Von C. Schulzki-Haddouti

Online-Werbung lebt von Informationen über die Nutzer - nun streiten Datenschützer und Industrie, welche Kontrolle Internetsurfer über ihre Daten erhalten.

Viele Angebote im Internet leben von Werbung. Die Technik macht es möglich, Anzeigen gezielt sogar für einzelne Nutzer zu schalten. Doch genau dies ist jetzt ins Gerede gekommen. Einer geplanten EU-weiten Regelung zufolge sollen künftig verschärfte Bedingungen gelten, Werbewirtschaft und Datenschützer ringen um eine Lösung.

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Individualisierte Werbung hilft Unternehmen dabei, Aufmerksamkeit zu erzielen. (© Foto: iStock)

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Denn das europäische Telekom-Reformpaket sieht verschärfte Regelungen zu den sogenannten Cookies vor, die Internetanbietern ermöglichen, Werbung viel gezielter zu schalten als vor dem Onlinezeitalter.

Cookies sind kleine Textdateien, die ein Webserver ausliefert und auf die Festplatte desjenigen Computers schreibt, der eine bestimmte Webseite besucht. Beim nächsten Besuch sieht der Server nach, ob es für den anfragenden Computer bereits ein Cookie gibt und erhält so Informationen über den Standort und die Klicks der Nutzer. Diese werden an die Werbetreibenden zurückgemeldet.

Nutzern fehlen Informationen

Die EU fordert nun, Werbetreibende sollten bei Cookies dieselben Maßstäbe ansetzen wie bei E-Mail-Newslettern. Nur wenn der Nutzer ausdrücklich zustimmt (optin) und informiert wird, darf eine Firma ihm regelmäßig E-Mails schicken. Zuvor galt die Regelung, dass der Nutzer die Verwendung von Cookies im Nachhinein verweigern kann (optout). Spätestens im Mai 2011 sollen die neuen EU-Regelungen in Kraft treten.

Auf europäischer Ebene verhandelt zurzeit die Artikel-29-Datenschutzarbeitsgruppe mit Vertretern der Werbe- und Internetindustrie, wie das CookieGesetz umgesetzt werden kann. Die Datenschützer kritisieren, dass Nutzer nicht darüber informiert werden, wie gezielte Werbung zustande kommt. Die Werbeindustrie möchte hingegen so wenig wie möglich am Status quo ändern.

Ein Grundproblem liegt bei den Internetbrowsern: Sie akzeptieren derzeit in ihrer Standardeinstellung alle Cookies automatisch. Damit verletzen aber nicht nur die Werbeanbieter, sondern auch die Browserhersteller das EU-Recht.

Einigung in wenigen Tagen

Eine Lösung könnte darauf hinauslaufen, sagt der schleswig-holsteinische Landesdatenschützer Thilo Weichert, dass Browser in einer neuen Grundeinstellung Cookies ablehnen. Nutzer müssen dann bewusst jeden Vorgang bestätigen.

Gleichwohl hält er das für "zweischneidig": Weil Cookies so weit verbreitet seien, würden so die "Standards für das Setzen von Einwilligungen gesenkt". Es sei außerdem "sehr schwer, mit einer sauberen Oberfläche dem Nutzer zu erklären, was passiert und in was er einwilligt und was passiert, wenn er nicht einwilligt". Grundsätzlich hält er jedoch eine Änderung der Browsergrundeinstellung für die richtige Herangehensweise.

Die Werbeindustrie dagegen glaubt, dass Browser bereits grundsätzlich in der Lage wären, die neuen Richtlinien zu erfüllen, weil ja jeder die Einstellungen ändern könne. Das dürfte jedoch bei den sogenannten Flash Cookies schwierig werden. Sie werden gesetzt, wenn Nutzer etwa ein Youtube-Video anklicken. Für diese Cookies gibt es bisher noch keine standardisierten Browserfunktionen, die der Nutzer einstellen könnte.

Dabei sind sie durchaus mächtig und können zum Beispiel bereits gelöschte Cookies wieder herstellen. Bis Ende April wollen sich Datenschützer und Industrievertreter einigen. Dann will die Artikel-29-Gruppe ein Positionspapier vorstellen.

Lesen Sie hierzu Berichte in der Süddeutschen Zeitung.

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(SZ vom 26.04.2010/joku)