Für Bill Gates gibt es kein zurück mehr: In einem Jahr soll der Windows-XP-Nachfolger Vista auf den Markt kommen. Eine Vorschau von Michael Lang

Jetzt wird es ernst für Microsoft. Vor wenigen Tagen hat Bill Gates' Firma damit begonnen, Tausende von Software-Entwicklern im Monatsrhythmus mit ständig neuen Testversionen seines nächsten Betriebssystems zu beliefern. Nun gibt es kein Zurück mehr: In einem Jahr soll "Windows Vista" auf den Markt kommen.

In einem Jahr soll Vista auf den Markt kommen. (© Foto: ddp)

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Vista ist Spanisch und bedeutet soviel wie Durchblick. Allerdings werden genau den zunächst die 8000 Entwickler brauchen, um die Großbaustelle aus Bits und Bytes rechtzeitig zur Endabnahme durch ihren Chef-Software-Architekten Bill Gates fertig zu stellen. Danach benötigt der Verbraucher den Durchblick: Microsoft plant sieben verschiedene Versionen von Windows Vista, allein zwei für den Heimbereich.

Den eingefleischten Windows-Fan erwarten zahlreiche Neuerungen, die den Nutzern eines Apple Macintosh oder eines Linux-Systems zum Teil bekannt vorkommen. Das beginnt bereits bei der Benutzerverwaltung. Unter Windows durfte bislang nur der "Administrator" so richtig in das System eingreifen und zum Beispiel Programme installieren.

Was unter der Haube steckt

Kein Mensch loggte sich deshalb als gewöhnlicher Nutzer in das System ein, was aus Sicherheitsgründen durchaus sinnvoll wäre. Unter Windows Vista ist das Problem wie bei Apple und Linux gelöst: Man arbeitet im sichereren Anwendermodus und wird bei Bedarf aufgefordert, das Administrator-Passwort einzugeben.

Auch in puncto Stabilität soll Windows Vista zur Konkurrenz aufgeschlossen haben. "Ein totaler Systemabsturz war im Vergleich zu früher schon unter Windows XP selten", sagt Andreas Schönberger, Windows-Produktmanager von Microsoft Deutschland, und verspricht: "Künftig werden Sie den blauen Bildschirm so gut wie nicht mehr sehen." Was Schönberger so selbstbewusst macht, sind die zahlreichen Sicherheitsvorkehrungen in Windows Vista. Wenn ein Programm abstürzt, reißt es nicht gleich das gesamte Windows mit in den Untergang. Stattdessen wird es automatisch beendet und nochmals gestartet.

Auch dürfen Gerätetreiber nicht mehr so tief in das System eingreifen wie bisher, weil Microsoft schlecht programmierte Treiber für einen Großteil der Abstürze verantwortlich macht. Das bedeutet allerdings, dass nicht jede ältere Hardware automatisch unter dem neuen Windows laufen wird. "Geräte mit einem USB-Anschluss sind davon aber nicht betroffen", versichert Schönberger.

Was sonst noch unter der Haube steckt? Zum Beispiel ein Speichermanager. Er soll dafür sorgen, dass der PC bei längerer Nutzungsdauer nicht langsamer wird. Und endlich eine Möglichkeit, um versehentlich gelöschte oder überschriebene Dateien wiederherzustellen.

Microsoft hat aber auch an eine neue Optik gedacht. Locker und luftig soll es zugehen mit der neuen Benutzeroberfläche Aero Glass. Dafür sorgen transparente Fenster, die sich mit der Maus zur Seite kippen und stapeln lassen.

Mit dem Mausrad lassen sich Stapel von Fenstern, Ordnern oder Dokumenten jetzt schnell durchblättern. Die herkömmlichen Symbole für Ordner und Dokumente weichen Vorschaubildchen: Die "Live Icons" zeigen jeweils die erste Datei in einem Ordner oder die erste Seite eines Dokuments an. In Echtzeit. Jede Änderung an einer Datei wird also sofort ersichtlich.

"Es fehlt noch einiges"

Microsoft führt jetzt auch "virtuelle Ordner" ein. Das bedeutet, dass Dateien nicht mehr physikalisch in verschiedenen, realen Ordnern gespeichert werden müssen. Egal, wo sie auf der Festplatte abgelegt wurden, lassen sie sich mit der Maus in beliebig viele virtuelle Ordner ziehen und nach individuellen Kriterien sammeln. In virtuellen Ordnern lassen sich auch alle Dateien auf der Festplatte zu einem bestimmten Schlagwort speichern. Dieses Prinzip ähnelt den "intelligenten Ordnern" im Apple Macintosh.

Ob sich Microsoft auch bei den so genannten Gadgets von der Konkurrenz mit dem Apfel-Logo inspirieren ließ, sei dahingestellt. In der aktuellen Testversion jedenfalls fehlen die kleinen Progrämmchen noch, die per Tastendruck auf dem Desktop erscheinen und zum Beispiel die Wettervorhersage, das TV-Programm oder die Börsenkurse aktuell anzeigen können - vorausgesetzt, es besteht eine Verbindung zum Internet.

"Es fehlt noch einiges", räumt Windows-Produktmanager Schönberger ein. So enthält Windows Vista derzeit noch nicht alle Multimedia-Programme, damit der PC das Wohnzimmer erobern kann. Aber in einem Jahr kann sich ja noch viel ändern.

(SZ vom 23.9.2005)

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