Von Mirjam Hauck

Politiker wollen schlechte Presse mit allen Mitteln vermeiden. Im Internet eröffnen sich dafür ganz neue Möglichkeiten - wie der US-Wahlkampf eindrücklich demonstriert.

Im deutschen Grundgesetz steht seit knapp 50 Jahren der Artikel 21: "Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit." In Zeiten von Web 2.0 bekommt diese Mitwirkung häufig eine ganz neue Bedeutung. Böse Zungen sprechen gar von Manipulation - wenn beispielsweise Parteiangestellte die Wikipedia-Einträge ihrer Spitzenkräfte bearbeiten. 2005 sorgten etwa die Mitarbeiter Jürgen Rüttgers' und Peer Steinbrücks bei der nordrhein-westfälischen Landtagswahl für derlei Negativ-Schlagzeilen.

Eine Figur auf MCCains Schreibtisch. (© Foto: AP)

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Wie vielfältig die Einflussnahme in Zeiten des Mitmachnetzes sein kann, demonstriert gerade der US-Präsidentschaftswahlkampf. Nachrichten des amerikanischen News-Dienstes digg.com, die negativ über den republikanischen Bewerber John McCain berichten, verschwinden auf mysteriöse Weise.

Wie die Los Angeles Times berichtet, sind in den vergangenen 30 Tagen 28 kritische Geschichten über den Senator und ehemaligen Jagdbomberpiloten "begraben" worden - darunter auch der Bericht über das Video von Paris Hilton, in dem sie sich für ihren ungefragten Einsatz in einem McCain-Video revanchiert. Darin hatte dieser seinen demokratischen Rivalen Barack Obama mit der Hotel-Erbin verglichen und wollte damit andeuten, dass Promis von diesem Kaliber eben nicht fähig seien, die Nation zu führen.

Ab in die Gruft

Dass die Meldungen bei digg.com einfach so von der Seite verschwinden können, machen die Relevanzkriterien des News-Seite möglich. Darüber, was auf dieser Seite prominent gezeigt wird, entscheiden weder Redakteure noch Computer. Die User bewerten eine Nachricht, ein Bild oder ein Video. Je positiver sie ausfällt, umso höher steigt sie auf der Seite. Und natürlich funktioniert auch der Weg nach unten. In der Gruft landen die Nachrichten, die nur mangelhafte Noten bekommen.

Blogger, die diesem Treiben zuschauen, sprechen bereits von einer "Totengräber-Brigade" im Auftrag McCains. Ob es sich bei diesen Bestattungsgehilfen tatsächlich um Helfer aus der republikanischen Parteizentrale handelt, lässt sich jedoch nicht herausfinden, die Bewertungen sind anonym. Zudem wiederspricht es den Nutzungsbedingungen von digg.com nicht, dass sich die User untereinander absprechen, nur das "künstliche Ändern" ist verboten.

McCains Rivale Barack Obama scheint dagegen derartige Schützenhilfe nicht nötig zu haben. Wie die Zeitung berichtet, sind im selben Zeitraum nur fünf Nachrichten des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers "beerdigt" worden.

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(sueddeutsche.de/bön)