The Next Tetris Eine bunte Angelegenheit

Für die Dreamcast-Konsole veröffentlicht, noch einmal ein bisschen aufpoliert und entstaubt. Nichts für jene, die das Tetris-Fieber bereits hinter sich haben.

Von Christopher Zallmann

"Tetris" hatte Erfolg, weil es jeder spielen konnte. So einfach war das. Abgeleitet von "tetra", dem griechischen Wort für "vier", trat "Tetris" bereits Ende der 80er-Jahre seinen Siegeszug um die Welt an - auf Konsolen und PCs oder auf preiswerten Handcomputerchen, die sich so wunderbar an den Strand, in die Schule oder gar in die Kneipe mitnehmen ließen. Schnell war das in diesem Zusammenhang freilich noch immer bedenkliche Wort "Sucht" in aller Munde. Es ließe sich auch so formulieren: "Tetris" ließen seine Fans nicht los.

The Next Tetris

Bewertung: 5 = super / 4 = schön / 3 = nett / 2 = geht so / 1 = bescheiden / 0 = daneben

(Foto: Screenshot: The Next Tetris)

All jene, die seither sonst nicht mit irgendwelchen elektronischen Spielchen zu tun hatten, haben das Puzzlegame inzwischen längst wieder in die Ecke gelegt, wo's langsam aber sicher vor sich hinstaubt.

Ein Spiel wie "Tetris" hat es seither nicht mehr gegeben. Etwas, das wie einst der magische Würfel auch, die Massen fasziniert. Schade eigentlich. Eine Gesellschaft, die spielt, kann schließlich keine schlechte sein.

In der Zwischenzeit hat die Spieleindustrie das Phänomen von einst weiter vorangetrieben. Unzählige lockere Adaptionen sind erschienen, die ein ähnliches Spielprinzip bedienten. Und auch "The Next Tetris" ist nicht neu. Nun aber wurde es für die Dreamcast-Konsole veröffentlicht, noch einmal ein bisschen aufpoliert und entstaubt. Am Grundprinzip hat sich wenig geändert.

Aber so schlicht wie früher ist es dennoch nicht mehr. Natürlich fallen weiterhin verschiedenformige Steine zur Erde, die dort so zu platzieren sind, dass sie geschlossene Reihen ergeben, die sich dann auflösen.

Dennoch wimmelt es bei "The Next Tetris" plötzlich von wilden Fachbegriffen: "Tetramino", "Multimino", "Polymino" und "Kaskadierung". Interessanter soll es sein, ist es aber nicht, denn durch die Idee, die mit dem Spieleklassiker nun einhergeht, wurde die grundsätzliche Faszination, die einst von ihm ausging, doch etwas verwässert.

Wie gewohnt fallen sieben unterschiedliche Tetris-Steine, die aus jeweils vier Blöcken bestehen, die immer anders angeordnet sind. Nun aber gibt es auch verschiedenfarbige Blöcke. Wenn so ein Stein landet, teilt er sich gegebenenfalls auf. Es kann also sein, dass andersfarbige Steine weiter nach unten fallen, sofern da noch Platz ist. Das ist schwer und wird häufig zur Glückssache. Aber auch die klassische Spielform ist im Angebot.

Dazu stehen die üblichen Features zur Verfügung. Im Ein-Spieler-Modus geht es gegen die Uhr, im Marathon-Modus wird wie gewohnt ein Level nach dem anderen durchgespielt.

Die Zahl der Steine wird mit der Zeit größer, ebenso deren Fallgeschwindigkeit. Im Zwei-Spieler-Modus geht es gegeneinander: Wenn hier mehrere Reihen auf einmal aufgelöst werden, bedeutet das beim Kontrahenten zum Beispiel eine Drehung um die X-Achse oder gar eine Verdunklung des Spielfeldes.

Der Klassiker wurde zudem auch optisch in ein neues Gewand gehüllt. Der animierte Hintergrund sorgt zwar für etwas Abwechslung, ist aber eigentlich überflüssig und findet bald schon keine Beachtung mehr. Auch die recht flotte Musik - ein paar Tracks sind anwählbar - dürfte mit der Zeit eher störend empfunden werden.

Natürlich ist "Tetris", das übrigens aus Russland stammt, bis heute eine grandiose Idee. Daran ändert auch die Fortsetzung nichts, die nun von Hersteller Crave Entertainment auf den DC-Markt geworfen wird.

Ebenso unstrittig ist aber, dass sie nicht in der Lage ist, all jene, die das Tetris-Fieber hinter sich haben, neu dafür zu begeistern. Für sie lohnt ein Kauf definitiv nicht. Wer aber bislang keine Variante sein Eigen nennt, darf getrost zugreifen und sich die nächsten Wochen schon mal frei nehmen. Er wird von der Idee gefangen sein, wie schon Millionen vor ihm im letzten Jahrzehnt. Der Test erfolgte der Version für Sega Dreamcast.

The Next Tetris für Dreamcast/PC/PSOne, Crave Entertainment, zirka 90 Mark.

Quelle: Teleschau - der Mediendienst