Von Mirjam Hauck

Parole "Change": Barack Obama hat auch die offizielle Website des Weißen Hauses radikal verändert. Allerdings verzichtet er im Blog auf eine wichtige Funktion.

Pünktlich zu Barack Obamas Vereidigung als 44. US-Präsident zeigte sich der Machtwechsel auch im Internet. Die offizielle US-Präsidentenseite www.WhiteHouse.gov hat seit gestern ein neues Gesicht - und neue Inhalte. In fetten Lettern prangte kurz nach der Freischaltung die Botschaft: "Change has come to WhiteHouse.Gov."

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Die Webpräsenz des neuen Präsidenten soll in Sachen Transparenz und Bürgerbeteiligung alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen, versprechen die Programmierer vollmundig. "Das Weiße Haus wird ein sehr aufregender Ort", prophezeit Obamas Direktor für Neue Medien, Macon Phillips.

Stimmungsvolle Bilder

Tatsächlich wirkt die neue Seite aufgeräumter und einladender als der Webauftritt zu Zeiten des 43. Präsidenten George W. Bush. Blickte man dort zuerst auf eine riesige Navigationsleiste mit alphabetisch korrekt geordneten, aber wenig einladenden Menüpunkten wie "Afghanistan", "Africa" und "Budget Management", so zeigt die neue Seite großflächig stimmungsvoll fotografierte Bilder der Inaugurationsfeier.

Zwar tauchen auch alle weiteren wichtigen Politikfelder auf der neugestalteten Seite auf, allerdings erst im unteren Drittel. Und ganz programmatisch beginnen sie bei Barack Obama nicht mit "A" wie Afghanistan, sondern mit "C" wie Civil Rights.

Neben diesen informativen Elementen sind es aber vor allem die neuen interaktiven Features, die Bürgernähe von höchster Stelle demonstrieren sollen. Im sogenannten Briefing Room haben die Bürger das Wort: Sie können politische Vorschläge einreichen und die Anregungen anderer Mitbürger bewerten.

Ideen, die auf besonders viel Beifall stoßen, sollen nicht in den Untiefen der Website verschwinden, sondern bis an die Regierungsspitze herangetragen werden. Außerdem will die Regierung Mitschriften von Beratungen mit Interessengruppen und Lobbyisten auf der Seite veröffentlichen. Demokratie 2.0 also, mit der Transparenz und den Möglichkeiten des Mitmachmediums Internet.

Keinerlei Kommentarfunktion

Selbstverständlich hat die neue Seite auch ein eigenes Blog - das aber zumindest bislang nicht vom Präsidenten selbst geschrieben wird. Die ersten Einträge hat Macon Phillips verfasst, sein Direktor. Anders als üblich bei diesem Format gibt es hier jedoch keinerlei Kommentarfunktion für die Leser. Offenbar fürchtet das Weiße Haus Spam, Trolle oder beleidigende Kommentare.

Wer sich beim Surfen auf der Seite einfach nur zurücklehnen will, wird bedient: In einer wöchentlichen Videoansprache wird der neue Präsident künftig zu den Bürgern sprechen. Das macht Angela Merkel in Berlin auch schon seit langer Zeit, doch bei Obama werden mehr Leute klicken.

Der neue US-Präsident hatte bereits den Internet-Wahlkampf perfektioniert, indem er sich Mitarbeiter des weltgrößten Social-Networks Facebook in sein Wahlkampfteam holte, einen eigenen Youtube-Kanal eröffnete und seine Anhänger per SMS und E-Mails an die Urnen lotste.

Die neue White-House-Website zeigt, wie sich der bereits erfolgreich erprobte Weg auch von höchster staatlicher Stelle umsetzen lässt. Allerdings dominieren bislang noch die Show-Elemente - schöne Bilder wie Slideshows aller 43 Präsidenten oder die klickbare Tour durchs Weiße Haus.

Wer mitarbeiten will und Fragen an die Regierung hat, muss die interaktiven Funktionen noch im unteren Drittel der Seite suchen. Wenn die Realität die schönen Bilder eingeholt hat, wird sich zeigen, welche Wichtigkeit Barack Obama den direkt übers Netz kommunizierten Wünschen, Hoffnungen und Anregungen seiner Bürger tatsächlich einräumt.

Dann erst ist das Versprechen von "change" eingelöst.

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(sueddeutsche.de/bön/bgr)