Verdächtiges Filmportal Razzia bei Betreibern von Kinox.to

  • Sächsische Ermittler haben eine groß angelegte Razzia gegen die Betreiber des Onlineportals kinox.to durchgeführt. Die Seite verlinkt auf raubkopierte Medieninhalte.
  • Die Hauptverdächtigen sind zwei Brüder, die noch bei ihren Eltern wohnen.
  • Ihnen wird neben der gewerbsmäßigen Urheberrechtsverletzung auch Steuerhinterziehung, Brandstiftung und räuberische Erpressung vorgeworfen.
  • Nach den Brüdern wird nach Informationen des Magazins Spiegel europaweit gefahndet.

Razzia in vier Bundesländern

Mittelpunkt der Razzia gegen den Portalbetreiber Kinox.to war ein Wohnhaus in einem Ort nahe Lübeck. Eine Spezialeinheit stürmte das Anwesen, in dem die Hauptbeschuldigten bei ihren Eltern leben. Die beiden Brüder, 21 und 25 Jahre alt, waren allerdings nicht zuhause, als die Ermittler anrückten. Sie sind nach Informationen des Magazins Spiegel nun europaweit zur Fahnung ausgeschrieben.

Insgesamt sechs Wohn- und Geschäftsräume in vier Bundesländern ließ die Staatswaltschaft Dresden vorige Woche durchsuchen. Bei einem Zahlungsdienstleister in Berlin seien Vermögenswerte sichergestellt worden, zitiert der Spiegel den Dresdner Obertstaatsanwalt Wolfgang Klein.

Die Geschäftsidee

Kinox.to rangiert nach Angaben des Webdienstes Alexa auf Platz 45 der von Deutschland aus besuchen Websites. Die Seite verlinkt auf raubkopierte Medieninhalte wie etwa aktuelle Kinofilme. Für die Betreiber wird das Geschäft durch Abo-Modelle sowie Online-Werbung lukrativ. Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) spricht von einem "illegalen" und "rein kommerziellen" System und rechnet den Beschuldigten weitere Portale zu, auf denen raubkopierte Spiele, Software und E-Books angeboten werden.

Die Vorwürfe

Die beiden Brüder sollen mit ihrem Onlineportal nicht nur gewerbsmäßig gegen Urheberrechte verstoßen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt zudem wegen Brandstiftung und räuberischer Erpressung. Außerdem sollen sie Steuern hinterzogen haben: Die Ermittler schätzen die Summe auf eine halbe Million Euro.

Der Vorgänger

Die Hauptbeschuldigten unterhielten vermutlich Kontakte zu den Betreibern des Vorläufers Kino.to, die vor zweieinhalb Jahren in einem aufsehenerregenden Prozess zu teils mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden waren. Das Portal war im Juni 2011 durch Insider-Tipps aufgeflogen.

Schon damals zeigte sich, wie schwierig der Kampf gegen die Streamingportale ist. Trotz des Ermittlungserfolgs mussten die Behörden wenige Tage, nachdem sie kino.to aus dem Netz genommen hatten, einen Schlag hinnehmen. Unter neuer Adresse tauchte ein Angebot auf, das dem Vorgänger zum Verwechseln ähnlich sah - Kinox.to. Es basiert offenbar auf einer älteren Arbeitsversion von kino.to, die entweder kopiert oder gekauft wurde. Die GVU vermutete schon damals deutschsprachige IT-Spezialisten hinter der Seite und zeigte die Betreiber an. Erst jetzt kamen die Ermittler auf die Spur.