Warum Samsung so erfolgreich ist Dreist gewinnt

Samsung Galaxy S3

(Foto: Bloomberg)

Jedes zweite verkaufte Smartphone stammt inzwischen von Samsung - das beschert dem Konzern Milliarden. Fünf Gründe für den Erfolg der Koreaner.

Von Varinia Bernau und Mirjam Hauck

Jeden Tag werden weltweit mehr Smartphones in Betrieb genommen als Babys geboren, etwa eine Million Stück. Ein Konzern, der von diesem Boom ganz besonders profitiert, ist Samsung: In den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres hat das südkoreanische Unternehmen einen Gewinn von umgerechnet etwa 6,3 Milliarden Euro gemacht, wie es am Dienstag mitteilte. Fast doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Was ist das Geheimnis dieses Erfolgs?

  • Kontrolle über die eigene Technik

Hinter Samsung Electronics steckt ein echter Gemischtwarenladen - und dieser versteht es, Entwicklung und Fertigung zu verzahnen. Die Computerchips, die sich die meisten anderen Hersteller von Zulieferern holen, haben die Südkoreaner im eigenen Haus. Und sie können auch zügig aufrüsten - etwa bei der Produktion von Bildschirmen aus Flüssigkeitskristallen, wie sie in Flachbildfernsehern stecken. Auch dort besteht nämlich jedes Pixel aus einem Halbleiter. So kann Samsung das Tempo der technischen Entwicklung bestimmen. Und Schnelligkeit ist bei Smartphones alles: Ein Modell gilt bereits nach einem Jahr als veraltet.

Wer alle Bauteile selbst fertigt, muss allerdings auch mehr in seine Fabriken investieren. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind bei Samsung dreimal so hoch wie bei Apple. Hinzu kommen die Ausgaben für Maschinen und Personal. Zum Vergleich: Bei Apple blieben über die ersten neun Monate des vergangenen Jahres von jedem erlösten Dollar etwa 26 Cent als Gewinn hängen. Bei Samsung war es mit knapp 13 Cent nur halb so viel. Um zumindest die Lohnkosten etwas zu drücken, baut Samsung neue Fabriken für die Fertigung von Chips und Flachbildschirmen bereits dort, wo Arbeitskraft billiger ist als in der Heimat - auch in China. Das ist auch nah an einer immer wohlhabenderen Kundschaft, die Gadgets gerade für sich entdeckt.

  • Nutznießer der Konkurrenz

Weil Samsung wichtige Bauteile wie Bildschirme, Speicherchips und Prozessoren auch an andere Hersteller liefert, profitiert der Konzern sogar davon, wenn sich die Smartphones der Konkurrenz gut verkaufen. Apple beispielsweise zählt zu den wichtigsten Kunden - und kauft für mehrere Milliarden Dollar im Jahr bei den Südkoreanern ein. Kürzlich allerdings kursierten Gerüchte, der kalifornische Konzern habe sich bereits zur Fertigung des nächsten iPhone andere Zulieferer gesucht. So berichtete die Finanznachrichtenagentur Bloomberg, Samsung solle zum nächsten iPhone zwar den Prozessor, nicht aber den Bildschirm beisteuern.

  • Fleißig und frech

Das Arbeitspensum bei Samsung ist hoch. Mancher vergleicht das Regiment des Konzernlenkers Lee Kun Hee gar mit dem Gebaren eines Diktators. Dafür zahlt aber auch kaum ein anderes Unternehmen in Südkorea so gut. Für besondere Erfolge gibt es Prämien, dreimal so hoch wie ein Monatsgehalt. Die bahnbrechenden Neuerungen, zunächst das iPhone, dann das iPad, kamen von Apple. Samsung hat nachgezogen - und sich darauf konzentriert, die Geräte besser zu machen.

Bei Apple ist man der Meinung, dass die Koreaner etwas zu dreist kopieren. Quer über den Globus überziehen sich die beiden Unternehmen deshalb mit Patentklagen. Doch in Testergebnissen schneiden die Samsung-Smartphones regelmäßig sehr gut ab. So ist das Spitzenmodell Galaxy S3 das derzeit schnellste Handy der Welt. Die guten Werte gelten im übrigen nicht nur für Smartphones: In Tests erzielen auch Samsungs Tablets und Fernseher oft bessere Ergebnisse als die der Konkurrenz.

  • Die Masse macht's

Samsung setzt bei seinen Smartphones vor allem auf Googles Mobilbetriebssystem Android, das auf zwei Dritteln aller Smartphones läuft. Samsung hat Android populär gemacht - auch durch die Masse an Geräten. Google gleicht mit der Software aus, woran es Samsung fehlt. Während es vom iPhone bislang sechs Modelle ausschließlich im oberen Preissegment gibt, verkauft Samsung allein in den USA 152 verschiedene Modelle. Jedes zweite verkaufte Smartphone stammt inzwischen von dem Unternehmen, so die Marktexperten bei KB Investment & Securities in Seoul.

  • Dumme Rivalen

Besser zu sein als die Konkurrenz ist leichter, wenn die sich blöd anstellt. Derzeit hat Samsung nur einen ernsthaften Rivalen: Apple. Der einstige Weltmarktführer Nokia setzte zu lange auf Handys ohne großes Touch-Display. Die neuen Lumia-Smartphones mit dem Betriebssystem Windows Phone 8 konnten den Abwärtstrend bislang nicht stoppen. Vor allem aus Sicherheitsgründen bevorzugen US-Präsident Barack Obama, das Militär, Geheimdienste und Manager die Blackberrys des kanadischen Herstellers RIM. Doch der Kundenstamm des einstigen Vorreiters schrumpft stetig. Im dritten Quartal 2012 verkaufte RIM nur neun Millionen neue Blackberrys, ein Drittel weniger als im Vorjahreszeitraum.

Auf die Zugkraft neuer Spitzenmodelle setzt der schwächelnde taiwanische Konzern HTC. Allerdings fehlt diesem kleineren Unternehmen, wie beispielsweise auch dem südkoreanischen Hersteller LG, das Geld, um im Westen große Werbekampagnen zu lancieren. Und auf dem asiatischen Markt machen sich längst die chinesischen Firmen ZTE und Huawei breit.