Was darf rein, was muss raus? Wikipedia-Administrator Kurt Janson über die Kriterien der Online-Enzyklopädie.
Die Online-Enzyklopädie Wikipedia hat bei einem Vergleichstest von 50 Artikeln besser abgeschnitten als das Nachschlagewerk Brockhaus. Kurt Janson, Soziologie-Student in Berlin, ist Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins Wikimedia Deutschland - Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens, einer Schwesterorganisation der amerikanischen Wikimedia Foundation, welche die Wikipedia betreibt. Er ist außerdem einer der etwa 180 Wikipedia-Administratoren der deutschen Ausgabe mit der Lizenz zum Löschen von Einträgen.
Kurt Janson, Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins Wikimedia Deutschland (© Foto: oH)
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SZ: Warum ist Wikipedia so erfolgreich?
Kurt Janson: Der Spaß am Umgang mit Wissen und am Austausch mit anderen Autoren ist die eigentliche Basis des Erfolgs. Die Qualität der einzelnen Artikel steigt durch die gegenseitige Verbesserung und Kontrolle.
SZ: Wie viele Beiträge kommen täglich hinzu, wie viele werden gelöscht?
Janson: Etwa 500 Artikel kommen Tag für Tag hinzu, knapp 100 Artikel werden von Autoren zur Löschung vorgeschlagen. Nach einer einwöchigen Diskussion werden von diesen 100 zwei Drittel tatsächlich entfernt.
SZ: Warum?
Janson: Gründe sind meist die mangelnde Relevanz und die ungenügende Qualität eines Eintrags.
SZ: Was sind dabei Ihre Kriterien?
Janson: Wichtige Bücher, Vereine oder Gerichte haben in der Wikipedia ihren Platz; Bibliographien, Vereinsregister und Kochbücher wird eine Enzyklopädie jedoch nie ersetzen können. Im Lauf der Zeit hat die Community einen umfangreichen Katalog entwickelt, der hilft, die Relevanz einzelner Gegenstände, Themen und Personen einzuschätzen. Dieser liefert zum einen Anhaltspunkte, wann ein Artikel wegen fehlender Wichtigkeit wieder aus der Enzyklopädie entfernt werden kann; andererseits hilft er vor allem neuen Autoren zu beurteilen, wann es sich überhaupt lohnt, ein bestimmtes Thema enzyklopädisch aufzubereiten.
SZ: Eine Löschregel lautet: Keine Theorienfindung. Was ist damit gemeint?
Janson: Enzyklopädien sind ihrem Wesen nach konservative Werke, da sie immer nur etabliertes, gesichertes Wissen wiedergeben - Wikipedia ist hier keine Ausnahme. Dieser Grundsatz soll verhindern, dass Wikipedia als Plattform für private Theorien missbraucht wird. Für die private Deutung der Relativitätstheorie oder die eigenen Überlegungen zu den Anschlägen auf das World Trade Center gibt es im Internet genügend andere Möglichkeiten zur Veröffentlichung.
SZ: Ein so dynamisches System wie Wikipedia lässt nur gesichertes Wissen zu? Die Community der Wikipedia-Autoren scheint konservativ zu sein.
Janson: Wenn es um die wissenschaftlichen Standards unserer Arbeit geht, werden wir mit zunehmendem Alter tatsächlich immer konservativer. Ansonsten kann ich aber versichern, dass die Autoren in weltanschaulichen und politischen Fragen eine äußerst heterogene Gemeinschaft sind - was wiederum zur Attraktivität der Plattform beiträgt.
SZ: Eigentlich hätte Wikipedia doch beliebig viel Platz. Warum wollen Sie dennoch zwischen relevant und irrelevant unterscheiden?
Janson: Zum einen ist es ein Mittel, um Themen auszusieben, über die sich keine verlässlichen Quellen finden lassen. Meine Eltern haben in ihrem Leben viel erlebt und Tolles geleistet, trotzdem wird es vermutlich nie einen Enzyklopädie-Artikel über sie geben, weil dieser sich zum Beispiel nicht auf eine Biographie stützen könnte. Zum anderen sind wir, trotz der fast 1000 Personen starken deutschsprachigen Kern-Community, nicht in der Lage, unendlich viele Artikel zu verwalten. Die mehr als zehn Millionen biologischen Arten, die irgendwann auch Wikipedia bevölkern könnten, vom Axolotl bis zum Zebrabärbling, machen mir schon genügend Sorgen - zum Glück sind die meisten von ihnen noch nicht entdeckt.
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- Online-Lexikon Die Linke verklagt Wikipedia 06.12.2007
- Wikipedia Besser als der Brockhaus 05.12.2007
Afghanen greifen US-Einrichtungen an
Zitate aus der Präambel des Wikimedia Vereins (http://www.wikimedia.de/satzung/):
"...damit wir nicht sterben, ohne uns um die Menschheit verdient gemacht zu haben"
Warum sind dann die Publikationen sämtlicher Ideen, die mit denen man sich um die Menschheit verdient machen kann, verboten, sofern sie von "nicht etablierten Experten" stammen?
"über Jahrhunderte wurde Wissen von Herrschenden gefangen gehalten und als Machtinstrument missbraucht."
Tun die Herrschenden von Wikipedia nicht dasselbe?
"Ziel von Wikimedia Deutschland ist es, Antworten auf die Frage zu finden, wie das Wissen endgültig befreit und damit allen Menschen dauerhaft zugänglich gemacht werden kann."
Und wenn die Antworten nicht von "anerkannten Experten" stammen, werden sie gelöscht...
Den offiziellen Zielen widerspricht also die Wikimedia-Zensur und ihr Kotau vor dem akademischen Establishment. Es wird Zeit für einen neuen Vereinsvorstand, der die Informationsfreiheit und Offenheit und damit den Nutzen für die Menschheit maximiert.
Der Charme und der Erfolg von Wikipedia liegen nicht nur in der kostenlosen Nutzung, sondern auch im ursprünglich anarchistischen Konzept: Keine Macht für Niemanden.
Leider befindet sich Wikipedia nun im Würgegriff der 180 Zensoren, die ihre Macht mißbrauchen, um ein Zuviel an Wissen zu verhindern. Der Herr Administrator verteidigt, was nicht zu verteidigen ist: Theorien müssen seiner Meinung nach etabliert sein. Aha. Demnach hätten die Herren Administratoren auch die seinerzeit unetablierten Theorien von Kopernikus, Galilei und Kepler gelöscht.
Bemerkenswert ist auch die Forderung, ein Wissen müsse gesichert sein. Dann dürfte es den hervorragenden Eintrag fliegendes Spaghettimonster ebenso wenig geben wie die hanebüchene Stringtheorie (Zitat dazu aus Wikipedia: überprüfbare Voraussagen der Stringtheorie stehen bisher aber noch aus). Jeder gebildete Mensch weiß auch, daß kein Wissen gesichert, sondern immer nur vorübergehend etabliert sein kann, bis früher oder später neue Erkenntnisse das alte Wissen ersetzen.
So sorgt der Würgegriff der 180 Zensoren dafür, daß Wikipedia mit großer Zeitverzögerung dem Wissen hinterherläuft, statt aktuell zu sein oder gar der Menschheit als ehrenwerte Enzyklopädie für avantgardistische Ideen zu dienen.
Und schließlich: Wen stört es, wenn es zu jedem noch so exotischen oder banalen Thema einen Eintrag gibt? Wikipedia ist kein Buch, das durch seine Dicke abschrecken könnte, sondern eine Datenbank, in der im Idealfall ein jeder Mensch fände, was er sucht.
meldet der Spiegel online. Medienwirksam bis ins Ausland aufgefallen, ist es selbst der Schubert zu bIöd geworden. Selbst ihr wäre es peinlich, wenn sie wüsste, wie lächerlich sie ist. Aber wer segat es ihr?
Sie schreiben im Vorspann "Die Online-Enzyklopädie Wikipedia hat bei einem Vergleichstest von 50 Artikeln besser abgeschnitten als das Nachschlagewerk Brockhaus". Diese Aussage ist nicht ganz richtig! Verglichen wurde die wikipedia nämlich NICHT mit "dem" Nachschlagewerk von Brockhaus, sondern lediglich mit "einem" Nachschlagewerk von Brockhaus: dem Brockhaus in 15 Bänden. Für einen wirklich fairen Vergleich hätte man dagegen die Online-Ausgabe der erheblich umfangreicheren BROCHAUS ENZYKLOPäDIE heranziehen müssen, die auch hinsichtlich der Aktualisierung vom Verlag primär gepflegt wird. Mit der richtigen Referenz wäre dieser Vergleichstest vielleicht doch etwas anders ausgefallen.
" . . ., da der Autor selbst unmittelbare Erfahrungen in Washington als Natorüstungskritiker
g e m a c h t hatte, . . ."
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