Finger zeigen", sagt Mihm-Gebauer, "aber einige Hersteller haben die Programmiermodelle, die wir vorgeschrieben haben, nicht sauber beachtet". Außerdem sei es eben immer so: Wenn ein neues Betriebssystem auf den Markt komme, könne man nicht auschließen, dass etwas nicht funktioniert.

Bestenfalls fragwürdig

Diese Erfahrung mussten besonders jene PC-Besitzer machen, die das neue Betriebssystem auf bereits existierenden Rechnern installierten. "Es funktionieren einfach so viele Dinge nicht, und sie werden es auch nie. Genau das ist das Problem", sagt Brian Bergin, Chef der US-Computerfirma Terabyte.

Die Anbindung von Geräten wie Fingerabdrucklesern oder die Steuerungssoftware für Monitore seien "bestensfalls fragwürdig, ganz zu schweigen von firmenspezifischer Software, die nicht läuft", sagte er dem Internet-Fachdienst CRN.

Laptop-Benutzer klagen zudem, dass die Batterie ihres Computers mit Vista viel schneller leer gesogen wird. PC-Hersteller wie Lenovo und HP haben deshalb ein eigenes Energieprofil entwickelt. Dabei galten gerade die Energiespar-Optionen einst als einer der Vorzüge des neuen Betriebssystems.

Ein anderes oft hervorgehobenes Merkmal von Vista ist die so genannte Aero-Benutzeroberfläche. Der Wechsel von einem Fenster zum nächsten wird dabei hübsch animiert, und die verschiedenen Programmfenster erscheinen halb durchsichtig.

Die Funktion frisst aber derart viel Arbeitsspeicher, dass das System sie selber abschaltet, wenn der Speicher knapp wird. Wer nicht über einen extrem leistungsstarken Rechner verfügt, hat an Aero wenig Freude. Vista ist deshalb eher für neue Computer zu empfehlen, deren Einzelteile erwiesenermaßen mit dem neuen Betriebssystem zurechtkommen.

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(SZ vom 11.05.2007)