Kurz vor Beginn der Cebit haben die Briten als erstes Mobilfunk-Unternehmen ihr UMTS-Netz in Betrieb genommen.
Den Mobilfunk-Managern wird auf der Cebit ein Stein vom Herzen fallen: Endlich, mit jahrelanger Verspätung, können sie die neue Technik UMTS präsentieren. Schon vor der Messe haben sich die Netzbetreiber T-Mobile und Vodafone einen Wettlauf darum geliefert, wer bei der Einführung des Universal Mobile Telecommunication System vorne liegt.
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Kürzlich hat Vodafone-Chef Jürgen von Kuczkowski vor den Augen Hunderter Mitarbeiter symbolisch eine Ampel auf grün geschaltet und eine UMTS-Steckkarte für Laptops vorgestellt. Tags darauf lobte sich Vodafone in Zeitungs-Annoncen: "Wir sind die Nummer eins."
Solchermaßen herausgefordert, konterte T-Mobile-Chef René Obermann wenige Tage später auf der Mobilfunk-Messe in Cannes: UMTS allein sei gar nicht so wichtig; T-Mobile baue verschiedene Technologien auf und sei führend bei den so genannten WLan-Hotspots. Das sind sehr leistungsfähige drahtlose Netze für den Datenaustausch zwischen Computern, die vor allem in Hotels und Flughäfen installiert werden. Zudem, so Obermann, sei es nur eine Frage von Wochen, bis T-Mobile mit UMTS starte.
Steckkarten bedeuten eine neue Ära
Diese Zeit läuft nun spätestens auf der Cebit ab. In Hannover werden alle Mobilfunk-Betreiber UMTS-Angebote zeigen. Die meisten werden es halten wie Vodafone und das kommerzielle Geschäft ohne Handys beginnen. Die neue Ära beginnt mit Steckkarten für Laptops. Die Karten erlauben es, sich ohne Kabel oder Handy ins Internet einzuwählen.
Die Datenübertragung soll mit dieser Steckkarte um ein Vielfaches schneller funktionieren als bisher. Auch mit der herkömmlichen Technik GPRS (General Packet Radio Service) können schon Bilder, Musik oder E-Mails von Handy zu Handy oder zwischen Mobiltelefon und Computer verschickt werden. Mit UMTS wird diese Welt noch leistungsfähiger und bunter.
UMTS-Handys wird es auf der Cebit zwar zu sehen, aber in großen Stückzahlen noch nicht zu kaufen geben. Wann es soweit sein wird, ist unklar. Das Stuttgarter Mobilfunk-Unternehmen Debitel hat zwar vor drei Wochen den Anfang gemacht.
Multimediahandys spätestens zu Weihnachten
Das Angebot beschränkt sich aber auf einige hundert Telefone. Rudolf Gröger, Chef der Münchner Mobilfunk-Gesellschaft O2, will die neuen Telefone von Mitte Mai an anbieten. Die übrigen Netzbetreiber werden das Datum für den Verkaufsstart vermutlich auf der Cebit bekannt geben. Spätestens zum Weihnachtsgeschäft wollen sie die Multimedia-Handys vermarkten.
Vorläufig ist die UMTS-Technik nur in den großen Städten verfügbar. Die Netzbetreiber bauen die Antennen schrittweise auf, weil sie die Investition sonst zu teuer käme. Ende nächsten Jahres müssen die Betreiber die Hälfte der Bevölkerung mit UMTS versorgen können - so lautet die Auflage der staatlichen Regulierungsbehörde. Dort, wo UMTS nicht zur Verfügung steht, schalten die Handys und UMTS-Laptops automatisch auf die herkömmliche GPRS-Technik um.
Auf eine Gratwanderung begeben sich die Netzbetreiber bei der Preisgestaltung. Sind die neuen Dienste und Telefone zu teuer, kauft sie keiner. Sind sie zu billig, verdienen die Unternehmen nichts. Die Preise, die Vodafone zur Markteinführung der Laptop-Karte festgesetzt hat, halten Tarif-Experten für relativ hoch. Kundenzahlen für das neue Produkt nennt Vodafone derzeit nicht. Viele Beobachter meinen, dass das Unternehmen die Tarife noch senken wird und muss.
Bis die Netzbetreiber mit den neuen Diensten Gewinn machen, wird es dauern. Die Mobilfunk-Unternehmen haben viele Milliarden Euro investiert. Das US-Marktforschungsunternehmen Forrester schätzt, dass die Netzbetreiber frühestens 2014 mit UMTS die Gewinnschwelle erreichen. Wer zuerst auf dem Markt war, wird dann niemand mehr fragen.
(SZ vom 16.03.2004)
Nach dem Massaker im syrischen Hula