Verschwenderische Start-ups Geldvernichter aus dem Silicon Valley

Der Boom treibt skurrile Blüten: Das kalifornische Start-up Flyguy Promotions baut Flugobjekte in Form von Personen.

(Foto: Mike Blake/Reuters)

Sechsstellige Gehälter, horrende Mietkosten, heftige Konkurrenz. Das Silicon Valley diskutiert, ob die Tech-Branche wieder überhitzt ist. Die Start-up-Firmen verprassen Millionen - ein neuer Crash droht.

Von Johannes Kuhn, San Francisco

Nichts ist so uninteressant wie die Blase von gestern. "Diesmal ist alles anders", lautete lange Zeit die Standardantwort auf die Frage, ob sich die Tech-Branche im Silicon Valley gerade wieder überhitzt. Es ist ein verführerischer Satz, den auch Betrunkene gelassen aussprechen, bevor sie zum zweiten Mal mit einem Laternenpfahl zusammenstoßen.

Doch nun, im absehbaren Investment-Rekordjahr 2014, zieht ehrliche Nachdenklichkeit ein: Das Silicon Valley diskutiert über die Schattenseite des Booms.

Auslöser sind die Worte des renommierten Investors Bill Gurley in einem Gespräch mit dem Wall Street Journal. "Ich glaube, dass das Silicon Valley als Ganzes, die Risikokapital- oder Start-up-Community, gerade viel zu viel Risiko eingeht", erklärte er. Und um seine Warnung noch deutlicher zu machen, verglich er die Situation mit der Zeit der großen New-Economy-Blase: "Das hat es seit 1999 nicht mehr gegeben", so Gurley.

Er spielt in seiner Argumentation auf die so genannte "Burn Rate" an, also auf die monatlichen Verluste von Start-ups. "2001 oder 2009 hättest du niemals einen Job bei einer Firma angenommen, die vier Millionen Dollar im Monat verliert. Heute macht das jeder, ohne nachzudenken", sagte Gurley, dessen Unternehmen Benchmark einst früh in Start-ups wie Ebay und Facebook einstieg.

Sechsstellige Gehälter, horrende Mietkosten, heftige Konkurrenz

Zahlreiche Investoren stimmten Gurley zu. "Wir haben viele Unternehmen in unserem Portfolio, die viele Millionen Dollar pro Monat verbrennen", schrieb beispielsweise Fred Wilson von Union Square Ventures. "Gott sei Dank ist das nicht unser gesamtes Portfolio, aber es sind mehr Unternehmen als ich möchte, und womit ich mich wohlfühle."

Bislang drehte sich die Blasen-Debatte vor allem um die hohen Bewertungen, die unprofitable Firmen in den multimillionenschweren Investitionsrunden erhalten. Nun aber rücken jene Probleme in den Fokus, die durch den Boom selbst und die speziellen Rahmenbedingungen im Silicon Valley ausgelöst wurden.

Zum Beispiel: "Die Mieten für Server sind so niedrig, dass Start-ups heute mit viel geringeren Kosten loslegen können", schwärmte vor einiger Zeit ein Investor. Einer seiner Kollegen sah die Sache nicht ganz so optimistisch: "Die Kosten hier sind vielleicht günstiger als im Jahr 2000, aber sicherlich teurer als 2009."

Verschiedene Faktoren bereiten den jungen Unternehmen zunehmend Probleme. Da sind zunächst die hohen Personalkosten: Entwickler verdienen in Industrienationen derzeit überall gut, aber nirgendwo ist die Nachfrage so hoch wie rund um die Bay Area. Sechsstellige Einstiegsgehälter sind üblich, rasant wachsende Start-ups wie Uber, aber auch Tech-Giganten wie Google werben um die klügsten Köpfe.