Trend zu Smartphones und Tablets Microsoft wird zum Totengräber des PC

Windows 8 galt im Oktober vergangenen Jahres noch als große Hoffnung von Microsoft (hier ein Bild von einer Produkt-Präsentation in Tokio). Doch der erhoffte Schub für das PC-Geschäft blieb aus.

(Foto: Bloomberg)

Mit Windows 8 war Microsoft angetreten, um die gesamte Branche zu retten. Nun zeigt sich aber: Das neue Betriebssystem kann den negativen Trend auf dem PC-Markt nicht stoppen. Im Gegenteil. Es macht wohl alles noch schlimmer.

Von Benjamin Romberg

Vielleicht hat man sich bei Microsoft ein bisschen blenden lassen. Die Stimmung war euphorisch wie lange nicht, bevor der Konzern im Oktober sein neues Betriebssystem Windows 8 auf den Markt brachte. Zuvor war dem Unternehmen und seinem Chef Steve Ballmer oft vorgeworfen worden, der Konkurrenz hinterherzulaufen - plötzlich wurde Microsoft wieder gefeiert. Schneller, innovatives Design, bessere Handhabung: Der Software-Konzern sollte mit seinem neuen Betriebssystem der gesamten PC-Branche neuen Schub verleihen.

Dass Microsoft der Rolle als Heilsbringer nicht ganz gerecht werden würde, konnte man noch erwarten. Mit einer derart dramatischen Entwicklung hat aber wohl kaum einer gerechnet: Der PC-Markt hat zum Jahresbeginn den schlimmsten Einbruch der Geschichte erlebt. Die Auslieferungen von Notebooks und Desktops sind im ersten Quartal um beinahe 14 Prozent auf weltweit 76,3 Millionen Geräte gefallen, wie die Marktforscher der Firma IDC ermittelt haben.

Das sei der schlimmste Absturz seit Beginn der Datenerhebungen im Jahr 1994, so die Analysten. "Die geringeren Auslieferungen an sich waren keine Überraschung, aber die Heftigkeit des Rückgangs", sagte IDC-Experte David Daoud.

Überrascht zeigten sich die Experten über den Zeitpunkt des Einbruchs. Denn die Wirtschaft habe sich allgemein erholt und viele vermeintlich attraktive PC-Modelle seien auf den Markt gekommen, was sich in den PC-Verkäufen hätte niederschlagen müssen.

"Veröffentlichung von Windows 8 gescheitert"

IDC-Konkurrent Gartner veröffentlichte zwar etwas weniger dramatische Zahlen. Der Absatzrückgang liege "nur" bei 11,2 Prozent, so die Experten. Doch Gartner-Analyst Mikako Kitagawa gab eine dramatische Prognose für die PC-Branche ab: Verbraucher verlagerten ihre Computer-Nutzung zunehmend auf andere Geräte wie Smartphones und Tablets. Nicht einmal in den Entwicklungsländern sei noch mit einem starken Wachstum beim Absatz von Notebooks und Desktops zu rechnen.

Mit Windows 8 konnte Microsoft den Trend auf dem PC-Markt also nicht umkehren. Im Gegenteil: Nach Ansicht der Marktforscher von IDC habe sich die Lage durch das neue Betriebssystem noch verschlimmert. "Es scheint klar, dass die Veröffentlichung von Windows 8 nicht nur dahingehend gescheitert ist, den PC-Markt anzukurbeln", sagte IDC-Analyst Bob O'Donnell. "Es scheint sogar, dass der Markt abgebremst wurde."

Als Grund nannte er die radikalen Neuerungen bei Windows 8, an die sich die Kunden nicht gewöhnen könnten. Die bunten Kacheln und der Wegfall des vertrauten Start-Buttons beispielsweise scheinen bei den Nutzern nicht anzukommen. Zudem seien manche PCs durch den Einbau von berührungsempfindlichen Bildschirmen teurer geworden, sagte O'Donnell.

Noch immer laufen 90 Prozent aller PCs weltweit mit einem Windows-Betriebssystem. Windows 8 hat allerdings bislang nur einen Anteil von drei Prozent.

Microsoft soll Mini-Surface planen

Der Absatzrückgang trifft aber nicht nur Microsoft. Beim PC-Hersteller Hewlett-Packard (HP) gingen die Verkäufe fast um ein Viertel zurück - Acer musste mit 30 Prozent den schlimmsten Einbruch verkraften. Nur beim chinesischen Hersteller Lenovo sind die Auslieferungen stabil geblieben. HP konnte deshalb nur knapp seine Spitzenposition auf dem PC-Markt vor den Chinesen behaupten.

Die Branche müsse nun darum kämpfen, "für den Kunden relevant zu bleiben", sagte O'Donnell. Microsoft hat reagiert und vergangenen Herbst das Tablet Surface auf den Markt gebracht. Nun will der Konzern sein Angebot offenbar erweitern: Wie das Wall Street Journal berichtet, arbeitet das Unternehmen an einer Miniversion des Surface.

Das Gerät solle über ein 7-Zoll-Display verfügen und noch in diesem Jahr in die Produktion gehen, schreibt die Zeitung. Das sei zwar ursprünglich nicht geplant gewesen, angesichts des Erfolgs von Konkurrenz-Geräten wie Googles Nexus 7 oder Apples iPad mini habe man sich aber umentschieden, sollen Insider berichtet haben. Die Hälfte aller verkauften Tablets im vierten Quartal 2012 waren laut den Marktforschern des IDC kleiner als 8 Zoll.

Auch auf dem Tablet-Markt kein Erfolg

Durch die schwachen Verkäufe auf dem PC-Markt gerät die Tablet-Sparte bei Microsoft zusätzlich unter Druck. Denn auch hier lief es bisher nicht so gut wie erhofft. Der Konzern selbst gab bislang keine Zahlen bekannt. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete, sollen bis Mitte März aber nur 1,5 Millionen Surface-Tablets verkauft worden sein. Hinzu kämen weitere 400.000 verkaufte Geräte der Variante Surface Pro, die etwas teurer ist. Alleine im Schlussquartal 2012 habe Microsoft aber mit zwei Millionen verkauften Tablets gerechnet, berichteten Insider - die Pro-Variante nicht mit eingerechnet.

Schätzungen von IDC zufolge wurden im vergangenen Jahr 128 Millionen Tablets verkauft, Microsofts Anteil ist also verschwindend gering. Die Hälfte der verkauften Geräte kamen von Apple - mit seinem iPad ist der Konzern auf dem Tablet-Markt nach wie vor führend. Googles Betriebssystem Android holt aber auch hier auf. Experten rechnen damit, dass es Apple im laufenden Jahr sogar erstmals überholen könnte. Auf dem Smartphone-Markt ist Android mit einem Anteil von zuletzt 70 Prozent bereits vorne.

Auch wenn Microsoft Hoffnungen auf den Tablet-Markt setzt - der Konzern hängt vor allem vom Erfolg von Windows 8 ab. Das Unternehmen hat viel Geld in Entwicklung, Marketing und Vertrieb gesteckt. Deshalb und wegen des schwächelnden Geschäfts mit Office-Programmen war der Gewinn im Schlussquartal 2012 zurückgegangen.

Ende Januar hatte Chef Ballmer sich noch zufrieden gezeigt mit dem Start des neuen Betriebssystems. Auch damals waren die Zahlen mit 60 Millionen verkauften Versionen aber nicht spektakulär. Spätestens jetzt, nach den Horror-Zahlen vom PC-Markt, wird wohl auch Microsoft klar werden, dass die Erwartungen im Vorfeld zu groß waren.

Mit Material von dpa.