Zudem ist es aufwendig, Zehntausende Dokumente redaktionell zu bearbeiten. Daraus ergibt sich das nächste Problem: Wikileaks braucht Geld. Die Website muss Internetanschlüsse, Speicherplatz und Technik finanzieren. Man erwägt inzwischen sogar, fünf der ehrenamtlichen Mitarbeiter fest anzustellen, weil sich die Arbeit unbezahlt kaum noch bewältigen lässt. Wikileaks-Aktivisten schätzen, dass das Projekt dann etwa 600.000 Euro im Jahr kosten wird.
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Assange zufolge finanziert sich das Angebot derzeit aus Spenden. Verwaltet werden diese von der deutschen Wau Holland Stiftung, die dem Chaos Computer Club nahesteht. Die genaue Herkunft der Einnahmen ist unklar, denn alle Spender bleiben anonym. Das Geld wird über verschiedene Stiftungen so verteilt, dass man nicht feststellen kann, wer es letztlich bekommt.
Assange zufolge will man auf diese Weise geheim halten, wo sich die Infrastruktur von Wikileaks befindet, um sie vor dem Zugriff von Behörden zu schützen. Das Wall Street Journal versuchte neulich, die Geldgeschäfte zu entwirren und kam zu dem Schluss, die Finanzierung sei "ein großes Geheimnis". Das war ein Beleg für jene Kritiker, die Wikileaks vorwerfen, Transparenz nur von anderen zu fordern, aber nicht selbst zu praktizieren. Ein Vorwurf, der auch gerne gegen "alte Medien" erhoben wird.
Geplatzte Mythenbildung
Julian Assange, der Gründer, ist ebenfalls voller Geheimnisse. Es wurde schon viel geschrieben, über seine Kindheit bei einer umhertingelnden Theatertruppe, seine Hacker-Laufbahn, sein Leben auf der Flucht vor Geheimdiensten. Assange war auf bestem Weg, ein sagenumwobener Held zu werden. Doch mitten in die Mythenbildung platzten nun die Verdächtigungen in Stockholm. Die Staatsanwaltschaft hatte erst mitgeteilt, Assange werde wegen Vergewaltigung gesucht, später milderte sie den Verdacht erst auf sexuelle Belästigung und nun auf Belästigung ab. Der 39-Jährige, der sich von einem Staranwalt vertreten lässt, bestreitet alles. Er kritisierte Medien und Staatsanwaltschaft, weil sie seinen Namen schon publiziert hatten, bevor die Vorermittlungen eingeleitet worden waren. Die Zeitungen hatten die Informationen von einem anonymen Tippgeber bekommen, der nun selbst von den strengen Quellenschutzgesetzen profitiert, die Assange immer als vorbildlich gepriesen hat.
Was an der Belästigungs-Anzeige wirklich dran ist, lässt sich derzeit nicht sagen. Ebenso unüberprüfbar sind auch Assanges Andeutungen, das Pentagon habe ihn reingelegt. Er sei vor "schmutzigen Tricks" und vor "Sex-Fallen" gewarnt worden, erklärte er, nachdem die Vorwürfe bekannt geworden waren. Die Anklage sieht man bei Wikileaks als eine aus den USA gesteuerte Rufmordkampagne - eine Sichtweise, die vor allem im Internet, von seriösen Bloggern und Verschwörungstheoretikern gleichermaßen hitzig debattiert wird.
Angekratzter Richter
Der Anwalt der zwei schwedischen Klägerinnen sagte: "Die Gerüchte, dass Pentagon und CIA in die Sache verwickelt sind, haben mit der Realität nichts zu tun." Seine Mandantinnen seien Opfer eines Verbrechens geworden. Er will die Entscheidung der Staatsanwaltschaft, nur eine der zwei Klagen weiter zu verfolgen, nun anfechten.
Egal, wie die Sache ausgeht - sie dürfte Wikileaks schaden. Da hilft es auch nichts, dass der Inhalt der Website eine erstaunliche Qualität hat: In der Datenbank liegen mittlerweile Zehntausende Dokumente zu Kriegen, Bankenskandalen, Terrorregimes. Keine Datei hat sich bislang als unecht erwiesen. Doch nach der schwedischen Affäre wird wohl trotzdem der Eindruck bleiben, dass da auf der virtuellen Richterbank einer sitzt und Urteile fällt, der selbst nicht fehlerfrei ist. Auch dies ist ein Vorwurf, den etablierte Medien oft zu hören bekommen.
So steht Wikileaks heute vor ganz altbekannten Problemen. Das ist ernüchternd. Aber es macht auch Hoffnung, denn Geld- und Glaubwürdigkeitssorgen lassen sich meistern, das beweisen andere Medien. Den Journalismus wird Wikileaks kaum revolutionieren. Aber die Website könnte, mit Assange oder nicht, überleben und noch einige Skandale aufdecken. Das wäre schon eine ganze Menge.
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- Wikileaks Geheimdienst vor Enthüllung 25.08.2010
- Enthüllungsplattform Wer ist Wikileaks? 26.07.2010
- Vorwürfe gegen Assange Wikileaks und die "Sex-Falle" 23.08.2010
(SZ vom 26.08.2010)
Bruce Springsteen in Frankfurt
Dort geht es weiter....
Nieder mit dem US - Establishment...
ftd.de:
Gekappte Domain
Schweiz gewährt Wikileaks Asyl
Die weltweit umstrittene Website wikileaks.org ist nicht mehr über ihre bisherige Adresse erreichbar. Der Internetdienstleister hat den Zugang gesperrt. Ab sofort können die Dokumente über eine eidgenössische Adresse eingesehen werden.
Das freut unsere gute @donata bestimmt....
Man fühlt sich in uralte Zeiten versetzt, wo die Boten schlechter Nachrichten schnell am nächsten Baum baumelten. Wie hier über einen mutigen Dienst hergefallen wird, deklassiert die Angreifer mehr, als sie sich dessen wohl bewusst sind. Dass so wichtige Nachrichten nur über Umwege an die Öffentlichkeit gelangen ist genaugenommen eine Schande für die offiziellen Berichterstattung, die bei Affairen der Vergangenheit eine ganz andere Größe gezeigt haben.
Es wird kaum gelingen, die Wikileaks-Mutigen jetzt in eine Außenseiterrolle zu drängen. Zu groß ist das Bedürfniss nach echten und ungetünchten Informationen geworden. Wer das übersieht, kann mit einem aufgeregten Feldzug gegen vermeintliche Minderheiten schnell den Funken auslösen, der auf allzu trockenes Pulver trifft.
Natuerlich fuerchtet die SZ und andere Medien Seiten wie Wikileaks. In dem Artikel wird WL vorgeworfen mit zweierlei Massstab zu messen - nun vielleicht. Aber - haben wir jemals in den letzten 50 Jahren einen Artikel von den "etablierten" Medien gelesen mit welchen Tricks sie arbeiten, wessen Lied sie singen muessen oder sonstige selbstkritsche Artikel zur Medienlandschaft incl. TV. Die Hitler Tagebuecher sind die einzige Ausnahme die mir einfaellt. Ich habe niemals gelesen das eine beliebige Zeitung schreibt welch eine Pommesbude die andere Zeitung ist und mit welchen schraegen Mitteln die publizieren. Wie gesagt - wer im Glashaus sitzt... Im uebrigen, die Vorwuerfe an Assange: As the US is after him this smells very fishy.
Der Artikel ist ärgerlich - gerade, weil man im Medienressort besseres gewohnt ist und nicht mit solch schiefen und hölzernen Verteidigungsarien zugunsten der alten Medien rechnen muss.
Der Kerngedanke des Beitrags, ein "Richter" sei zum Beschuldigten geworden, ist Quatsch. Denn die Tatsache, dass Assange wie ein Journalist (!) abwägen muss, wen er beim Namen nennt und wen er anonymisiert, macht ihn noch lange nicht zum Richter. Das schreibt der Autor ja auch zunächst ("Das Beispiel ist bemerkenswert, weil es zeigt, wie Wikileaks-Mitarbeiter klassische Journalisten-Aufgaben übernehmen: Sie sichten und filtern. Und sie bewerten.")
Dann aber spitzt er unzulässig zu: " Wer Unschuldige von Schuldigen unterscheidet, ist nicht mehr bloß Anwalt. Er ist auch Richter."
Assange oder auch Journalisten sind nicht nur deshalb, weil sie - nach nachvollziehbaren Regeln - entscheiden, wie sie mit der Nennung von Namen umgehen, "auch Richter". Im gewählten Beispiel des vermeintlich (?!) bestochenen Radiosender-Chefs wäre die Namensnennung nach deutschem Recht nur zulässig gewesen, wenn die Belege überwältigend sind oder ein Geständis vorliegt, sonst nicht - Stichwort Verdachtsberichterstattung.
Es wäre besser gewesen, der Autor hätte diese Entscheidung von Wikileaks fundiert kritisiert. So aber beruht der Grundgedanke des Artikels auf einer Fehlannahme.
Der offensichtlich ressortfremde Autor ist in der Welt der Anwälte und Richter ohnehin nicht zuhause, wie er uns gegen Ende zu verstehen gibt, indem er Anzeigen und Klagen durch einanderbringt.
Paging