SZ: Man merkt aber nicht, dass das Wall Street Journal oder die New York Times vor dem Druck des Marktes geschützt sein sollten.

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Lemann: Beide Zeitungen haben eine duale Aktienstruktur mit sogenannten B-Aktien, die über das doppelte Stimmrecht verfügen und mittels derer die Eigentümerfamilien ihren Einfluss ausüben können. Oder nehmen Sie die Non-Profit-Organisationen, die bei uns in Amerika die Public Radios tragen. Viele amerikanische Magazine - The Nation, Harper's, Mother Jones - werden ebenfalls von Non-Profit-Organisationen getragen. Sie bekommen sogar eine Art weicher Subventionen, weil sie in einem reinen Markt gar nicht existieren könnten.

SZ: Was heißt weiche Subventionen?

Lemann: Wenn ich einen Scheck an Mother Jones sende, dann kann ich den von der Steuer absetzen. Das ist eine Subvention. Oder es läuft über Eigentümerfamilien, die explizit Qualität über Profit setzen, wie bisher die Sulzbergers bei der New York Times oder die Bancrofts beim Wall Street Journal. Wenn Sie sich die richtig guten Medien anschauen und hart fragen: Welche sind im kapitalistischen Sinne ohne Einschränkungen profitabel, dann werden sie nicht sehr viele finden. Und das war auch schon früher so.

SZ: Aber jetzt wird das Wall Street Journal an Rupert Murdoch verkauft. Murdoch will fünf Milliarden Dollar bezahlen.

Lemann: Vielleicht ist beim Journal die Zahl der Familienmitglieder zu groß, um die Zeitung zu führen.

SZ: Und was ist, wenn Murdoch regiert?

Lemann: Murdoch hat vor vielen Jahren das New York Magazine verkauft. Er hat es nicht ruiniert. Auch die Times in London ist keine schlechte Zeitung.

Die Columbia Graduate School of Journalism ist die Kaderschmiede der amerikanischen Zeitungsredaktionen. Nicholas Lemann, der jetzige Dekan der Schule, hat zuvor für die Washington Post und den New Yorker gearbeitet. Zuletzt beschäftigte er sich besonders mit den Folgen des Internets für den Journalismus.

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(SZ vom 18.7.2007)