Von Helmut Martin-Jung

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales fordert angesichts vieler Falschmeldungen, dass Änderungen von vertrauenswürdigen Wikipedia-Autoren beurteilt werden.

Der Eintrag stand nur etwa fünf Minuten lang in der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Doch der Inhalt war ärgerlich und die Opfer prominent genug, um eine Debatte darüber anzustoßen, wer zu dem Lexikon was beitragen darf. Senator Ted Kennedy, der an einem Hirntumor leidet, hatte bei der Feier zum Amtsantritt des neuen amerikanischen Präsidenten Barack Obama einen Anfall erlitten und war in ein Krankenhaus gebracht worden. Dort führte man den Anfall auf Übermüdung zurück. Bald sprach der Politiker wieder mit Angehörigen und sagte, er fühle sich gut, berichtete die Washington Post.

Wikipedia leidet immer wieder unter Falschmeldungen (© Foto: dpa)

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Doch ein Internetsurfer nutzte die schlechte Nachricht, um eine noch schlechtere daraus zu machen. In dem Artikel in der englischsprachigen Ausgabe von Wikipedia stand fünf Minuten lang, Kennedy sei "mit einem Rollstuhl weggebracht worden und kurz darauf gestorben". Ferner wurde in dem Eintrag behauptet, auch Senator Robert Byrd sei nach dem Abendessen mit Obama gestorben. Dann hatten andere Nutzer die Sache bemerkt und den Eintrag korrigiert.

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales warb nun angesichts des Vorfalls dafür, das zu unterbinden, was einst die Grundidee von Wikipedia war: dass jeder Internetnutzer Artikel verändern kann und die Änderungen sofort sichtbar werden. Wales fordert nun, Änderungen müssten vor der Veröffentlichung von vertrauenswürdigen Wikipedia-Autoren gesichtet und beurteilt werden. Ein solches System gibt es bereits in der deutschen Version von Wikipedia. Bis Änderungen angenommen werden dauert es aber oft drei Wochen - zu lange, findet auch Wales.

Unterdessen geht die Encyclopedia Britannica den umgekehrten Weg. In den kommenden Wochen will sich das von Nutzern bisher nicht veränderbare Lexikon im Internet für Beiträge öffnen. Diese aber sollen vor der Veröffentlichung von der Britannica-Redaktion geprüft werden.

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(SZ vom 27.01.2009/tess)