Im Herbst sollen endlich die neuen UMTS-Netze für Mobiltelefone in Betrieb gehen - viel später als versprochen.
(SZ vom 10.3.2003) - Lange mussten die handybegeisterten Zeitgenossen warten. Nun soll, das haben die beiden größten deutschen Netzbetreiber, T-Mobile und Vodafone, am Wochenende nochmals beteuert, die neue Mobilfunk-Welt endlich kommen. In der zweiten Jahreshälfte wollen die Telefongesellschaften ihre UMTS-Netze in der Bundesrepublik in Betrieb nehmen. UMTS steht für Universal Mobile Telecommunications System. Dahinter verbirgt sich eine moderne Technologie, die große Datenmengen schneller als bislang vom Sender zum Empfänger übertragen kann.
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Mit UMTS soll es möglich werden, Fotos, Videos, Melodien oder E-Mails in guter Qualität von Handy zu Handy oder vom Mobiltelefon zum Computer zu schicken. (© Foto: Nokia)
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Damit soll es möglich werden, Fotos, Videos, Melodien oder E-Mails in guter Qualität von Handy zu Handy oder vom Mobiltelefon zum Computer zu schicken. Ortsbezogene Dienste wie Stadtpläne und Restaurantführer sollen künftig zum Standard-Repertoire gehören. Geschäftsleute sollen mit Handy und Laptop ihre Dokumente unterwegs fast so komfortabel abrufen und bearbeiten können wie an ihrem Bildschirm im Büro. Das alles versprechen zumindest die Mobilfunk-Manager. Sie werden auf der Cebit eine ganze Reihe dieser Multimedia-Dienste zeigen. Die Messe gilt schließlich als letztes Schaulaufen vor dem kommerziellen UMTS-Start.
Die Erfahrung der vergangenen Jahre lehrt allerdings, die Ankündigungen der Mobilfunk-Macher mit Vorsicht zu genießen. Eigentlich hätte der UMTS-Start schon im vorigen Jahr stattfinden sollen. Das hatten sich die Manager vorgenommen, nachdem sie im August 2000 die Lizenzen vom Staat ersteigert hatten. Aber dann kam alles anders. Den sechs Unternehmen T- Mobile, Vodafone, E-Plus, O2 (früher Viag Interkom), Mobilcom und Quam ging das Geld aus, weil sie für die Lizenzen insgesamt 50 Milliarden Euro bezahlt hatten. Zusätzlich drückte die weltweit düstere Konjunktur auf die Ertragslage. So zögerten die Unternehmen den teuren Aufbau der Netze immer wieder hinaus.
Auch die Hersteller der Telefone ließen sich Zeit. In nennenswerten Stückzahlen können sie die UMTS-Handys erst in diesem Jahr liefern. Lange kämpften die Produzenten mit technischen Problemen: Das UMTS-Netz wird zunächst nur in einzelnen Regionen errichtet. Deshalb müssen die Handys auch noch die herkömmliche Technik beherrschen. Das Mobiltelefon muss beispielsweise die Verbindung ohne Unterbrechung halten können, wenn jemand von einer Großstadt mit UMTS-Abdeckung aufs Land hinausfährt, wo noch kein UMTS verfügbar ist.
Dies sei bis heute "ein kritischer Punkt", räumt Vodafone-Chef Chris Gent ein. Zwischen drei und sechs Monate benötige sein Unternehmen wohl noch, bis man dieses so genannte hand-over gelöst habe. Die Zeit freilich drängt. Denn die Regierung hat den Lizenznehmern zur Auflage gemacht, bis Ende diesen Jahres ein Viertel der Bevölkerung mit UMTS-Diensten zu versorgen. Sonst verlieren sie das Recht, die Funk-Frequenzen zu nutzen, und müssen diese bis Ende Dezember dem Staat zurückgeben.
Von Quam und Mobilcom werden die Behörden die Lizenz mit großer Wahrscheinlichkeit zurückfordern. Denn Quam, eine Tochtergesellschaft der spanischen Telefonica und der finnischen Sonera, hat den Betrieb aus Geldmangel mittlerweile eingestellt. Mobilcom, von Firmengründer Gerhard Schmid einst lautstark als Pionier gepriesen, hat seine UMTS-Pläne ebenfalls aufgegeben.
Es bleiben also vier Netzbetreiber übrig. Derzeit sieht es danach aus, als ob T-Mobile als erster an den Start gehen könnte. Man wolle jetzt "bei UMTS aufs Gaspedal treten" und im April eine groß angelegte Werbekampagne starten, verkündet T-Mobile-Vorstandsmitglied Nikesh Arora.
Konkurrent Vodafone will während der Cebit sein bereits installiertes UMTS-Netz in ganz Hannover anschalten und Passanten probeweise die Dienste in der Stadt testen lassen. Die Konkurrenten sind etwas zurückhaltender. Sie zeigen ihre Multimedia-Welt zunächst nur auf der Messe selbst.
O2 will im "Spätherbst" starten, E-Plus "Anfang 2004". Sicher allerdings ist, dass das UMTS-Zeitalter vorläufig nur in ein paar Großstädten beginnt. Die Unternehmen bringen die neuen Multimedia-Dienste Schritt für Schritt zusätzlich zu den bereits bestehenden Mobilfunkangeboten auf den Markt.
Die Preise für die neuen UMTS-Handys dürften nicht viel höher liegen als für die Kamera-Handys, die es schon gibt. Um das Geschäft anzukurbeln, werden die Netzbetreiber die Geräte zumindest anfangs wohl stark subventionieren.
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