US-Geheimdienst NSA spionierte G20-Treffen in Kanada aus

Erst hört der US-Geheimdienst ausländische Politiker ab, dann steckt er die Informationen seiner Regierung: Die NSA hat im Partnerland Kanada politische Gipfel überwacht.

Kanadas Premierminister lud im Juni 2010 die Regierungschefs der Welt zum G8- und G20-Gipfel ein. Doch es gab noch einen Gast, von dem die anderen nichts wussten: den US-Geheimdienst NSA. Der soll auf dem Gipfel Zielpersonen ausspioniert haben, berichten der TV-Sender CBC News und der Journalist Gleen Greenwald, der sich auf Dokumente des Whistleblowers Edward Snowden stützt.

Laut den Unterlagen hat die NSA mit dem kanadischen Geheimdienst zusammengearbeitet, dem Communications Security Establishment Canada (CSEC). Die Dienste hätten Anrufe abgehört und sich in Computer eingehackt.

Ziel der Aktion war den zitierten Dokumenten zufolge auch, die eigenen politischen Entscheider besser auf Verhandlungen vorzubereiten ("providing support to policymakers"). Die Dokumente weisen dem TV-Sender zufolge nicht aus, welche Politiker genau betroffen waren.

Die neuen Enthüllungen erinnern an Praktiken des britischen Geheimdiensts GCHQ. Auch er hat politische Gipfeltreffen ausspioniert - unter anderem mit einem speziellen Internet-Café, das der GCHQ überwachte.