Was Facebook, Google und Co. alles sammeln Das Handy nutzen

Mal angenommen, ein durchgeknallter Innenminister wäre vor 20 Jahren auf die Idee gekommen, jeder Bürger über 14 müsse ein kleines Gerät bei sich tragen, mit dem sich jederzeit ziemlich genau feststellen ließe, wo man gerade ist. Was hätte das für einen Aufschrei gegeben! Heute tun es fast alle freiwillig: Sie besitzen ein Handy. Es ist aber keine verrückte Idee des Überwachungsstaates, sondern eine simple technische Notwendigkeit, dass Mobiltelefone ständig melden, wo sie sind. Denn nur so wissen die Mobilfunkanbieter, wohin sie einen Anruf oder eine SMS leiten sollen. Man kann ja Gott weiß wo sein. Na ja, und weil diese Daten schon mal da sind, kann man sie ja auch gleich nutzen.

Zum Beispiel für Navigationsgeräte. Neuere internetfähige Navis verwenden unter anderem Daten von Handys, um quasi live zu ermitteln, wo sich der Verkehr staut. Da trifft es sich gut, dass viele Handys mittlerweile einen GPS-Chip zur Satellitenortung eingebaut haben und damit noch genauer über ihren Standort Auskunft geben können. Die Kommunikationsdaten - wer hat wann mit wem kommuniziert - müssten die Anbieter nach dem Willen der EU eigentlich speichern, aber dem Bundesverfassungsgericht ging zu weit, wie die Regierung die EU-Vorgabe umsetzen wollte. Die Daten werden deshalb zurzeit nur so lange gespeichert, wie die Firmen sie zur Abrechnung brauchen.

Apps verwenden

Erst sie machen aus einem Telefon mit Bildschirm einen wertvollen Begleiter, der kostenlos Nachrichten verschickt, ein Taxi ruft, der weiß, wann die nächste S-Bahn kommt und wie es hier - verdammt noch mal! - zum Kino geht: Apps. Viele Apps sind kostenlos, und es mag tatsächlich Menschen geben, denen es Freude macht, anderen etwas ohne Gegenleistung zu schenken, eine nützliche App zum Beispiel. Die meisten aber wollen etwas dafür, nur sie sagen es nicht so genau.

Viele, sehr viele Apps greifen Daten ab, die sie für ihren eigentlichen Zweck nicht bräuchten. Manche nutzen die Kamera, fragen regelmäßig, wo wir gerade sind und lassen heimliche SMS zu und noch einige andere digitale Schweinigeleien. Das steht meist in schönstem Juristendeutsch UND IN LESEUNFREUNDLICHER VERSALIENSCHRIFT in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Ganz genau, wir lesen die auch nie. Wäre aber nicht schlecht, besonders kostenlose Glücksspiel-Apps und Rennspiele sind Datenschleudern, wie Sicherheitsanbieter herausgefunden haben.