Überwachung von Telefongesprächen Wie Kryptohandys vor Lauschangriffen schützen

Normale Handys lassen sich vergleichsweise leicht abhören - Kryptohandys dagegen machen es Angreifern schwer. Auch sie können zwar grundsätzlich geknackt werden, doch dafür ist viel mehr Geld und Know-how nötig. Trotzdem haben die Hochsicherheitshandys einen entscheidenden Nachteil.

Von Helmut Martin-Jung

Und jetzt also auch noch Smartphones. Es ist schon erstaunlich, wie wenig Aufregung die immer neuen Enthüllungen des früheren Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden in der Öffentlichkeit hervorrufen - ein reichhaltigeres, besser funktionierendes Instrumentarium dafür, Raster über eine ganze Gesellschaft zu legen, hat es schließlich nie gegeben.

Aber Geheimdienste sind ja nicht die einzigen Kreise, die sich für Informationen interessieren. Unternehmen zum Beispiel haben es auf Geschäftsgeheimnisse der Konkurrenz abgesehen, würden nur zu gerne wissen, was der Firmenchef mit seinen Vorstandskollegen am Handy bespricht. Nach den jüngsten Enthüllungen fragen viele sich daher: Kann man eigentlich noch wichtige Dinge am Telefon besprechen, gar am Handy?

Wer wirklich fürchten muss, dass er abgehört wird, sollte auf Gespräche mit handelsüblichen Telefonen tatsächlich verzichten. Denn dieser Kommunikationsweg ist seit Jahren schon nicht mehr sicher. Ein Beispiel: Mit Gerätschaften für ein paar Tausend Euro kann sich ein Angreifer sozusagen als Handymast ausgeben. Er muss dazu nur räumlich in der Nähe des Attackierten sein. Dann verbindet sich dessen Handy mit dieser falschen Station, weil sie die nächstgelegene ist, und sämtlicher Verkehr wird darüber abgewickelt. Mit der Folge natürlich, dass die Angreifer alles mithören können. Auch die Verschlüsselung von Schnurlostelefonen gilt als geknackt - zwei Beispiele von vielen.

Aber wenn es um Sprache geht, gibt es seit etwa zehn Jahren auch Handys, die mit einer sogenannten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung arbeiten. "Das ist konzeptionell schon sehr stark", sagt Antonius Klingler,Leiter des Referats für sicheres mobiles Arbeiten beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Will heißen: Solche Geräte abzuhören, wie sie zum Beispiel die Mitglieder der Bundesregierung und auch die Kanzlerin benutzen, bedeutet zumindest einen erheblich höheren Aufwand.

"Das zu entschlüsseln, ist hoffnungslos"

Denn Angreifer können zwar versuchen, den Datenstrom abzufangen, doch sie hätten kaum etwas davon: "Das zu entschlüsseln, ist hoffnungslos", sagt Klingler. Eine Chance habe man nur dann, wenn man sich "auf einzelne Geräte einschießt und diese am besten in die Hand bekommt". Dass aber bei einem Geheimdienst ein Team gebildet werde, das einer einzelnen Person nachstelle, sei wegen des hohen Aufwandes sehr unwahrscheinlich.

Theoretisch aber kann jedes verschlüsselte Handy angegriffen werden. Das bestätigt auch Matthias Ritscher, der stellvertretende Leiter des Testlabors Mobile Sicherheit beim Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie in Darmstadt. Mit den Mitteln, die ein Geheimdienst zur Verfügung habe, sei es möglich, auch ohne die Mithilfe der Hersteller verschlüsselte Handys zu knacken, ist er sich sicher: "Gegen die Mittel, die ein Geheimdienst zur Verfügung hat, kann man keinen vollständigen Schutz aufbieten."