Angriff auf den Thron der Web-Telefonie: Das erfolgreiche Online-Netzwerk Facebook verspricht einfache und kostenlose Gespräche über das Internet. Und macht damit vor allem Skype Konkurrenz.
Es gibt eine neue Konkurrenz für Telekommunikationskonzerne: Künftig können Nutzer des weltweit größten Online-Netzwerks Facebook miteinander telefonieren. Wie das rasant wachsende Unternehmen am Mittwoch bekannt gab, hat es mittlerweile mehr als 300 Millionen Nutzer und arbeitet kostendeckend.
Bild vergrößern
Mit Facebook kann der User künftig noch mehr: Die Technik des Software-Anbieters Vivox soll es den Mitgliedern der Community ermöglichen, sich gegenseitig per Mausklick anzurufen. (© Foto: dpa)
Anzeige
Der kleine amerikanische Softwarespezialist Vivox wird in den nächsten Wochen ein Zusatzprogramm für alle Facebook-Nutzer veröffentlichen. Wer die als Nutzer des sozialen Netzwerkes Facebook die Software per Mausklick aktiviert, kann in Echtzeit mit anderen Nutzern sprechen - über das Mikrofon und die Lautsprecher des eigenen Computers.
Kostenloser Zusatzservice
Das kleine Zusatzprogramm wird für alle Facebook-Mitglieder kostenlos sein. Nach der Installation können Nutzer auch von herkömmlichen Telefonen und Mobilfunkgeräten angerufen werden - Facebook wird dazu Telefonnummern an sämtliche Mitglieder des Netzwerkes verteilen. Die hohen Kosten für die dahinterstehende Technik könnte Vivox durch Werbung finanzieren, die in die Telefongespräche eingestreut wird.
Mit dieser Strategie zementiert Facebook die eigene Position als Marktführer im Bereich der sozialen Online-Netzwerke. Allein zwischen März und Juli 2009 stieg die Zahl der Nutzer nach Unternehmensangaben um 50 Prozent. Die Kalifornier erobern mittlerweile auch - fürs Internet eher untypisch - ältere Zielgruppen als die unter 25-Jährigen. Nutzer, die über 35 Jahre alt sind, bilden nach Angaben des Unternehmens die am stärksten wachsende Gruppe auf Facebook. Damit wird das Netzwerk für Werbekunden noch interessanter. Mittlerweile schreibt das Facebook sogar schwarze Zahlen, ein Jahr früher als vom Management geplant. Der Marktwert der Webseite wird derzeit mit bis zu 15 Milliarden Dollar bewertet.
Durch die Erweiterung des eigenen Angebotes auf Telefongespräche, expandiert Facebook erneut in fremde Geschäftsfelder. Die Kalifornier sind jetzt Konkurrenten klassischer Telefonanbieter, wie zum Beispiel der Telekom. Gleichzeitig greift Facebook den bisherigen Marktführer für das Telefonieren im Internet an: Skype. Die Nummer eins wird zu einem empfindlichen Zeitpunkt getroffen. Erst am zweiten September war bekanntgeworden, dass Skype vom Internet-Auktionshaus Ebay an eine Investorengruppe verkauft wird. Der Softwarespezialist wurde dabei nur mit 2,75 Milliarden Dollar bewertet - weit weniger als vor vier Jahren. Da war Skype noch 3,1 Milliarden Dollar wert.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, welche Erfolgsstrategie Facebook verfolgt.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Facebook fährt Gewinne ein Mann mit Millionen Gesichtern 16.09.2009
- Plagiatsvorwürfe: Facebook vs. StudiVZ Abklatsch abgewatscht 10.09.2009
- Skypen für Einsteiger Per Mausklick im Dschungel anrufen 02.09.2009
- Marc Andreessen Netscape-Gründer greift sich Skype 01.09.2009
- Laptops in der Vorlesung Klappe zu, Student allein 20.05.2010
- Studentenprojekt Diaspora Vier gegen Facebook 18.05.2010
- Netz-Depeschen Deine Freunde werden dich vermissen 17.05.2010
Konsequenz der Loveparade-Katastrophe
Skype ist ohne weiteres abhörbar. für den Laien allerdings nur die eine Seite des Gesprächs.
Normale Telefongespräche sind viel leichter abzuhören. Die Netzwerkbetreiber sind nämlich verpflichtet bei "Bedarf" (in Deutschland nur auf richterlichen Beschluss) alle Anrufdaten eines Telefonteilnehmers an die entsprechende Behörde (Polizei, Nachrichtendienst, usw.) weiterzuleiten, das nennt sich Lawful Interception. Da kann man zB bei einem Mobiltelefon jederzeit feststellen, wo es ist, auch wenn gerade nicht damit telefoniert wird. Sehr erschreckend, welches Mass an Information dabei gewonnen werden kann.
Bei Internettelefonie ist das nicht so einfach, das läuft über die Internetverbindung zB ADSL. Auch hier ist der Netzbetreiber verpflichtet, bei "Bedarf" alle Daten weiterzuleiten. Ein skype Gespräch besteht dann aber einfach aus eineer Anzahl von IP Paketen, die die Sprache enthalten, allerdings verschlüsselt. Da skype jetzt aber kein Netzbetreiber in Deutschland ist, kann die Bundesnetzbehörde die auch nicht zwingen, ihre Kodierungsalgorithmen offenzulegen ... und knacken konnte die bis jetzt noch niemand. Für die vivox Software gilt im Prinzip dasselbe sofern sie ordentlich implementiert ist.
Da zerbrechen sich die Experten im Moment ganz schön den Kopf, wie man an den Inhlat der skype Gespräche kommt. Glauben sie mir, bis jetzt ist skype sicher ... ich arbeite in der Branche.
Belege oder Beweise für deine Paranoia?
Und der amerikanische Geheimdienst lauscht fleissig mit und bekommt die Daten/Telefonatinhalte auf kürzestem Weg geliefert.
Wer da mitmacht ist mit dem Klammersack gepurdert...