TV-Aufsicht Raus aus dem ZDF-Archiv, rein in die Wikipedia

Dobusch will für mehr CC-Lizenzen werben. Solche Inhalte könnten auch auf Plattformen wie Wikipedia eingebunden werden, argumentiert er. Damit erreichten die Informationen mehr Menschen. "Man sollte doch meinen dass es das Beste wäre, was passieren könnte, das öffentlich-rechtlich finanzierte Inhalte dauerhaft in einer frei zugänglichen Enzyklopädie genutzt werden können", sagt er. "Das entspricht dem Informationsauftrag besser, als etwas nur in einem ZDF-Archiv vorzuhalten."

Offene Lizenzen sind nicht in allen Bereichen ohne Weiteres möglich. Die Rechte zu klären, ist aufwendig, besonders wenn Material von Nachrichtenagenturen oder Produktionsfirmen eingekauft wird. Aber für eigene Produktionen des ZDF, Nachrichten oder Sendungen zum Zeitgeschehen sollten CC-Lizenzen zum Standard werden, findet Dobusch. "Ich glaube, es ist meine Aufgabe als Fernsehrat, Dinge für die Allgemeinheit leichter nutzbar zu machen."

Die Revolution, die gar keine ist

Beim ZDF soll der Einfluss der Politik zurückgefahren werden. Doch der Staat gibt nur so viel an Macht ab, wie er muss. Die geplante Reform ist zahnlos - weil auch Grüne und Linke nicht eingreifen. Von Claudia Tieschky mehr... Analyse

Dass er das nicht alleine durchsetzen kann, weiß der Universitätsprofessor. Fernsehräte können keine Veränderungen anordnen. Sie können dem ZDF aber Fragen stellen und Anregungen geben. "In welchen Bereichen wären CC-Lizenzen möglich, und wo nicht, und warum? Das sind Fragen, die werde ich sicher stellen", sagt Dobusch.

Zwei Vertreter für digitale Themen

Es gibt neben Dobusch noch einen Vertreter für digitale Themen. Der Freistaat Bayern kann ein Mitglied für den Bereich "Digitales" in den Rat schicken. Das soll ein Vertreter des Unternehmerverbandes Bitkom werden, sagt eine Sprecherin der Bayerischen Staatskanzlei. Bitkom spricht für große Unternehmen der Digitalbranche, Microsoft und IBM zählen zu den Mitgliedern. Somit ist nicht nur das Netz der Nutzer repräsentiert, sondern auch jenes der kommerziellen Interessen.

Auch bei der Auswahl von Dobusch durften Wirtschaftsvertreter mitreden, der Verband der Internetwirtschaft eco und der Medienverband media.net. Die mussten sich allerdings mit den Hackern des Chaos Computer Clubs und dem SPD-nahen Netzverein D64 einigen. Die Wahl fiel auf den österreichischen Professor.

Dobusch will das ZDF ermutigen, "sich mal was zu trauen". "Ich bin für Mut und Experimente", sagt er. Sein erstes Experiment betrifft den Fernsehrat selbst. Die Mitglieder diskutieren bisher zwar öffentlich, aber eine Live-Übertragung oder Berichte in Echtzeit gibt es nicht. "Ich habe im Gesetz nachgesehen, ob ich aus den öffentlichen Sitzungen twittern darf", sagt Dobusch. Aus seiner Sicht spricht nichts dagegen.