Vorwurf der Propaganda US-Kongress untersucht Psycho-Tricks in Trumps Wahlkampf

Nicht jeder darf hier rein und zuhören: der Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses trifft sich im Kongress in Washington.

(Foto: AP)
  • Hat Donald Trumps Team im Wahlkampf Wähler mit Methoden der psychologischen Kriegsführung manipuliert?
  • Diese Frage ist sehr umstritten, im Mittelpunkt der Debatte steht die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica.
  • Jetzt wird bekannt, dass Kongressabgeordnete Trumps Big-Data-Helfer unter die Lupe nehmen.
Von Jannis Brühl

Der Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses prüft, welche Rolle die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica bei der Wahl Donald Trumps gespielt hat. Es geht um den Vorwurf, Wähler manipuliert und dabei möglicherweise sogar mit einem ausländischen Staat kooperiert zu haben. Das berichtet die Website Daily Beast. Das Unternehmen bestätigte ihr, dass es dem Kongress Dokumente übergeben habe.

Damit wird zum ersten Mal bekannt, dass US-Politiker in Washington Trumps Big-Data-Helfer unter die Lupe nehmen. Die Untersuchung ist Teil der Ermittlungen, die klären sollen, ob Russland den US-Wahlkampf manipuliert hat, um Hillary Clinton als Nachfolgerin von Barack Obama zu verhindern oder sie zumindest zu schwächen.

Kritiker werfen Cambridge Analytica vor, der Demokratie durch "Psy Ops" zu schaden - Operationen der psychologischen Kriegsführung. Das britische Unternehmen, das auf mehreren Kontinenten Büros unterhält, arbeitet mit Big-Data-Methoden. Es wirbt damit, auf Grundlage des Nutzungsverhaltens von Facebook-Nutzern sogenannte psychometrische Profile dieser Nutzer erstellen zu können: Ist die Person eher optimistisch oder ängstlich, extrovertiert oder wütend? "Unsere geheime Sauce" nannte Unternehmenschef Alexander Nix das einmal.

Auf dieser Basis können der Person dann maßgeschneiderte Anzeigen ausgespielt werden, um sie zu manipulieren. So weit die Theorie.

Wurde Hillary Clinton trickreich angeschwärzt?

Ein im Netz weit verbreiteter Artikel der Schweizer Wochenendbeilage Das Magazin suggerierte kurz nach der US-Wahl 2016: Das Unternehmen habe in Koordination mit Trumps Wahlkampfteam maßgeschneiderte Werbung auf Facebook ausgespielt, um in wahlentscheidenden Gegenden Hillary Clinton bei potenziellen Wählern anzuschwärzen. Und das, ohne dass der Rest des Landes diese zielgenau veröffentlichten Anzeigen überhaupt wahrnehmen konnte.

Manche Kritiker der US-Regierung vertreten sogar die Theorie, dass die von Trumps Datenteam erhobenen Informationen über Facebook-Nutzer Clinton-Gegnern in Russland zur Verfügung gestellt wurden. Russische Propagandakrieger könnten dann diese Daten genutzt haben, um gezielt Anzeigen zu schalten, durch die die politische Spaltung im Land vertieft werden sollte. "Ich glaube, dass die Russen Hilfe hatten", sagte die demokratische Abgeordnete Jackie Speier im September. "Ich habe mich immer gefragt, ob Cambridge Analytica ein Teil davon war." Für so eine Kooperation zwischen Trumps Datensammlern und russischen Akteuren gibt es aber keinerlei Anzeichen.

Cambridge Analytica soll zum Teil Robert Mercer gehören, einem Milliardär, der Trump unterstützt. Stephen Bannon, Nationalist und ehemaliger Chefberater Trumps, hatte eine Führungsrolle in dem Unternehmen inne, bevor er Trumps Wahlkampf-Chef wurde.

Google, Facebook und Twitter sollen Anfang November zu möglicher Wahlmanipulation in ihren Netzwerken im Kongress aussagen. Facebook hat erklärt, dass von Russland aus für 100 000 Dollar 3000 Anzeigen mit entsprechendem Inhalt geschaltet wurden (mehr zu politischen Anzeigen in sozialen Medien hier). Die britische Datenschutzbehörde untersucht bereits, ob Cambridge Analytica in der Brexit-Kampagne gegen Datenschutzregeln verstoßen hat. Die Firma war damals für das Lager aktiv, das den Brexit wollte.

Die Macht des Unternehmens ist umstritten

Die These, dass das Unternehmen die Wahl für Donald Trump entschieden hat, ist äußerst umstritten. Der Ruf von Cambridge Analytica als großer Manipulator und Gefahr für die Demokratie beruhe eher auf seiner klugen PR-Arbeit und sensationalistischer Berichterstattung, so die Kritik. Wie effektiv Wähler von einzelnen Anzeigen in ihrem Facebook-Nachrichtenstrom beeinflusst werden könnten, sei unklar. Daily Beast zitiert einen republikanischen Daten-Fachmann mit den Worten, hinter Cambridge Analytica steckten keine "bösen Masterminds", das Unternehmen sei eher wie eine Slapstick-Truppe aus einem hektischen Stummfilm.

Brad Parscale, offizieller Chef von Trumps Datenteam, erklärte vergangene Woche dem Sender CBS, er habe die psychometrischen Techniken im US-Wahlkampf gar nicht eingesetzt, und das nicht aus moralischen Überlegungen heraus: "Ich glaube einfach nicht, dass es funktioniert."

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