Sollen Firmen künftig jedem Bürger regelmäßig mitteilen, welche Daten sie über ihn sammeln? Verbraucherschützer befürworten die Idee, die Justizministerin zeigt sich offen - doch die Wirtschaft mauert.
Der von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) vorgeschlagene jährliche Datenschutzbrief für Bürger hat eine kontroverse Debatte ausgelöst. Während die Wirtschaft dagegen ist, dass Unternehmen künftig einmal jährlich schriftlich mitteilen sollen, welche Daten sie gespeichert haben, wird das Vorhaben von Verbraucherschützern begrüßt.
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Noch haben Bürger wenig Einblick, welche ihrer Daten auf den Festplatten der Firmen lagern (© Foto: iStock)
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Auch Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) zeigte sich am Montag offen für die Idee. "Der Datenschutzbrief kann eine sinnvolle Ergänzung sein", sagte die Ministerin zur Süddeutschen Zeitung. "Alles, was die Macht des Verbrauchers stärkt, kann den Datenschutz im Netz stärken."
Zugleich betonte Leutheusser-Schnarrenberger aber, dass Transparenz über Daten im Netz nicht automatisch durch neue Regeln entstehe, sondern durch Anreize. "Die Liberalen haben daher die Stiftung Datenschutz entwickelt, die den Auftrag hat, Produkte und Dienstleistungen auf Datenschutzfreundlichkeit zu prüfen."
Datenbrief als Abschreckung
Mit dem Vorschlag eines Datenbriefs hatte de Maizière am Wochenende eine Idee aus der Netzgemeinde aufgegriffen. Vertreter des Chaos Computer Clubs (CCC) fordern schon länger, dass alle Unternehmen einmal jährlich den Bürgern mitteilen, welche personenbezogenen Daten sie gespeichert haben und wie sie sie verarbeiten.
"Wir wollen diese Idee nun eingehender prüfen", sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Man befinde sich aber noch in einer ganz frühen Phase der Diskussion. "Das Ergebnis ist daher völlig offen."
Verbraucherschützer unterstützen den Vorstoß. "Der Datenbrief ist grundsätzlich eine gute Idee", sagt Gerd Billen, Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen. "Viele Verbraucher wissen ja gar nicht, wer alles Daten über sie sammelt."
Es dürfe aber keinen Stichtag geben, an dem die Bürger mit Informationsschreiben überflutet würden. "Das wäre nicht im Sinne des Datenschutzes", sagte Billen. Andreas Bogk vom CCC weist auf die gewaltigen Datenmengen hin, die sich bei Telefonanbietern, Versandhäusern, Stromversorgern, sozialen Netzwerken und Suchmaschinen im Internet angehäuft hätten.
Müssten künftig alle Unternehmen jährlich einen Datenbrief verschicken, wäre ihnen das eine Warnung, sagt Bogk. "Allein das Wissen um den jährlichen Brief dürfte die Firmen motivieren, möglichst wenige Daten zu sammeln und zu speichern."
"Bürger sind nicht sehr interessiert"
Bedenken der Wirtschaft, dass Aufwand und Kosten zu groß seien, wischt er beiseite. "Es soll ja gerade viel kosten. Das Datensammeln ist viel zu billig und leicht." Auch Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hatte sich offen für die Pläne gezeigt.
Beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) dagegen hält man überhaupt nichts von so einem Brief. "Schon jetzt kann man von den Unternehmen jederzeit Auskunft über alle gespeicherten Daten verlangen, wenn man es denn wünscht", sagt Annette Karstedt-Meierrieks, die das Datenschutzreferat beim DIHK leitet. "Die Anfragen bewegen sich im einstelligen Prozentbereich. Das zeigt, dass die Bürger nicht sehr interessiert sind, zu erfahren, welche Daten über sie gespeichert sind."
Auch der Hightech-Verband Bitkom lehnt den Brief ab. "Die Kosten für den Aufwand müssten letztlich die Kunden tragen", sagt Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. "Statt jeden Bürger einmal jährlich zwangsweise mit seinen Daten zu beglücken, sollte es ein Siegel oder Audit geben, bei dem Unternehmen ihren Umgang mit Daten von einem externen Prüfer auf Herz und Nieren kontrollieren lassen können. Damit wäre dem Datenschutz viel mehr gedient."
Lesen Sie hierzu Berichte in der Süddeutschen Zeitung.
- Datenschutz Spuren im Netz 31.08.2009
- Facebook und der Datenschutz Mehr Privatsphäre? Von wegen! 12.12.2009
- Weltgrößte IT-Messe Die Trends der Cebit 01.03.2010
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(SZ vom 02.03.2010/joku)
Präsidenten und ihre Partnerinnen
wer überhaupt aller Informationen von mir vorrätig hält. Bei einigen weiß ich's, aber wenn ich mir vorstelle, wer sich aller sorgen um meine männliche Leistungfähigkeit, den Verfall meines Geldes oder meine persönlichen Beziehungen macht, und mir entsprechende Mails schickt, dann wäre es sicherlich interessant, wen es noch so gibt. Mit der Info kann ich dann gerne nachfragen, - aber bitte selber per Mail, damit keinen zusätzlichen Kosten entstehen.
Wahrscheinlich geht's Vielen wie mir und daher so wenige Anfragen, wie der DIHK moniert.
Ich bin der Ansicht, wer Geld hat, jede Menge Daten von mir zu speichern, der hat auch Geld mir deren Inhalt mitzuteilen!
In einem skandinavischen Land, in dem ich einige Jahre lang lebte, gibt es eine Personenkennziffer, die hierzulande genau jene Leute zu Oberbedenkenträgern werden lässt, die sich eigentlich für eine solche einsetzen sollten: die Datenschützer.
In jenem Land darf man zu einem Bürger resp. seiner Kennziffer keine Informationen vorhalten, ohne dies einer Behörde zu melden, bei welcher der Bürger jederzeit Auskunft darüber einholen kann, wer welche Informationen bei welcher Firma (die auch eine Kennziffer haben) vorgehalten werden.
Sofern dies nicht für die Geschäftsbeziehung noch nötig ist (etwa offene Debitorenposten etc.) muss eine Firma auch sofort alle Informationen tilgen, die zu einer anderen Kennziffer gespeichert ist.
Man *kann* eine Kennziffer natürlich entgegen dem Sinne des Datenschutzes missbrauchen, genau wie man einen Hammer auch missbrauchen *kann*. Ohne eine solche ist es allerdings noch intransparenter, da jeder Bürger eine Steuernummer, Sozialversicherungsnummer, PA-Nummer und mehrere hundert Kundennummern hat... diese bei entsprechender Kenntnis zu verknüpfen ist technisch trivial und für den Betroffenen nicht mehr nachvollziehbar.
In Deutschland gibt es aktuell keine Möglichkeit, herauszufinden, wer welche Informationen vorhält und das finde ich sehr bedenklich!
... Kontrolle ist besser.
Aber wer sagt uns, daß wir tatsächlich alle über uns gesammelten Daten erhalten?
Wenn wir uns z.B. die Werbung hier auf sueddeutsche.de genauer anschauen, dann können wir feststellen, daß die Banner
1. ) vom Yahoo!-Adserver in den Seiten plaziert werden
2.) an bestimmte Werbenetzwerke (ad.yieldmanager.com, etc.) weitergeleitet werden (Cookie wird gesetzt!)
3.) auf der Seite des Inserenten landen
Wer hat jetzt unsere Daten?
Die Süddeutsche? Nein. Yahoo? Auch nicht. Der Inserent? Wieder nicht.
Aber das Werbenetzwerk hat sie und arbeitet auch damit (wer z.B. hier auf gewisse Anzeigen klickt, wird gleichartige Anzeigen auch auf anderen Webseiten verstärkt eingespielt bekommen).
Das Werbenetzwerk ist aber sicher nicht in Deutschland oder der EU zuhause und wer mit ihm zusammenarbeitet (z.B. Yahoo!) ist ja nicht dafür verantwortlich, wie dieses seine Daten erhebt.
Nochmal, dieses ist leider kein Horrorszenario, sondern die Art und Weise wie Sie gerade jetzt und hier Ihre Werbung eingespielt bekommen...