Verbraucherschutz EU könnte Handy-Ladekabel in drei Jahren vereinheitlichen

Ladekabelsalat bei Handys: EU will einheitliche Lösung per Gesetz

Schluss mit dem Wirrwarr: Das Europäische Parlament hat sich auf ein Gesetz geeinigt, das Handyherstellern einheitliches Ladegerät vorschreibt. Doch es bleiben noch technische Hürden.

Von Javier Cáceres, Brüssel

Das einheitliche Ladegerät für Handys unterschiedlicher Hersteller soll in spätestens drei Jahren Realität werden. Unterhändler des Europaparlaments und der Regierungen der EU-Mitgliedstaaten erzielten am Donnerstag in dieser Frage eine politische Grundsatzeinigung. Demnach soll eine bestehende Richtlinie dergestalt reformiert werden, dass die Ladegeräte spätestens in zwei Jahren einheitlich sein sollen. Gleiches gilt für die Ladegeräte von Tablets. "Dies ist eine gute Nachricht für Verbraucher", sagte die Sozialdemokratin Barbara Weiler, die zuständige Berichterstatterin des Europaparlaments.

Völlig verschlossen sind mögliche Hintertürchen noch nicht. Die angestrebte Regelung zu den Ladegeräten ist Teil der Richtlinie über Funkanlagen, die aber noch nicht in allen Einzelheiten ausverhandelt ist. Dies soll nach Einschätzung von EU-Diplomaten Anfang 2014 geschehen. In einer Pressemitteilung des Europaparlaments war daher auch nur vorsichtig von einer "provisorischen Einigung" die Rede, die noch förmlich von den Regierungen und auch vom Plenum des Europaparlaments abgestimmt werden muss. Dies soll bis März 2014 geschehen.

Sollten Regierungen und Europaparlament das Gesetzgebungsprojekt tatsächlich abschließen, wird zwar an der Einigung vom Donnerstag, für die unter anderem auch die Bundesregierung eintrat, nicht mehr gerüttelt werden. Aber die wichtigen technischen Details - das Kleingedruckte also - werden in die Hände von den EU-Beamten aus der Industriekommission gelegt. Das ist in zweierlei Hinsicht bedeutsam: Erstens, weil zum Kleingedruckten auch die Frage gehören wird, auf welches Ladegerät-Modell man sich letztlich einigt - was zu Konflikten unter den Herstellern führen dürfte. Und zweitens, weil die Beamten aus der Industriekommission (im Gegensatz zu ihrem obersten Dienstherren Antonio Tajani, einem Befürworter des einheitlichen Ladegeräts) als Gegner des Projekts galten.

Das einheitliche Ladegerät stand schon vor fünf Jahren auf der Agenda der EU. Seinerzeit stritt vor allem der damalige Industriekommissar Günter Verheugen für das Projekt. Das Resultat war eine freiwillige Selbstverpflichtung der Hersteller auf austauschbare Ladegeräte. Sie sieht vor, dass Ladekabel über zwei Schnittstellen verfügen: eine, die ins Handy gesteckt wird, sowie eine USB-Schnittstelle, mit der das Gerät an eine Stromquelle angeschlossen werden kann.

Linktipp: Was wäre, wenn der USB-Anschluss sogar alle Stromanschlüsse ersetzen würde? Der britische Economist notiert, wie das die Energieversorgung besser und grüner machen könnte.