Umstellung auf IPv6 Warum das Internet 340 Sextillionen neue IP-Adressen braucht

IT-Unternehmen in mehr als 100 Ländern haben in der Nacht zum Mittwoch damit begonnen, den neuen Übertragungsstandard IPv6 einzuführen. Warum die Umstellung notwendig ist und was sich für den einzelnen Nutzer ändert.

IT-Unternehmen in mehr als 100 Ländern der Welt haben am Mittwoch den neuen Internetstandard IPv6 eingeführt. Diese Umstellung der sogenannten IP-Adressen soll Internetnutzern eines Tages ganz neue Möglichkeiten eröffnen: Die Antworten auf die wichtigsten Fragen zur neuen Architektur des Netzes:

Was ist eine IP-Adresse?

Internet-Protokoll-Adressen stecken als eindeutige Adresse unter anderem hinter Adressen von Webseiten. Ruft ein Nutzer eine Internetseite über die Adresszeile des Internetbrowsers auf, fragt dieser beim sogenannten Nameserver - einer Art Web-Telefonbuch - nach der dazugehörigen IP-Adresse und ruft die Seite auf. Zudem hat jedes mit dem Internet verbundene Gerät eine IP-Adresse, egal ob Laptop, Smartphone oder Firmenserver.

Warum kommen die neuen Regeln für den Datenverkehr?

Der bisherige Standard IPv4 ermöglicht es, 4,3 Milliarden IP-Adressen zu generieren. Durch den starken Anstieg internetfähiger Geräte stößt der Standard derzeit an seine Grenzen - die verfügbaren Andressen sind fast aufgebraucht. Der Bedarf jedoch steigt stetig: Nicht nur gibt es immer mehr Internetseiten, auch die Zahl der internetfähigen Geräte steigt: Zu Computern gesellen sich etwa Smartphones sowie Fernseher und bald vielleicht auch Autos, Kühlschränke oder Hundehalsbändern. Um genügend Adressen zur Verfügung zu haben, wurde mit IPv6 ein neues Format entwickelt.

Was ist der Unterschied zwischen IPv4 und IPv6?

Die IP-Adressen nach dem alten Standard bestehen aus 32 Bits. Beim IPv6-Format besteht jede Internetadresse aus 128 Bits. Dadurch sind rechnerisch 340 Sextillionen Adressen möglich. Laut dem Verband der deutschen Internetwirtschaft (eco) müssen IP-Adressen fortan auch nicht mehr mehrfach verwendet werden, wie es derzeit der Fall ist. Das biete dem Verbraucher neue Möglichkeiten, er könnte beispielsweise von unterwegs per Smartphone die Heizung seiner Wohnung fernsteuern.

Was bedeutet die Umstellung für die Internetnutzer?

IPv4 und IPv6 sind nicht miteinander kompatibel. Private Nutzer sollten trotzdem kaum Probleme bekommen. "Man sollte nicht vergessen, dass IPv6 im letzten Jahrzehnt ausgiebig untersucht und getestet wurde", sagt der technische Leiter des amerikanischen IT-Unternehmens Verisign, Burt Kalisiki. Probleme seien deshalb nicht zu erwarten. Moderne Betriebssysteme unterstützen das neue Format bereits. In seltenen Fällen könnte es dazu kommen, dass Verbindungen etwas langsamer sind - in vielen Fällen soll das Internet allerdings deutlich schneller werden. Um Fehlern zu entgehen, reicht es oft aus, ein aktuelles Betriebssystem zu verwenden. Manchmal müsse laut deutschem IPv6-Rat auch eine Einstellung im Router für den Internetzugang verändert oder dessen Software aktualisiert werden.

Was bedeutet die Umstellung für den Datenschutz?

Mit dem neuen IPv6-Standard könnte jeder Internetnutzer für jedes einzelne seiner Geräte eine eindeutige Adresse erhalten. Das hat technisch gesehen viele Vorteile, doch sind Internetnutzer damit auch leichter zu identifizieren. Datenschützer sind deshalb skeptisch. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sagte: "Die nach dem neuen Internetprotokoll IPv6 vergebenen Internetadressen haben das Potenzial, zu Autokennzeichen für jeden Internetnutzer zu werden und zwar unabhängig davon, wie viele Geräte der Einzelne im Internet verwendet." Abhilfe schaffen soll ein eigenes System: Die sogenannte Privacy Extension veschlüsselt die zweite Hälfte der IP-Adresse, so dass sie nicht mehr zum jeweiligen User führt. Schaar fordert, die Internetanbieter müssten ihren Kunden Aufklärung und Unterstützung anbieten, damit diese ihre Privatsphäre ausreichend schützen können.