Meine digitale Diät

Top- und Flop-Gadgets 2012 /
Von Thorsten Riedl
/ Veröffentlicht am , im Digitalblog

Samsung Galaxy S 3 Smartphones

(Foto: Bloomberg)

Was für ein Jahr. Nie zuvor sind mehr Gadgets auf den Markt gekommen. Nie zuvor haben mehr davon meinen Will-haben-Reflex ausgelöst. Nie hatte ich mehr Geräte - nie habe ich mich so "overgadgetized" gefühlt wie jetzt. Wie soll das bloß weitergehen? Ganz einfach. Im nächsten Jahr konzentrieren wir uns wieder auf das Wesentliche. Ganz sicher - oder zumindest ein bisschen.

Der Rückblick auf die Geräteneuheiten dieses Jahres macht klar: Ob dünner, schneller oder größer, wahlweise auch kleiner, schärfer, billiger - für jeden war etwas dabei, und das oft von ein und demselben Hersteller. Zu Jahresanfang etwa hat Samsung das Galaxy S3 gezeigt. Ein Smartphone, das einen neuen technischen Standard gesetzt hat. Wenige Monate später kam das abgespeckte S3 Mini, weniger Leistung, aber auch nicht schlecht, günstigerer Preis. Apple brachte im Herbst das iPhone 5, dünner, schneller, besseres Display; und wem das Neue zu teuer ist, der greift eben zum älteren, günstigeren, das auch noch überzeugt.

Das iPad gibt es seit wenigen Wochen in groß oder klein. Tabletcomputer, die das System Android von Google nutzen, locken schon länger in verschiedenen Maßen und Preislagen. Amazon hat seine Palette an E-Book-Lesegeräten ausgeweitet: vom günstigen Einstiegsgerät über das teure Modell mit Licht hin zur Tabletversion, und das alles zu Kampfpreisen. Das virtuelle Warenhaus will an den Inhalten - Musik, Filmen, Bücher - verdienen. Selbst Microsoft mischt seit ein paar Monaten im Tablet-Segment mit. Dann muss doch wirklich etwas dran sein am Trend zu den flachen Rechnern.

Aussieben oder Absturz

Die Vielfalt an Varianten lässt jeden sein Wunschgerät finden. Aber sie macht uns Konsumenten das Leben auch schwer. Die Auswahl an Muskspielern, E-Book-Lesern, Smartphones, Tabletcomputern ist inzwischen erdrückend, so wie wir das lange Zeit beim Kauf eines neuen Computers gewohnt waren.

Wie beim guten alten Personal Computer - ob tragbar oder nicht - wird nach dem Run der Hersteller auf die recht jungen Segmente das Aussieben beginnen, spätestens im nächsten Jahr. Dem Segment der E-Book-Reader wird der Absturz prognostiziert. Warum auch ein spezielles Gerät nur für Bücher, wenn sich die digitalen Schmöker genauso gut auf Handy oder Tablet lesen lassen. Ich mag zwar meinen E-Book-Leser sehr, aber jeden Morgen vor der S-Bahn-Fahrt steht die Frage an: iPad oder Kindle? Auf Dauer geht das nicht gut.

Die Vielfalt ist Fluch und Segen für uns, für einige Hersteller aber der pure Stress. Nicht nur für solche Unternehmen, die wie Hewlett-Packard nach dem Desaster mit dem Touchpad einfach nicht die Kurve gekriegt haben beim Landrush, beim Sichern der besten Parzellen in den neuen Märkten. Auch die ewig Zweiten stöhnen: Dell hat die Entwicklung von Android-Geräten aufgegeben. Die Marktmacht aus Fernost, vor allem durch Samsung, ist einfach zu groß. Die Möglichkeiten, sich allein durch die Hardware abzusetzen, zu gering, wenn alle auf das gleiche Softwaresystem Android setzen.

Selbst Apple schwächelt

Selbst Apple, erfolgsverwöhnt und erprobt im Auftun neuer Geschäftsfelder, schwächelt. Der kalifornische Konzern soll die iPhone-Bestellungen bei asiatischen Auftragsfertigern nach unten gefahren haben.

Alles deutet also auf eine digitale Mäßigung hin.

Theoretisch zumindest. Denn praktisch gab es schon einige Schmankerl des neuen Technikjahrs vorab zu sehen, die wieder den Will-Haben-Reflex ansprechen. Das YotaPhone beispielsweise: Es vereint die stromsparende E-Ink-Technik mit einem hübsch anzuschauenden LCD-Display. Was würde ich schon allein dafür geben, via E-Ink stets über die aktuelle Zeit informiert zu sein - wie das bei Handys früherer Generationen ja einmal Standard war, von aktuellen E-Mails oder Kurznachrichten ganz zu schweigen (ging früher alles, man erinnere sich nur an das Außendisplay des Motorola Razr, Baujahr 2004). Oder ein E-Book, augenschonend auf dem zweiten Handy-Display? Warum nicht.

Apropos Display: Das Galaxy S4 könnte mit einem biegbaren kommen. Will ich haben!

Und selbst von Apple, da bin ich mir sicher, werden wir noch die ein oder andere Überraschung sehen. Selbst, wenn es derzeit so modisch ist, das Unternhmen herunterzuschreiben, so wie es vor kurzem noch en vogue war, in höchsten Tönen zu schwärmen.

Also: Digitale Mäßigung und die ein oder andere Tech-Praline für zwischendurch. Das neue Jahr kann kommen.