Uber und Facebook Folgenschwere Tage für die Tech-Branche

  • Facebooks Daten-Abfluss und Ubers tödlicher Selbstfahr-Test fallen in eine Zeit, in der über einen Vertrauensverlust in die Tech-Branche diskutiert wird.
  • Forderungen, sie stärker zu regulieren, werden nun lauter.
  • Inzwischen wurde bekannt, dass Facebooks IT-Sicherheitschef Alex Stamos das Unternehmen verlassen wird.
Von Johannes Kuhn, Austin

Ein selbstfahrendes Auto überfährt einen Menschen: Forscher aus dem Feld sprechen bereits seit Jahren darüber, ob und wie dieser Moment die Debatte um autonome Fahrzeuge verändern wird.

Was am Sonntagabend in der Stadt Tempe in Arizona genau passiert ist, ist noch nicht ganz klar. Eine Frau schob offenbar ihr Fahrrad an einer unmarkierten Stelle über die Straße, als ein Uber-Testfahrzeug im Selbstfahr-Modus sie erfasste. Ein Mitarbeiter hinter dem Steuer, der im Notfall eingreifen sollte, konnte den Unfall offensichtlich nicht verhindern. Uber hat seine Testfahrten vorübergehend eingestellt.

Jeden Tag sterben in den USA im Schnitt 110 Menschen bei Verkehrsunfällen. Selbstfahrende Autos könnten diese Zahl drastisch senken, so das Versprechen. Doch bevor es so weit kommen kann, bleibt zunächst einmal die große Frage, wann die Technik überhaupt reif für einen Masseneinsatz ist.

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Arizona war beispielsweise nicht nur wegen des trockenen Klimas, das beste Fahrbedingungen garantiert, als Teststrecke beliebt. Vielmehr hatte der Bundesstaat die Probefahrten in den vergangenen Jahren kaum reguliert und so Autokonzerne und Start-ups angelockt, darunter auch Uber, das dort nach einem Regulierungsstreit mit der kalifornischen Transportbehörde aufgetaucht war.

Mehr als 600 autonome Fahrzeuge unterschiedlichster Hersteller seien inzwischen auf den Straßen Arizonas unterwegs, hieß es. Vor 14 Tagen stellte der Gouverneur erstmals Richtlinien vor, die aber noch nicht umgesetzt wurden.

Deregulierung wird warten

Kalifornien, das eine konservative Linie wählte, wollte ab 2. April eigentlich Testfahrten zulassen, in denen der Notfall-Fahrer nicht im Auto sitzen muss und ferngesteuert eingreifen kann. Und in den vergangenen Wochen machten Lobbyisten aus Technologie- und Autoindustrie Druck auf den Senat in Washington, die Zulassung und Tests autonomer Fahrzeuge zu deregulieren.

Am Montag sprach sich Senator Richard Blumenthal, ein Mitverfasser des entsprechenden Gesetzentwurfs, für stärkere Sicherheitsmaßnahmen aus. Raj Rajkumar, der das Selbstfahr-Zentrum der renommierten Carnegie Mellon University leitet, ging sogar noch weiter: "Das ist kein Softwarefehler in deinem Telefon. Menschen können getötet werden. Unternehmen sollten einen Schritt zurücktreten. Die Technologie ist noch nicht so weit."

Jason Levine, Direktor der Verbraucherlobby-Gruppe "Center for Auto Safety", geht sogar noch weiter und wagte eine Prognose: "Das wird das Vertrauen der Verbraucher in diese Technologie um Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte zurückwerfen," sagte er Bloomberg.

Die Nachricht des Uber-Crashs kommt nach einem Wochenende, in dem auch Facebook in das Zentrum der Aufmerksamkeit rückte. Dass eine App mit nur 270 000 Installationen Medienberichten zufolge die Profile von etwa 50 Millionen Nutzern auslesen konnte, sorgte nicht nur deshalb für Schlagzeilen, weil die Firma Cambridge Analytica mit den daraus gewonnen Informationen später die Präsidentschaftskampagne Donald Trumps unterstützte.

Futter für den "Techlash"

Vielmehr waren sich viele US-Amerikaner überhaupt nicht klar darüber, dass diese Form von Daten-Auslese bis 2015 möglich war - während amerikanische Staatsanwälte prüfen, ob Facebook seine Nutzer über die Zweckentfremdung ihrer Daten informieren hätte müssen. Facebook kündigte inzwischen eine Untersuchung an, die klären soll, ob Cambridge Analytica die gesammelten Daten auch nach einem Löschaufruf nutzte. Zudem wurde bekannt, dass IT-Sicherheitschef Alex Stamos das Unternehmen verlassen wird. Bislang haben sich weder Gründer Mark Zuckerberg noch Geschäftsführerin Sheryl Sandberg zu der Kontroverse geäußert.

In beiden Fällen, dem Uber-Crash wie der Facebook-Datenauslese, geht es einerseits um Regulierung - der Werbekonzern Facebook verlor angesichts möglicher Einschränkungen der Datennutzung zwischenzeitlich 36 Milliarden US-Dollar an Wert.

Auf der anderen Seite aber geht es um jenen Vertrauensverlust in die Technologie-Firmen, der derzeit unter dem Schlagwort "Techlash" diskutiert wird. Dabei steht vor allem die Frage im Mittelpunkt, ob die Firmen eine angemessene Verantwortung für die Folgen ihrer Technologie übernehmen oder im Zuge ihres rigorosen Wachstumskurses die Kontrolle verloren - oder über Bord geworfen - haben.

In den vergangenen Monaten sind die Firmen dabei derart häufig negativ aufgefallen, dass längst der Gesamteindruck die Details der einzelnen Fälle überschattet.

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