Video-Plattformen Facebook sägt an Youtubes Thron

Youtube ARCHIV - ILLUSTRATION - Auf einem Laptop in Berlin ist das Logo des Internet-Videoportals YouTube zu sehen, aufgenommen am 20.07.2012. Über diese Plattform können Benutzer kostenlos Video-Clips ansehen und hochladen. Foto: Britta Pedersen/dpa (zu dpa 'Youtube wird 10' vom 06.02.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++

(Foto: dpa)
  • Youtube ist die dominierende Video-Plattform, doch zahlreiche Konkurrenten wachsen heran.
  • Insbesondere Facebook hat in den vergangenen Monaten seine Videofunktionen stark ausgebaut und gräbt Youtube Marktanteile ab.
  • Auf Facebook lässt sich mit Videos derzeit noch kein Geld verdienen.
Von Simon Hurtz

Wer sich durch Youtubes Statistiken wühlt, darf keine Angst vor großen Zahlen haben: Monat für Monat schauen sich laut Konzernangaben mehr als eine Milliarde Menschen Youtube-Videos mit einer Gesamtlänge von über sechs Milliarden Stunden an; alle 60 Sekunden werden 100 Stunden neues Videomaterial hochgeladen. Das klingt nicht so, als müsste sich Youtube um seine Vormachtstellung sorgen, wenn es um Bewegtbild im Internet geht.

Doch die Mitbewerber heißen heute nicht mehr Myvideo und Dailymotion, sondern Facebook und Twitter - und sind zu echten Konkurrenten geworden. "Bewegtbild ist das neue Selfie", sagt ein Facebook-Sprecher. Es sei "der Wahnsinn", wie viele Menschen mittlerweile Online-Videos produzieren, anschauen und teilen würden. Kein Wunder also, dass sich Facebook und andere Firmen ein Stück von Youtubes Kuchen abschneiden wollen.

Kampfansage an Youtube

Als Mark Zuckerberg Ende Januar Facebooks Quartalsergebnisse verkündete, war das eine implizite Kampfansage an Youtube. Täglich werden auf dem sozialen Netzwerk drei Milliarden Videos abgespielt - der Juni 2014 war der erste Monat mit durchschnittlich einer Milliarde Abrufe pro Tag. Mittlerweile schauen sich amerikanische Desktop-Nutzer mehr Videos auf Facebook als auf Youtube an. "Einer der großen Trends wird die Zunahme unserer Bewegtbild-Inhalte sein", kommentierte Zuckerberg diese Entwicklung.

Eine Entwicklung, die Facebook kräftig mit befeuert hat. Im Laufe der vergangenen Monate wurden etliche Funktionen eingeführt, die Video-Inhalte in den Vordergrund rücken sollten. So werden Videos mittlerweile automatisch ohne Ton abgespielt, sobald sie in der Timeline auftauchen - ein Grund für die Vervielfachung der Abrufe. Der Player hat ein neues Design und zeigt nun die Zahl der Abrufe an. Außerdem haben Seitenbetreiber jetzt die Möglichkeit, ihre Videos, ähnlich wie bei Youtube, in Playlists zu sortieren und einzelne Videos besonders prominent hervozuheben.

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Die Facebook-Timeline ist plötzlich voller Videos

Wer Facebook regelmäßig nutzt, dürfte zudem festgestellt haben, dass die Zahl der Videos in der Timeline deutlich zugenommen hat. "Im Vergleich zu Links, Bildern oder Status-Updates werden Video-Postings bevorzugt", sagt Bertram Gugel, der Video-Strategien und -Formate für Unternehmen entwickelt und seit zehn Jahren über Online-Videos bloggt.

Aus der Sicht von Facebook sei diese Entscheidung logisch: "Gefühle lassen sich in Videos viel unmittelbarer ausdrücken. Bewegtbild ist dabei, Text als Standard-Kommunikationsform im Internet abzulösen", sagt Gugel. Keine allzu gewagte Prognose: Eine Studie des amerikanischen Telekommunikationsdienstleisters Cisco sagt voraus, dass im Jahr 2019 13-mal so viele Videos angeschaut werden wie 2014.

Doch Facebook komme nicht nur den Vorlieben der User entgegen, meint Gugel, sondern verschaffe sich auch eine bessere Verhandlungsposition in Gesprächen mit Werbetreibenden: "Alle Netzwerke und Plattformen wollen die Verweildauer auf ihrer Seite steigern. Indem Facebook seine Videos pusht, bringt es die User dazu, weniger schnell weiter zu klicken. Je länger man Facebook nutzt, desto mehr Anzeigen bekommt man zu Gesicht."