Ubuntu-Begründer Mark Shuttleworth "Unser größter Konkurrent ist Google"

Mark Shuttleworth war der erste Afrikaner im All. Der Verkauf einer Internetfirma machte ihn mit 25 schon zum mehrfachen Millionär. Jetzt ist er Milliardär und investiert sein Geld in die Linux-Software Ubuntu. Ein Gespräch über freie Software, den Angstgegner Google und seine Zeit als Tourist im Weltraum.

Interview: Mirjam Hauck

SZ: Linux gibt es jetzt seit 20 Jahren, trotzdem läuft das alternative und kostenlose Betriebssystems gerade mal auf einem von hundert privaten Rechnern. Woran liegt's?

Mark Shuttleworth als Weltraumtourist

(Foto: AP)

Mark Shuttleworth: Linux findet man vor allem auf mobilen Geräten. Googles Android, also das Betriebssystem, das der Internetkonzern für Smartphones entwickelt und kostenlos an Handyhersteller verteilt, das baut auf Linux auf. Aber in der Tat müssen wir einiges ändern, um Linux für den Privatmann attraktiver zu machen.

SZ: Woher nehmen Sie die Hoffnung, dass sich Linux auf Endgeräten durchsetzt? Auf den kleinen Netbooks war es einst gut gestartet, wurde aber bald von den Herstellern durch Windows ersetzt.

Shuttleworth: Es stimmt: Dass die Software einfach zu bedienen ist, darauf lag nicht gerade der Fokus der Linux-Entwickler. Aber wir haben dazu gelernt, etwa mit Ubuntu. Die Software läuft heute auf mehr Geräten als auf dem Höhepunkt der Netbook-Welle. In Schwellenländern ist Linux längst viel gängiger als in Europa oder den USA.

SZ: In der westlichen Welt ist der Markt gesättigt - also nicht mehr interessant genug für Sie?

Shuttleworth: Doch, auch dort wollen wir präsent sein. Gerade haben wir uns einige Hersteller und einen Mobilfunkanbieter angesehen, die günstige Geräte mit einem vorinstallierten Ubuntu auf den Markt bringen möchten. Diese richten sich an Kunden, die ein einfaches und sicheres Gerät wollen - vor allem, um im Internet zu surfen.

SZ: Wie viel haben Sie persönlich für das Ubuntu-Projekt bereits ausgegeben?

Shuttleworth: Ich habe mehr investiert als ich je für möglich gehalten habe! Aber dafür finde ich mich mitten in einer Revolution wieder - in der Unterhaltungselektronik oder im Cloud Computing. Denn Ubuntu ist die Plattform, die bevorzugt wird, wenn neue Server für digitale Dienstleistungen aufgesetzt werden. Ich sehe, dass diese Bereiche wachsen. Also bin ich sehr zuversichtlich, dass das Geld gut angelegt ist.

SZ: Derzeit streben alle in diese digitale Wolke. Vor wem haben Sie Angst?

Shuttleworth: Unser größter Konkurrent ist Google. Deren mobiles Betriebssystem Android fußt auf Linux und so kann es theoretisch überall da eingesetzt werden, wo auch Ubuntu ist.

SZ: Viele Entwickler bei Ubuntu nehmen für ihre Arbeit kein Geld. Warum?

Shuttleworth: Sie machen das aus intellektueller Neugier und weil bei ihrer Arbeit Freundschaften entstehen. Wer sich mit Software beschäftigt, muss dabei viele schwierige Probleme lösen. Aber in der Windows-Welt bekommt sie nie einer zu Gesicht, weil sie hinter verschlossenen Türen aufbewahrt werden. Wir lösen dieselben Probleme, aber in einer offenen Welt.

SZ: Geld scheint aber doch eine Rolle zu spielen, Ihre Holding ist auf der Isle of Man und nicht in London registriert. Auf der Insel zahlen Unternehmen wenig Steuern. Wie passt das zum philanthropischen Gedanken hinter Ubuntu?

Shuttleworth: Ich bin sehr glücklich auf der Isle of Man. Es ist ein schönes Stückchen Erde. Aber es gibt eben auch bei Ubuntu eine Verbindung zwischen Philanthropie und Kommerz.

SZ: Sie sind auch für andere Hobbys bekannt. 2002 sind Sie als Weltraumtourist ins All geflogen. Würden Sie das noch einmal machen?

Shuttleworth: Es war großartig, und ich würde es noch mal machen. Aber dann würde ich gerne weiter fliegen als bis in die Erdumlaufbahn. Jetzt ist dafür allerdings nicht die richtige Zeit. Ich konzentriere mich lieber auf Projekte auf der Erde, aber immer mit einem Blick in den Himmel.