SZ: Was ist für Sie ein Journalist?

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Lemann: Die ganzen Blogger auf ihren Websites sind vielleicht Journalisten. Aber sie sind keine Reporter. Sehen Sie es einmal so: Wenn sich die Sohle von meinem Schuh löst, kann ich das zur Not auch selber reparieren. Viel sinnvoller ist es aber doch, wenn ich den Schuh zum Schuhmacher bringe. So ist es mit dem professionellen Journalismus auch.

SZ: Voraussetzung ist aber, dass Sie bereit sind, den Schuhmacher zu bezahlen. Ist denn die Öffentlichkeit bereit, professionelle Journalisten zu bezahlen?

Lemann: Ich weiß es nicht. In der Vergangenheit war die Antwort auf Ihre Frage der Anzeigenkunde, der den größten Teil des Nachrichtengeschäftes finanziert hat. Im Prinzip gilt dies auch im Internet, aber eben in viel kleinerem Umfang als bei der gedruckten Zeitung. Wir müssen nach Wegen suchen, die Inhalte im Internet kostenpflichtig zu machen.

SZ: Aber wie soll das funktionieren?

Lemann: Ich kann Ihnen nur eine grobe Einschätzung geben. Man kann die Archive besser nutzen, man kann die Artikel von Kolumnisten kostenpflichtig machen und eigene Suchmaschinen installieren, die gegen Gebühr zu nutzen sind. Die Zeitungen sollten sehr verlässliche Datensammlungen anbieten, für die Leute gerne bezahlen. Zum Beispiel: Was ist die beste Schule in New Jersey und New York? Die Rangfolge müsste aufgeschlüsselt sein nach klaren Kriterien bis hin zu jedem Lehrer. Die Zeitung könnte zu einer Art lokaler Enzyklopädie werden. Die Titelseite im Internet ist frei, dann kommt man in den Bereich der kostenpflichtigen Datensammlungen. Ich kenne zum Beispiel eine Regionalzeitung in Little Rock, die Arkansas Democrat Gazette, die auf dem Gebiet ganz erfolgreich experimentiert.

SZ: Aber nochmals: Ist der Qualitätsjournalismus in Gefahr?

Lemann: Nein, das glaube ich nicht. Mir ist, wie gesagt, statt "Qualitätsjournalismus" der Begriff "Reporting" lieber. In diesem Sinne gibt eine Elite des berichtenden Journalismus, die mehr oder minder vor den Marktkräften geschützt ist.

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