Twitter Israels kreative Image-Pflege

Der Staat Israel kauft seinen Twitter-Namen vom Betreiber einer Sexseite - und muss dabei hart über den Preis verhandeln.

Israel hat dem Betreiber einer Porno-Website den Twitter-Benutzernamen "@israel" abgekauft. Wie die spanische Tageszeitung Público berichtete, unternahm die israelische Regierung das Geschäft im Zuge einer Kampagne, mit der sie das Image des Landes aufpolieren will. Für den Namen erhielt der Spanier Israel Meléndez einen Scheck für 3000 Euro, sagte Chaim Shacham, Leiter für Information und Internet im israelischen Außenministerium.

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"Meléndez ist glücklich, wir sind glücklich, der Preis war gut", sagte Shacham der Süddeutschen Zeitung. Das Geschäft sei der jüngste Schachzug, um die Präsenz Israels in sozialen Netzwerken zu stärken. Seit 2009 sei die Regierung bereits bei Twitter vertreten, so Shacham. Der bisherige Benutzer-Name "@israelmfa" habe allerdings niemanden so recht interessiert.

Wie das Geschäft ablief, erzählt Chaim Shacham im Einklang mit den Aussagen, die Israel Meléndez gegenüber der Tageszeitung Público machte. Meléndez, der in Miami wohnt und dort eine spanischsprachige Porno-Website betreibt, hatte im Jahr 2007 ein Konto bei Twitter unter seinem Vornamen eröffnet.

Es war eine Zeit, als Twitter nahezu unbekannt war und Regierungen noch wenig Interesse daran hatten, ihren eigenen Ruf in der Netzgemeinschaft zu schützen. Es dauerte damals nicht lange, bis Israel Meléndez aufhörte, sein Twitter-Konto zu verwenden. Er empfing fast ausschließlich antisemitische Kommentare.

Indessen waren die Israelis auf den inaktiven Account aufmerksam geworden. Shacham meldete seine Behörde bei Meléndez als Follower an und versuchte aufzufallen, indem er sich unter dem Namen einer wichtigen Persönlichkeit Israels registrierte. Dann wartete er.

Und es lohnte sich. Im Juli wurde Israel Meléndez plötzlich wieder aktiv auf Twitter. Er hatte eine neue Freundin, eine Jüdin, kennengelernt und wollte ihr zeigen, wie man ihn behandelt habe, nur weil er einen Twitter-Account auf dem eigenen Namen eröffnet hatte.

Als er sich wieder einloggte, war man in Jerusalem alarmiert. Shacham schrieb ihn an. Die Verhandlungen begannen. Meléndez verlangte Zehntausende Dollar, das Ministerium dachte ursprünglich hingegen an ein paar Hundert. Nichtsdestotrotz wurde der Spanier bald ins israelische Konsulat eingeladen, vereinbarte dort die Übergabe des Accounts und erhielt schließlich einen Scheck. Über 3000 Dollar, sagt Shacham. Im fünfstelligen Bereich, behauptet Meléndez.