Wandel des Computer-Markts Tablets verändern die Welt

Tablet-Computer stellen die Computer-Branche auf den Kopf. Die Flach-Rechner von Apple, Microsoft, Amazon und Co. sorgen dafür, dass im Privaten der PC ausstirbt. Und das betrifft nicht nur die Kiste unter dem Schreibtisch. Tablets werden auch den Laptop verdrängen.

Ein Kommentar von Sophie Crocoll

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In den drei Monaten vor Weihnachten machen viele Unternehmen ein besonders gutes Geschäft. 2010 verkauften sich in dem Zeitraum so viele Computer wie nie zuvor. Etwa 90 Millionen Stück. Seitdem nimmt die Zahl ab. Menschen tauschen ihren PC nicht mehr so häufig aus, die Geräte haben sich zu wenig entwickelt. Und dann gibt es da seit zwei Jahren ein Ding, das ohne Tastatur und Maus daherkommt, dafür aber auf Berührungen reagiert: Apples iPad.

Seitdem haben diese Tablet-Computer die Branche auf den Kopf gestellt. Schätzungen zufolge werden Käufer sich in diesem Jahr fast doppelt so viele Geräte zulegen wie 2011, mehr als 110 Millionen Tablets, Tendenz stark steigend - Computerkäufe dagegen stagnieren. Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft hat in dieser Woche daher Apple neue iPads vorgestellt, haben Amazon und Microsoft neue Tablets in die deutschen Läden gebracht. Der Computer wird deshalb nicht verschwinden: Manche Leute benötigen bei der Arbeit einen großen Bildschirm oder eine hohe Rechenleistung. Im Privaten aber stirbt der PC aus. Nicht nur die Kiste unter dem Schreibtisch: Der Tablet-Computer wird auch den Laptop verdrängen.

Denn ein Tablet entspricht der Vorstellung, wie Menschen heute Computer benutzen wollen - unterwegs, schnell, ständig. Vor allem aber: Die Bedienung funktioniert intuitiv, weshalb selbst Kinder und ältere Menschen, die nie einen PC bedient haben, sie rasch verstehen. Man streichelt die Tablets, bald wird man mit ihnen sprechen, sie über Gesten oder Blicke steuern können. Ihr Gebrauch wird auch in Schwellenländern deutlich zunehmen. Wer sich dort zum ersten Mal einen Computer kauft, wird PC und Laptop oft überspringen. Das liegt unter anderem daran, dass es Tablets inzwischen für unter 200 Euro gibt.

Ehemalige Marktführer werden bedeutungslos

So verschieben sich die Gewichte einer ganzen Branche. Ehemalige Marktführer wie Hewlett-Packard und Dell werden dem Laptop in die Bedeutungslosigkeit folgen. Davon profitiert derzeit besonders Apple. In Zukunft wird sich der Computerkonzern das Geschäft aber stärker teilen müssen; mit Amazon, mit Google, auch mit Anbietern wie dem chinesischen Hersteller Lenovo, der Hewlett-Packard gerade als größten Computerbauer ablöst - und gleich mehrere Tablets anbietet. Microsoft versucht derweil, mit dem Betriebssystem Windows 8 und einem eigenen Gerät noch einmal zu den Rivalen aufzuschließen.

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Am Niedergang des Laptops werden auch neue Geräte nichts ändern wie das Ultrabook - besonders schmale, leichte und schnelle Laptops, die Intel erfunden hat und die einen Chip des Konzerns enthalten müssen. Mancher Hersteller preist das Gerät als seine Rettung. Doch offenbar glaubt nicht einmal mehr Intel an die Wende: Im Kleingedruckten des letzten Quartalsberichts fand sich der Hinweis, für die boomenden Tablets habe man jetzt eine eigene Einheit gebildet. Das Geschäft mit Chips für PCs und Laptops nahm dagegen ab.

Auf mittlere Sicht könnten Tablet-Computer sogar internetfähige Handys überholen. Das liegt an den größeren, schärferen Bildschirmen, auf denen man besser Videos sehen und spielen kann. Telefonieren ist für viele ohnehin nur Nebensache bei ihrem Handy. Die Branche wird sich darauf einstellen müssen.

Werbeindustrie steckt in einem Dilemma

Der Wandel betrifft ebenfalls die Werbeindustrie: Im Internet bislang übliche Werbebanner einfach auf mobile Geräte wie Tablets zu bringen, das gelingt nicht. Tabletnutzer wollen auf sie zugeschnittene Angebote sehen - passend zu ihren Kaufinteressen, aber eben auch passend zum Ort, an dem sie sich befinden. Wer mit dem Tablet im Café sitzt und im Internet surft, will andere Anzeigen präsentiert bekommen als jemand, der den flachen Rechner auf der Couch im Wohnzimmer nutzt.

Gleichzeitig sollen Unternehmen die Privatsphäre der Kunden im Netz respektieren, was individualisierte Werbung erschwert. Wer die Lösung für dieses Dilemma findet, wird reich belohnt. Denn schon jetzt klickt, wer mit einem Tablet-Computer ins Internet geht, viermal häufiger auf eine Anzeige, als das bei Smartphone-Nutzern der Fall ist. Auch diese Entwicklung spielt dem Tablet-Boom zu.

Zugegeben, die flachen Rechner passen anders als Handys nicht in die Hosentasche. Die meisten Leute schreckt das jedoch nicht. Die älteren erinnern sich noch an die Zeit, als sie in Leder gebundene Kalender in die Aktentasche steckten. Das geht auch mit Tablets.

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