Von Hans-Christian Dirscherl

Wikipedia goes offline. Nicht, dass Sie jetzt meinen, das bekannte Online-Lexikon sei wegen Geldmangels aus dem Web genommen worden. Nein, die Website existiert auch weiterhin. Aber seit kurzem gibt es Auszüge aus Wikipedia.de auch im Buchformat. Wir haben uns drei dieser neuen Schmöker aus dem Zenodot-Verlag näher angeschaut.

Ein Lexikon gehört ins Bücherregal. Diese eherne Regel dürfte seit den Zeiten von Denis Diderot, einem der Urväter der Gattung "Enzyklopädie", gelten. Wikipedia gehört stattdessen ins Internet. Bisher zumindest. Denn mittlerweile sind drei Bücher mit Inhalten der kostenlosen Online-Enzyklopädie erschienen. Wir stellen Sie Ihnen hier kurz vor.

In Kooperation mit  PC-Welt

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Robben sind possierliche Seetiere, die sich in kälteren Regionen tummeln. Oder doch vielleicht auch in wärmeren Gefilden? Antwort auf diese Frage gibt beispielsweise der eben erschienene Wikipressband "Robben. Verbreitung, Lebensweise, Artenschutz". Falls Sie sich eher für zweibeinige Lebewesen interessieren, könnte der gleichfalls neue Wikipressband "Friedensnobelpreisträger" vielleicht einen Blick wert sein. Aller Anfang ist aber Band 1 der Wikipressreihe mit dem schlichten Titel "Wikipedia. Das Buch".

Bei Wikipress handelt es sich immer um Taschenbücher, jedes kostet derzeit zwischen 8,90 (Robben) und 9,90 Euro. Der Umfang der Bücher schwankt erheblich: Die Robben bringen es auf knapp 140 Seiten und bei den Friedensnobelpreisträgern hält man rund 380 Seiten in den Händen. "Wikipedia. Das Buch" bringt es auf knapp 270 Seiten. Die Wikipress-Bände erscheinen im Zenodot-Verlag, einem Ableger von Directmedia. Directmedia ist für seine Digitale Bibliothek bekannt, in der renommierte Printwerke in digitaler Form erscheinen. PC-WELT berichtet hier regelmäßig über diese Reihe.

Die Texte stammen von Wikipedia.de, sie sind also durchwegs deutschsprachig. Wer eine triste Bleiwüste erwartet, wird positiv überrascht, sowohl die Robben als auch die Friedensnobelpreisträger sind durchwegs bebildert, bei den Robben gibt es sogar vier Seiten mit Farbtafeln.

Für jeden Band gibt es einen verantwortlichen Bearbeiter, den so genannten Wikipeditor, der die in Frage kommenden Artikel zusammen mit dem Wikipressteam sichtet, auswählt und für den Druck aufbereitet. Die Autoren der einzelnen Texte erhalten - wie bei Wikipedia üblich - kein Honorar. Anders der Wikipeditor, dem Directmedia für seinen Einsatz das Autorenhonorar der ersten 2000 verkauften Bücher überweist. Ab dem zweitausendsten Exemplar gehen jeweils 50 Cent pro Buch an den Verein "Wikimedia e.V." zur Unterstützung der Wikipedia und ihrer Schwesterprojekte.

"Wikipedia. Das Buch" informiert ausführlich über die kostenlose Online-Enzyklopädie. Wer Wikipedia zuvor nicht kannte, kann nach der Lektüre eigene Artikel erstellen oder bestehende verbessern, er kennt die Spielregel der Wikipedia, weiß, an welche Formalien er sich halten soll und wie mit Problemfällen wie den Edit Wars zu verfahren ist. Der erste Band von Wikipress ist also quasi ein Lexikon zum Lexikon, für erfahrene Wikipedia.de-Nutzer ist das Buch überflüssig.

Das eigentliche Nachschlagwerk beginnt erst mit den Bänden Robben und Friendsnobelpreisträger. Nach einem kurzen Überblick über die Spezies Robbe werden ihre verschiedenen Vertreter lexikonartig beschrieben. Die einzelnen Abschnitte sind einander ähnlich aufgebaut und verständlich abgefasst, der Leser findet sich gut zurecht. Ein Literaturverzeichnis und ein Glossar runden den Band ab.

Bei den Friedensnobelpreisträgern werden die Preisträger in chronologischer Reihenfolge vorgestellt. Die Artikel zu den einzelnen Personen variieren in ihrer Länge und Ausführlichkeit. Auch hier gibt es einige in die Thematik einführende Bemerkungen.

Allen Büchern gemeinsam ist die abgedruckte Autorenliste - den Autoren winkt also zumindest Ehre - und die GNU License. Denn letztere gilt natürlich nicht nur für die online verfügbaren Inhalte der Wikipedia, sondern auch für diese gedruckte Fassung. Sie können die Bücher also unter Beachtung der GNU License vervielfältigen.

Der Vorteil der Printausgabe liegt auf der Hand: Längere Texte sind im Buchformat bequemer zu lesen als am Bildschirm. Zudem müssten Sie sich bei Wikipedia.de die relevanten Texte erst zusammen suchen, bei der Buchausgabe hat Ihnen diese Arbeit bereits jemand abgenommen. Dafür unterliegen die Wikipressbücher natürlich wie jedes Buch einem Redaktionsschluss. Aktueller ist zwangsläufig die Onlineausgabe.

Übrigens: Sie können sich jeden Wikipressband von http://www.wikipress.de/Hauptseite als PDF herunterladen.

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(PC-Welt)