Julian Assange macht Schlagzeilen, doch um seine Plattform ist es leise geworden: Die mögliche Auslieferung des Enthüllungs-Aktivisten kann zur entscheidenden Prüfung für die angeschlagene Organisation werden.
Sollte Julian Assange am Ende des Vefahrens tatsächlich verurteilt werden, stünde Wikileaks vor seiner mit Sicherheit größten Bewährungsprobe. Denn dann stellte sich endgültig die Frage, ob Struktur und Arbeitsweise dieser bislang so sehr auf ihren Gründer zugeschnittenen Organisation auf eine nächste Generation von Aktivisten übertragbar wären.
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Assange will in Berufung gehen (© reuters)
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Schon im Augenblick hat Wikileaks mit dem Eindruck zu kämpfen, dass seit dem beispiellosen, weltweiten Aufsehen durch Cablegate - die Veröffentlichung der US-Diplomatendepeschen Ende November - die Luft etwas heraus ist.
Genau 251.287 Depeschen hatte der Datensatz umfassen sollen, den die Leaking-Seite hortet. Doch bislang wurde nur ein winziger Bruchteil, ungefähr 5000 dieser Dokumente, tröpfelnd an die Öffentlichkeit gebracht, obwohl Assange im Januar ein erhöhtes Tempo angekündigt hatte. Im Moment der größten Aufmerksamkeit scheint die Plattform in die Krise getaumelt zu sein.
Glaubt man Daniel Domscheit-Berg, der Wikileaks verlassen hat, so war die Plattform aber schon seit dem vergangenen Sommer dadurch so gut wie lahmgelegt, dass Assange personelle Ressourcen vordringlich in die Organisation seiner Verteidigung gegen die schwedischen Vergewaltigungsvorwürfe steckte und sich auch darüber mit Teilen seines Teams zerstritt.
Die Veröffentlichung erster Diplomatendepeschen gelang zwar dennoch, aber schon auf Presseanfragen hatte Wikileaks damals offenbar nicht mehr eingehen können, weil der von Assange im Streit mit seinem einstigen Adlatus Domscheit-Berg abgeklemmte Mailserver nicht erreichbar war.
Welche Dokumente besitzt Assange noch?
Zudem soll der nach Domscheit-Bergs "Suspendierung" ebenfalls von Bord gegangene Cheftechniker der Seite, genannt "Architekt", das von ihm selbst entwickelte System deaktiviert haben, über das Informanten Datensätze hinterlegen konnten.
In seinem Buch "Inside Wikileaks" kolportiert Domscheit-Berg, mehr als 30 schwedische Unterstützer hätten drei Wochen lang vergeblich versucht, das System wieder in Gang zu bringen, doch allen sei schließlich die Zusammenarbeit mit Assange zu anstrengend geworden. Tatsache ist jedenfalls, dass Wikileaks auf dem eigentlich dafür vorgesehenen Kanal seit einem halben Jahr keine neuen Informationen mehr entgegennimmt.
Unbekannt ist, was Assange über die restlichen Diplomaten-Depeschen hinaus womöglich noch an Material besitzt. Von hochbrisanten, "thermonuklearen" Dokumenten, die er als eine Art Lebensversicherung zurückhalte, war oft die Rede.
Andererseits musste Assange seine Ankündigung, er werde Daten veröffentlichen, die eine große amerikanische Bank (mutmaßlich die Bank of America) ins Wanken bringen und ein System der Korruption offenlegen würden, vor einigen Wochen wieder kassieren. Zwar verfüge er über eine Vielzahl an internen Unterlagen, allerdings sei aus denen so leicht nicht schlau zu werden, hieß es.
Kooperationen mit kleineren Medien
Dass die Wikileaks-Veröffentlichungen etwas aus dem Fokus der Medien geraten sind, heißt aber nicht, dass derzeit gar nichts Neues mehr ans Licht käme. Wikileaks hat nur erneut die Publikationsstrategie gewechselt: Anstatt auf die Zusammenarbeit mit tatsächlichen oder vermeintlichen Leitmedien wie Guardian, Spiegel oder New York Times zu setzen, zielt man nun offenbar auf Kooperationen mit Zeitungen in den Ländern, die von den Inhalten einzelner Depeschen konkret betroffen sind.
In Italien, vor allem aber in Südamerika laufen durchaus umfangreiche, länderspezifische Veröffentlichungsserien, die auch auf maximale innenpolitische Effekte hinarbeiten. In Peru etwa mischt Wikileaks gerade den Präsidentschaftswahlkampf auf.
Sollte Assange verurteilt werden, müsste er den Übergang auf eine nächste Generation gestalten helfen. Für den als Kontrollfreak verschrienen Assange wäre es wohl das wahre Meisterstück.
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(SZ vom 25.02.2011/joku)
Christopher Lee zum 90.
hat durch eine einzige Veröffentlichung mehr aufgedeckt als alle deutschen Medien zusammen in den letzten 20 Jahren. Und anstatt diese Vorlagen dankbar aufzugreifen, wird hier nur - nun ja, was eigentlich? daraus gemacht...
Hängt alles an Assange, alle anderen Journalisten haben wohl keine Zeit investigativen Journalismus zu treiben und sind schwer damit ausgelastet Anzeigen Umfelder zu gestalten.
" MR:JULIAN ASSANGE WIRG VERBRECHER GENANNT
RICHTIGE VERBRECHER ERHALTEN EHREN UND WÜRDEN "
attilas1@newyork.com
wo bleiben die angekündigten bank dokumente? machen die banken etwa druck?
macht die SZ jetzt selber. Man muß nur nachforschen, es findet sich immer was. Mit Sicherheit hat Guttenberg auch jemand vergewaltigt. Die Anschuldigung reicht, das zeigen ja Kachelmann und Assange.