Überarbeitung des Betriebssystems Microsoft kündigt Kehrtwende bei Windows 8 an

Windows 8: Das größte Desaster seit New-Coke?

(Foto: AFP)

Bunte Kacheln für die Touchscreen-Ära: Mit Windows 8 wollte Microsoft die Welt der Betriebssysteme revolutionieren. Doch der Software-Hersteller scheint an seinen eigenen Ambitionen gescheitert zu sein. Microsoft kündigt eine umfangreiche Überarbeitung an - die Kunden haben sich zu schwer getan mit der Umstellung.

Microsoft bereitet sich auf eine Kehrtwende beim Betriebssystem Windows 8 vor. Marketingchefin Tammy Reller kündigte an, "Schlüsselelemente" der Software würden bei dem Update, das im Laufe des Jahres auf den Markt kommen soll, überarbeitet. Die Financial Times spricht gar von "einem der größten Eingeständnisse von Unternehmensversagen seit dem New-Coke-Fiasko vor 30 Jahren".

Windows 8 war der ambitionierte Versuch des Unternehmens, ein Betriebssystem zu schaffen, das gleichermaßen auf klassischen PCs wie Notebooks und Desktop-Rechnern, aber auch auf Tablet-Computern und Smartphones laufen kann. Die Bedienung wurde radikal verändert und mit bunten Kacheln stärker auf Touchscreen-Nutzung angepasst. Dafür gab es viel Kritik von PC-Experten. Doch vor allem die Kunden haben sich bei der Umstellung schwergetan. Das Marktforschungsinstitut IDC erklärte sogar, die Unzufriedenheit mit Windows 8 sei einer der Gründe für den bisher stärksten Einbruch des PC-Marktes. Der Absatz der Notebooks und Desktops war im ersten Quartal um fast 14 Prozent gefallen.

Bis Ende des Jahres werde es ein Update mit dem Arbeitsnamen Windows Blue geben, teilte Marketingchefin Reller am Dienstag offiziell mit. Dabei wolle Microsoft auch Kundenwünsche berücksichtigen. Reller ging aber nicht direkt auf Medienberichte ein, wonach die nächste Version den "Start"-Knopf zurückbekommen könnte, den viele Nutzer vermissen. Sie teilte jedoch mit, die Nutzeroberfläche werde sich wieder stärker an dem bisher gewohnten Design orientieren.

Laut Financial Times hat Microsoft eine Reihe weiterer Fehler bei der Einführung von Windows 8 eingestanden. So soll das Vertriebspersonal nicht ausreichend für die Umstellung geschult worden sein. Auch die Kunden hätte man besser auf die Bedienung der neuen Software vorbereiten können. "Es ist ganz klar, dass wir mehr hätten tun können - und auch sollen", zitiert die Zeitung Tammy Reller. Trotz der Startschwierigkeiten betrachte der Konzern die Software jedoch weiterhin als geeignetes Produkt - an einer kombinierten Lösung für PCs und Tablets werde man festhalten.

Mit 100 Millionen Lizenzen nach einem guten halben Jahr liegt Windows 8 in etwa auf Augenhöhe mit der Vorgänger-Version. Allerdings hat sich das Tempo zuletzt verlangsamt: Die Marke von 60 Millionen hatte Microsoft bereits im Januar bekanntgegeben.