Von H. Martin-Jung

Spionage in Arztpraxen: Deutschen Forschern gelang es,allein am Druckergeräusch das Medikament zu erkennen, das per Rezept verordnet wurde.

Für menschliche Ohren klingt das Geräusch eines Nadeldruckers wie eine Kreuzung aus Schreibmaschine und Kreissäge. Doch als Datei auf einem Computer gespeichert und analysiert, können daraus höchst sensible Informationen werden, wie eine Gruppe um den Saarbrücker Informatiker Michael Backes herausgefunden hat.

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Bei einem Feldversuch in einer Arztpraxis gelang es den Wissenschaftlern bereits nach sechs Rezept-Ausdrucken, allein am Druckergeräusch das Medikament zu erkennen, das mit dem siebten Ausdruck verordnet wurde. Die Informatiker hatten ihre Auswertungssoftware zuvor mit der sogenannten Roten Liste gefüttert, also mit den Namen aller auf dem Markt erhältlichen Medikamente.

Patientenakten oder Überweisungen

Besonders schlimm sei, sagt Backes, dass manche besonders starken Medikamente laut Gesetz mit Durchschlag gedruckt werden müssten - was nur mit Nadeldruckern möglich ist. Diese Geräte werden deshalb in Arztpraxen häufig eingesetzt, oft auch, um damit Patientenakten oder Überweisungen auszudrucken.

Die Software der Saarbrücker Forscher arbeitet ähnlich wie Spracherkennung am Computer mit Wörtern. Mit längeren zufälligen Zahlenreihen tut sich das System schwer.

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(SZ vom 28.05.2009/mri)