Von Bernd Graff

Es gibt Alternativen zum Urheberrecht. Bei Creative Commons heißt es nicht "Alle Rechte vorbehalten" sondern "Einige Rechte vorbehalten".

Waren früher vornehmlich Buchverlage, Filmverleiher und Musikproduzenten mit Urheberrechtsfragen befasst, weil nur sie über Mittel und Maschinen zu Produktion und Vervielfältigung von Werken verfügten, so ist dies heute jeder, der sich mit dem Computer in den weltweiten Mahlstrom von Inhalten einklinkt. Ein Mahlstrom deshalb, weil in ihm zuerst die Rechte alten Zuschnitts unterzugehen drohen.

(© Foto: iStockPhoto)

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Die banale Wahrheit lautet einfach: Wer Zugang zu etwas hat, kann es auch kopieren. Und jeder hat Zugang zu allem. Darum haben die Vertreter der klassischen Produktionszweige, also des Film-, Musik- und Verlagsgewerbes und der Verwertungsgesellschaften, eine Front gegen die Aufweichung der alten Rechtsgewohnheiten gebildet, die ihre Stellung mit Macht und strafbewehrt verteidigt.

Und kann man die Industrie nicht verstehen? Die Vereinigung der amerikanischen Phonoindustrie, RIAA (Recording Industry Association of America) stellte jüngst fest, dass im Jahr 2002 die Gewinne aus CD-Verkäufen um 6,7 % gegenüber dem Vorjahr gesunken seien. RIAA macht dafür Internetpiraterie verantwortlich, da jeder "raubkopierten" CD eine nicht gekaufte entspreche.

Neue Schöpfungsrechte

In konkreten Zahlen liest sich aber völlig das anders: RIAA gibt für dasselbe Jahr 2002 an, dass 803 Millionen CDs verkauft wurden, hingegen seien 2,1 Milliarden CDs illegal heruntergeladen worden. Obwohl also 2,6- mal soviel CDs gratis heruntergeladen wie gekauft wurden, ging der Gewinn nur um 6,7% zurück. Er hätte nach dieser Rechnung nicht mehr existieren dürfen.

Es sind, aber das wird nur selten erwähnt, auf Urheberseite jedoch längst auch Alternativen entstanden, in denen die Schöpfer der Werke selber neue Möglichkeiten probieren, ihre Rechte zu schleifen.

So haben sich Kooperationsmodelle zur Erstellung von Inhalten etablieren können, deren Urheber sich ausdrücklich gegen die Behauptung ihrer Rechte alten Zuschnitts verwahren: Das Betriebssystem Linux als weltweite Gemeinschaftsarbeit nach dem Open-Source-Modell ist hier zu nennen, die wachsende Sammlung des Weltwissens "Wikipedia" und die Computerprogramme, die man unter dem bewusst alternativ klingenden Begriff "Copyleft" zusammengefasst hat.

Explizite Verzichtslizenz

Es sind Programme, die unter die explizite Verzichtslizenz "GNU General Public License" (GPL) gestellt werden, die allerdings eine Alternativbehandlung explizit vorschreibt.

Seit der Jahreswende 2001/2002 gibt es zudem "Creative Commons" (CC), eine in den USA unter anderem von dem Rechtsprofessor Lawrence Lessig gegründete, gemeinnützige Organisation, die versucht, alternative Lizenzmodelle auch für Künstler und ihre Werke anzubieten.

Inzwischen gibt es Dependancen in 38 Ländern, die deutsche Filiale sitzt in Berlin. Man versucht, die Form der alternativen Lizenzierung des CC an die jeweilige nationale Rechtssituation anzupassen. Was nicht immer ganz einfach ist, da etwa hierzulande Mitglieder der Gema die Wahrnehmung der Rechte für alle ihre Werke an die Verwertungsgesellschaft übertragen haben.

Hinter CC steckt nun aber kein konzertiert geführter Angriff auf das national wie international geltende Urheberrecht, wie immer wieder fälschlich behauptet wird. Denn ohne intaktes Urheberrecht würde auch CC nicht funktionieren.

"CC betreibt nicht die Abschaffung des Urheberrechts", sagt denn auch einer der beiden deutschen Projektführer, John Hendrik Weitzmann, "Es ist vielmehr der Versuch, dem ausdrücklichen Künstlerwunsch nach einer Anpassung an die veränderte Situation mit modifizierbaren Lizenzen zu entsprechen. Wir führen so etwas wie Freiheit und Selbstbestimmung in das Urheberrecht ein."

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