Web 2.0 - was ist das eigentlich? Die Nutzer gestalten die Seiten, und die Unternehmen sind fast so verrückt wie früher
"Multimedial", "interaktiv" und "in Echtzeit". Schon mal gehört? Die Schlagworte der ersten Internetwelle klingen vermutlich noch jedem im Ohr, der den damaligen Pionieren zugehört hat. Die hatten die bevorstehende Revolution der Kommunikation, wenn nicht gar der Welt, durch vernetzte Computer erklärt.
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Nun sind die Schlagworte wieder überall zu hören: Bei der Beschreibung des jüngsten Modewortes Web 2.0, mit dem seit dem vergangenen Sommer die Renaissance des Internet als Massenphänomen und Wirtschaftsfaktor plakatiert wird. Streng genommen ist nichts am Web 2.0 so neu, wie es der Begriff suggeriert.
Die Internetanschlüsse sind einfach schneller geworden. Wer sich heute im Netz bewegt, tut das im Durchschnitt mit 30-mal mehr Tempo als noch vor wenigen Jahren. Nun funktioniert, was zuvor Vision war: Filme schauen, Bilder ins Netz stellen, Musik herunterladen.
Obwohl die Revolution ausgeblieben ist, hat sich langsam verändert, was im Internet zu sehen ist. Noch vor fünf Jahren dominierten bunte Seiten, die die Besucher anschauen konnten - oder eben nicht.
Das Meiste ist banal
Egal ob Nachrichten, Fotos oder Lexika: Was im Netz war, hatte meist irgendein Unternehmen dorthin gestellt, um sich selbst zu präsentieren oder im Umfeld Werbung zu verkaufen. Doch weder von der statischen Encyclopedia Britannica noch von der Internetgemeinschaft Fortunecity ist heute noch oft die Rede.
Die viel besuchten Seiten heißen Wikipedia, Youtube oder Xing: Allesamt Plattformen, auf denen die Besucher den Inhalt bereitstellen und konsumieren, ihn anderen empfehlen oder sich darüber lustig machen.
Das Meiste ist banal, vieles schlecht, manches brillant. Dennoch: Die virtuellen Gemeinschaften binden ihre Nutzer und fesseln sie vor dem Computer. So besuchen fast 90 Prozent aller Deutschen, die ein eigenes Profil auf der Online-Plattform Myspace angelegt haben, es mehrmals wöchentlich, um es weiterzuentwickeln, Nachrichten abzurufen oder die Seiten anderer anzugucken.
Einige der Nutzer verdienen dort inzwischen ihr Geld und sind so zu Gründern auf den Plattformen der Gründer geworden. Schon lange verkaufen Händler reale Waren bei Ebay und leben davon, inzwischen werden aber selbst Fiktionen ganz legal für echtes Geld verkauft.
Das mag verrückt sein; die Gründer aus der virtuellen Welt sind es nicht, oder zumindest nicht in dem Maße wie die erste Generation, die aus schillernden Personen wie dem seit zwei Jahren vor Gericht stehenden Alexander Falk oder Kumpeltypen wie Intershop-Gründer Stephan Schambach bestand.
(SZ vom 22.02.2007)
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