Wahlkampf im Internet Sky du Spam

Die Hamburger FDP wollte alles richtig machen. Ein Werbefilmchen mit Sky Dumont sollte die Blogger-Szene begeistern. Doch der Schuss ging gewaltig nach hinten los.

Von Mirjam Hauck

Wahlplakate an dreispurigen Ausfallstraßen aufstellen oder sich gar in die zugige Fußgängerzone stellen, um den Wähler - das unbekannte Wesen - zu erreichen? Das geht auch anders, dachte sich die Hamburger FDP und drehte ein Youtube-kompatibles Werbefilmchen mit ihrem prominentesten Parteigänger: Star-Schnösel Sky Dumont.

Mit gewohnt sonorer Stimme sinniert er in einem grauen Synchronstudio, farblich abgestimmt auf Haupthaar und Oberhemd, darüber, wem er schon alles seine Stimme geliehen hat. Mit dabei: der "verliebte Adelige und ein sprechender Kühlschrank". Man ahnt die Überleitung. Weil Hamburg wieder eine liberale Mitte brauche, gebe er am Wahlsonntag seine Stimme Hinnerk Fock, dem FDP-Spitzenkandidaten. Bei seiner Namensnennung darf dieser kurz ins Bild, Sky kräftig die Hand schütteln und mit gelber Fliege um den Hals in die Kamera grinsen.

Keine Frage, das Video hat alles, was es braucht, um als Link in einer E-Mail mit der Betreffzeile "Mal was lustiges für zwischendurch" versendet zu werden.

Doch die FDP traute ihrem Machwerk diese selbständige Weiterverbreitungskompetenz nicht zu. Sie entschied sich für: Virales Marketing.

Eine Werbeagentur schickte an Blogger E-Mails mit dem Inhalt: "Hallo! Kennst du schon den FDP-Wahlwerbespot für die Bürgerschaftswahlen in HH? Wäre das nicht was für deinen Blog?" Der Clou dabei: Die bemüht lockere Schreibe und der Absender mit dem schönen hanseatischen Namen "Niklas Sörensen" und einer GMX-Adresse sollten erst gar nicht den Verdacht aufkommen lassen, dass hinter der Aktion Werbeprofis stecken.

Doch die Inkognito-Werber hatten nicht damit gerechnet, dass Blogger dieses Spiel durchschauen - und schlimmer noch, die E-Mails als unerwünschte Werbung, als Spam, einstufen und juristisch dagegen vorgehen.

Der Hamburger IT-Unternehmer Hanno Zulla ermittelte über den Header der Wahlwerbe-Mail die Hamburger Agentur Oysterbay. Daraufhin schaltete er einen Anwalt ein und schickte der Hamburger FDP eine Abmahnung - wegen Spammer-Methoden. Die Partei lenkte sofort ein und unterschrieb die strafbewehrte Unterlassungserklärung.

Die Werber zeigten sich dagegen weniger einsichtig: "Wenn Mails von einer Werbeagentur kommen, dann werden sie weggeklickt. Mit einer GMX-Adresse haben wir mehr Chancen", sagte der Geschäftsführer der betroffenen Werbeagentur, Wulf-Peter Kemper, dem Internetportal Politik digital.