Vorstellung der Google Glass Smartphones ade

Googles jüngstes Projekt: eine Datenbrille, bei der Informationen in das Sichtfeld der Brillengläser einblendet werden.

(Foto: dpa)

Sie hängt an einem schmalen Brillenbügel, hat aber keine Gläser: Auf der Technologie-Messe Next wurde die Datenbrille Google Glass vorgestellt - jüngstes und zugleich umstrittenes Produkt des Konzerns. Die Datenbrille macht Handys überflüssig und heimliches Fotografieren noch einfacher.

Von Johannes Boie

So fängt es an. Sieben Journalisten, leicht übermüdet, sitzen in einem viel zu großen Raum im Untergeschoss des Berliner Kongress-Zentrums am Alexanderplatz und starren auf Robert Scoble. Der Amerikaner sieht überhaupt nicht aus wie der Terminator, er hat ein paar Kilo zu viel auf den Rippen, und sein Gesicht lächelt die ganze Zeit, er ist ein freundlicher, einnehmender Mensch, der laut spricht und noch lauter lacht. Und trotzdem wirkt er wie direkt aus der Zukunft; denn vor seinem Auge blitzt ein kleiner, gläserner Quader, eine Art Prisma. Der hängt an einem schmalen Brillenbügel, eine Brille ohne Gläser freilich.

Robert Scoble, amerikanischer Technik-Blogger und Ex-Microsoft-Angestellter, dürfte die erste Google-Glass-Brille nach Deutschland, wenn nicht nach Europa gebracht haben. Als sich im Kongress-Zentrum, in dem die Technologiemesse Next stattfindet, herumspricht, was Scoble im Untergeschoss herumzeigt und ausprobieren lässt, ist der Raum innerhalb weniger Minuten proppenvoll.

Google Glass ist das jüngste Produkt von Google, und vielleicht wird es das umstrittenste sein, das es jemals gab. Es bringt viele der Funktionen, die heute komplexere Handys wie das iPhone bieten, in einen Minibildschirm, der direkt am Auge sitzt. Bislang wurden ein paar Hundert Prototypen der Brille verteilt, ausschließlich in den USA. Scobles Brille war die 107., die ausgeliefert wurde. Regulär erhältlich soll das Produkt erst in einem Jahr sein.

Die Zukunft liegt in den Augenbewegungen

Wer die Brille trägt, und sei es nur für ein, zwei Minuten, bemerkt schnell das Potenzial der Erfindung. Der Miniprojektor vermittelt das Gefühl, im rechten oberen Blickfeld einen circa 20 Zentimeter großen Bildschirm zu sehen. Die Brille reagiert auf Sprache und Kopfbewegungen. Entwicklungsunterlagen von Google deuten darauf hin, dass sie irgendwann auch mit Augenbewegungen gesteuert werden könnte. Sie ist die meiste Zeit ausgeschaltet, meldet sich nur, wenn zum Beispiel eine E-Mail eingeht. Die kann man dann direkt lesen. Man kann der Brille auch befehlen, ein Video oder Foto zu schießen, oder sie fragen, wo der nächste Coffeeshop ist. Das Gerät blendet dann eine Karte ein und weist je nach Blickrichtung des Trägers den Weg.

Die Brille befreit von der Notwendigkeit, ständig das Handy zu zücken. "Je länger ich sie habe, umso weniger setze ich sie ein", beschreibt Scoble den verblüffenden Effekt. Der Umgang mit der digitalen Welt wird effizienter. Durch die vollständige Verschmelzung von nicht-digitaler und digitaler Realität kommt es auch zu neuen Problemen, vor allem im Hinblick auf die Privatsphäre. Filmen und Fotografieren geht mit der Brille noch unbemerkter.

Die Begeisterung in Berlin ist grenzenlos. "Where ist my Google Glass?", ruft Scoble in den Raum, er kann in dem Durcheinander nicht sehen, wer sie trägt. "Wie kann ich Ihre E-Mails ausblenden?", schallt es zurück. "Was?!", ruft Scoble, "gebt mir sofort das Ding zurück."