Umbruch bei digitaler Musik Streaming wird zum Massengeschäft

Rebellin gegen den Streaming-Trend: US-Pop-Ikone Taylor Swift

(Foto: AFP)
  • In den USA und Großbritannien ist die Zahl der Musik-Downloads 2014 zurückgegangen, während die Zahl der Streaming-Abrufe stark zugenommen hat.
  • Immer mehr Kunden bevorzugen Abo-Modelle, statt die Musik zu kaufen und dauerhaft auf ihren Geräten zu speichern.
  • Prominente Musiker wie Taylor Swift wehren sich gegen diesen Trend, weil sie deutlich geringere Einnahmen befürchten.
Von Lutz Knappmann

Ausgerechnet Taylor Swift: Als stemme sich der US-Popmusik-Star mit aller Kraft gegen die Entwicklung im Internet. Fast 3,7 Millionen Alben hat die 25-Jährige vergangenes Jahr in den USA verkauft. Mehr als jeder andere Musiker. Und ein Gutteil der Summe entfiel dabei auf digitale Musikdateien. Swift ist eine Macht im Musikbusiness - obwohl sie sich jenem Teil des Geschäfts entzieht, der derzeit am kräftigsten wächst: dem Streaming von Songs über Onlineportale wie Spotify, Deezer oder Pandora.

Es war ein Schock für Fans und Industrie, als Swift im November dem Streamingdienst Spotify kurzerhand verbot, ihre Musik anzubieten. "Ich möchte mit meinem Lebenswerk nicht zu einem Experiment beitragen, das nach meinem Gefühl Autoren, Produzenten und Künstler nicht fair entschädigt", argumentierte die Künstlerin unter dem Beifall zahlreicher renommierter Kollegen.

12 Prozent weniger Song-Downloads in den USA, 50 Prozent mehr Streams

Doch bei den Kunden ist dieses Experiment beliebter denn je. Statt Songs zu kaufen und als Dateien auf ihren Computern oder Smartphones zu speichern, entscheiden sie sich zunehmend für Abonnements: Werbefinanziert oder gegen eine Monatsgebühr rufen sie ihre Lieblingstitel aus dem Netz ab, wann und wo es ihnen passt. Für die Musiker springen dabei nicht mehr Anteile am Verkaufserlös heraus, sondern Cent-Bruchteile pro Abruf. Bei Spotify etwa, mit seinen rund 40 Millionen aktiven Nutzern, sind das üblicherweise zwischen 0,006 und 0,0084 Dollar je Abruf eines Titels. Ein Geschäft, das sich nach Ansicht von Swift und vieler Künstler-Kollegen nicht rechnet. Daniel Ek, der Spotify-Chef, hingegen wies im November 2014 darauf hin, zwei Milliarden US-Dollar ausgezahlt zu haben, die Hälfte davon binnen eines Jahres. Das Geschäft skaliere: Je mehr Menschen den Dienst nutzen, desto höher werden auch die Gewinne.

Gebremst oder gar aufgehalten hat der Protest der US-Pop-Ikone den Erfolg der Streaming-Portale allerdings nicht. Wie die Financial Times berichtet, belegen Zahlen des Marktforschungsunternehmens Nielsen das Gegenteil: Um mehr als 50 Prozent habe sich die Zahl gestreamter Musiktitel 2014 in den USA gesteigert. Rund 164 Milliarden Songs haben sich die US-Nutzer auf diesem Wege angehört. Die Zahl der kommerziellen Song-Downloads hingegen sei um 12 Prozent gesunken. Auch in Großbritannien notierten Download-Anbieter wie Apples iTunes erstmals einen Rückgang, während die Zahl gestreamter Titel sich auf knapp 15 Milliarden verdoppelte.

Download-Pionier Apple hat längst erkannt, dass er ohne Streaming nur verlieren kann. Für 3 Milliarden Dollar kaufte er im abgelaufenen Jahr deshalb den Kopfhörerhersteller Beats, der ein entsprechendes Portal betreibt. Die Branche rechnet fest damit, dass Apple diesen Dienst 2015 in seine Produkte integrieren wird. Nach einem Abflauen des Trends sieht das eher nicht aus.