Forscher erkunden, nach welchen Regeln sich manche Bilder und Videos explosionsartig im Internet verbreiten. Die Erfolgsformel hat mit dem Einfluss bestimmter Nutzer, aber auch mit unserer Vorliebe für Katzen zu tun.
Vier Musiker, vier iPhones und ein Mitschnitt per Handykamera - der Aufwand für ein U-Bahn-Konzert der New Yorker Band Atomic Tom war relativ bescheiden. Das Ergebnis ist es nicht: Innerhalb weniger Tage klickten mehr als eine Million Menschen das YouTube-Video an, auf dem die Band ihren Song "Take Me Out" statt auf üblichen Instrumenten auf iPhones spielt, auf Apps, also Software-Simulierungen von Gitarren und Schlagzeugen. Zeitweise rückte das Stück in den amerikanischen iTunes-Charts auf Platz 86 vor. Nicht schlecht für eine Band, die üblicherweise vor wenigen Dutzend Zuschauern spielt.
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Virales Musik-Marketing – iPhone-Konzert wird zum YouTube-Hit (© Zoom In)
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Die iPhone-Musiker behaupteten, ihre echten Instrumente seien gestohlen worden. Schnell verbreitete sich jedoch das Gerücht, dahinter stecke ein brillanter Marketingschachzug des iPhone-Herstellers Apple.
Sollte das zutreffen, sind die Apple-Strategen zu beglückwünschen. Denn ob und wie sich Videos auf YouTube durchsetzen, ist ein großes Rätsel - auch unter Wissenschaftlern. Den allermeisten unter den schätzungsweise 1,1Millionen täglich hochgeladenen Videos ist keine große Karriere vergönnt.
"Es gibt viele Theorien, aber bislang hat sich keine wirklich durchgesetzt", sagt Krishna Gummadi vom Max-Planck-Institut für Software-Systeme in Saarbrücken. Er versucht zu verstehen, warum sich YouTube-Videos, Flickr-Fotos und ähnliche Inhalte verbreiten - oder eben nicht.
Sicher ist, dass es verschiedene Typen der Verbreitung gibt: Manche Bilder oder Videos werden schnell von vielen Leuten angesehen und geraten dann in Vergessenheit. Andere steigern ihre Beliebtheit jahrelang, wieder andere bleiben erst unbemerkt, bis die Klickzahlen plötzlich explodieren. Als Zünder dient oft eine Nachrichten-Website, die das Video verlinkt.
Der Amazon-Effekt
So wurde beispielsweise das Video der Pressekonferenz, bei der Finanzminister Schäuble seinen Pressesprecher abkanzelte, einen Tag lang kaum beachtet. Erst Links auf Facebook-Seiten, dem Nachrichtenportal heise.de und der Website der Tagesschau katapultierten das Video innerhalb kurzer Zeit auf mehr als 700.000 Klicks. Nach dem Rücktritt von Pressesprecher Michael Offer flaute das Interesse wieder ab.
Die Dauerbrenner unter den Videos dagegen werden eher durch Mundpropaganda verbreitet. Auch YouTube selbst trägt dazu bei, beliebte Videos beliebter zu machen. Etwa 30 Prozent der Videos werden angesehen, weil YouTube sie Nutzern am Ende eines anderen Videos empfiehlt. "Nur YouTube weiß, wie das funktioniert, die Algorithmen dahinter sind geheim", sagt Gummadi.
Vermutlich funktioniere der Mechanismus aber ähnlich wie beim Internetbuchhändler Amazon: Wenn viele Nutzer sowohl Video A als auch Video B angesehen haben, wird Video B allen empfohlen, die Video A angesehen haben, und umgekehrt.
Viele Forscher vermuten daher, dass in Netzwerken, egal ob YouTube, Facebook oder bei Virusinfektionen, eine Schwelle existiert, die Epidemien entfacht - der "Tipping Point". Bekannt gemacht hat diese Theorie der US-Journalist Malcolm Gladwell, Autor des gleichnamigen Buches. Auf YouTube bezogen, würde das bedeuten, dass es für ein Video eine kritische Schwelle von Klicks gäbe: Ist die überschritten, wird das Video zum Selbstläufer.
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Christopher Lee zum 90.
Wie man ein bisschen "nachhelfen" kann, aber dann komplett die Kontrolle verliert, habe ich übrigens gerade in einem täglichen Blog über einen Monat dokumentiert: Die virale Verbreitung meines zwar niedlichen, aber komplett unspektakulären "Bären-Videos", ausgehend von der Idee, dass man nur einen einzigen respektierten "Multiplikator" (in meinem Fall die "Flausch-am-Sonntag"-Rubrik auf Niggemeiers Blog) benötigt, um innerhalb kürzester Zeit eine weltweite Bewegung "anzustuppsen". In meinem Fall hat es funktioniert, oftmals recht kurios (Nummer-1-Clip in einer gruseligen US-TV-Show etc) und erstaunlich (an einem einzigen Tag aus Brasilien 45.000 Clicks), zeigt aber auch ziemlich drastisch die Gefahr einer viralen Verselbständigung, denn das harmlose Bärenvideo wurde erst zur "Bären-Orgie" und dann zum "Bären-Gang-bang" umgedeutet, in unterschiedlichsten Sprachen rund um den Globus verfügbar und unter diesem Titel auf diversen Seiten als eigener Content verbreitet.
Dennoch war es ausserordentlich spannend, die Verbreitungswege tagtäglich nachzuvollziehen, und die Theorie der "Multiplikatoren" ging sogar noch weiter, denn in der Folgezeit wurde der Blog nun beachtet, erwähnt, verlinkt und besprochen.
Wen es interessiert:
einvideogehtumdiewelt.blogspot.com
Zitat aus dem Artikel: " ... ähnlich wie beim Internetbuchhändler Amazon: Wenn viele Nutzer sowohl Video A als auch Video B angesehen haben ... "
Aha, Amazon verkauft also nur Bücher, soso. Nun ja, bei seiner Gründung 1994 war das in der Tat noch so ... Und außerdem ist Amazon als Videoplattform bekannt ... Stimmt, man kann Videorezensionen über einzelne Produkte hochladen und anschauen, wird aber selten genutzt. Oder wurden hier etwa Amazon und youtube durcheinander gebracht?
Wenn offensichtliche Fakten so durcheinander gebracht werden und offensichtlich veraltetes Wissen "verbraten" wird, fragt man sich, wie sorgfältig mit dem eigentlichen Thema des Artikels und der Recherche umgegangen wurde.
schon die schlechte Laune eines einzelnen Users kann die weiteren Klickzahlen negativ so sehr beeinflussen das ein Video floppt...
Auch die Sache mit der Buchempfehlung ist nicht so einfach...
"Entschied sich ein Freund, ein Buch zu kaufen, erhielt er einen Rabatt, und der Absender der Empfehlung eine Gutschrift."
Wenn mir ein Freund solch ein Angebot unterbreitet, dann würde ich an der Freundschaft zweifeln, aber das Buch sicher nicht kaufen.
Mein erster Gedanke wäre: Ist diesem Menschen meine Freundschaft wichtig? Er will sich doch nur an mir bereichern, wie alle anderen auch.
Der Schuss geht nach hinten los.
also ich bin nach dem Erklärbär.versuch der Autorin mindestens genauso schlau, wie vorher. SCHÖN wenigstens, dass es jemand versucht hat ... ein ungemein wichtiger Beitrag. ;-)
warum die 50 Erfolgreichsten Videos auf soviele Klicks kommen.
a) Viele Nutzer geben erst garkein Suchbegriff ein, sondern klicken auf die Top Videos. Demnach bekommen die Top-Videos immer mehr klicks, und neue kommen nicht nach.
b) Bisher haben sehr viele Menschen You Tube als Musik Player benutzt da man nicht nur den Song sondern auch den Clip ansehen konnte. Die Bedienung ist einfach und bei Freunden oder auf Parties die einfachste möglichkeit an Musik heran zu kommen. Leider werden nun immer mehr Videos gelöscht da sie Copyrights verletzen.
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