US-Geheimdienst NSA Durch die Hintertür auf jeden Computer

Präparierte Kabel, falsche Handymasten und manipulierte Firewalls: Die NSA kann laut "Spiegel" systematisch in technische Massenprodukte eindringen. Einige Programme funktionieren wie Türöffner und ermöglichen den NSA-Hackern Zugang, wann immer sie wollen. Ein interner Katalog listet detailliert auf, welches Werkzeug den Agenten wann helfen kann.

Eine Sonderabteilung des US-Geheimdienstes NSA baut offenbar systematisch so genannte Hintertüren (backdoors) in Massenprodukte ein. Das berichtet der Spiegel (Artikel hier auf Englisch online). Die Abteilung trage den Namen ANT. Wer über solche Hintertüren verfügt, der kann - um im Bild zu bleiben - auf das Knacken der gut abgesicherten Vordertür verzichten.

Konkret genannt werden in dem Bericht unter anderem das IT-Unternehmen Cisco, dessen chinesischer Konkurrent Huawei und der amerikanische Hersteller Dell. Alle drei Firmen stellen Massenprodukte her: ob das nun Router sind, PCs und Notebooks oder aber Firewalls. Die Abteilung ANT (das Kürzel steht entweder für "Advanced" oder "Access Network Technology") sei aber darüber hinaus auch in der Lage, Festplatten-Software zu infiltrieren.

Ein Beispiel im Bereich Firewalls ist laut Spiegel-Bericht der Hersteller Juniper. Ein Produkt namens "Feedthrough" sorge dafür, dass die zentrale Aufgabe der Firewall ausgehebelt werde. Firewalls sollen eigentlich dafür sorgen, den Rechner vor unerwünschten Fremdzugriffen zu schützen.

"Feedthrough" hingegen ermöglicht genau das. Die Software gleicht einem Türstopper, der verhindert, dass die Tür ins Schloss fällt. Ungebetene Gäste können kommen und gehen, wie sie wollen. Die NSA könne auf den Rechner jede Schadsoftware aufspielen, wie es ihr passe. Die Software, so heiße es in einem internen Katalog, "ist bereits auf zahlreichen Zielplattformen im Einsatz".

Die ATN sei darüber hinaus auch in der Lage, Mobiltelefone (die schließlich ebenfalls Rechner sind) zu überwachen und bei Bedarf Daten unbemerkt zu duplizieren.

Präparierte Kabel, falsche Handy-Station

Die Organisation biete eine Art Katalog an, in dem die Produkte, deren Funktionen und Kosten aufgelistet würden. Ein manipuliertes Monitorkabel koste demzufolge 30 US-Dollar und stelle sicher, dass die NSA beziehungsweise deren Unterorganisation TAO ("Tailored Access Operations") sehen kann, "was auf dem anvisierten Monitor angezeigt wird". Der Hacker-Einheit TAO ist es einem anderen Spiegel-Bericht zufolge gelungen, Datenkabel zwischen Asien und Europa anzuzapfen sowie mexikanische Behörden und die Opec auszuspionieren.

40.000 Dollar koste die NSA ein Werkzeug, dass es ermöglicht, sich als GSM-Station auszugeben. Der Datenverkehr aller Handys in der näheren Umgebung, die sich in diese Zelle einloggen, ist somit auslesbar.

Die Unterlagen, aus denen der Spiegel zitiert, geben keine Auskunft darüber, ob die Unternehmen in diesem Punkt mit der NSA kooperieren oder nicht.