The DAO 53-Millionen-Dollar-Raub spaltet Verfechter von Kryptowährung

  • Ein Hacker schnappte sich 53 Millionen Dollar einer digitalen Währung.
  • Das Geld ist Teil eines digitalen Finanzsystems, dessen Hauptprinzip es ist, auf Regulierung durch Menschen zu verzichten.
  • Nun wird diskutiert, ob nach einem Angriff dieser Größenordnung doch ein Eingriff nötig ist.
Von Hakan Tanriverdi

Wenn 53 Millionen US-Dollar auf dem Spiel stehen, wie wichtig ist es dann, an den eigenen Prinzipien festzuhalten? Das ist eine Frage, die sich derzeit 11 000 Menschen stellen. Sie alle eint, dass sie an digitales Geld glauben und daran, dass eine moderne Firma ohne Menschen auskommt. Dann, wenn diese auf smart geschriebenen Verträgen basiert, und zwar in Form von Software.

Es gibt nur ein Problem: Die Software war nicht gut genug geschrieben - ein Hacker hat das ausgenutzt. "Er hat den maximal möglichen Schaden angerichtet", sagt Emin Gün Sirer, Professor für Informatik an der Cornell University in New York im Telefon-Gespräch mit der SZ. Insgesamt 160 Millionen Dollar haben diese Menschen eingesammelt - es ist das bis dato erfolgreichste Crowdfunding-Projekt im Internet. Am Ende sollte eine Firma entstehen, die Wagniskapital vergibt. Jenes Geld, das Start-ups aus dem Silicon Valley abgreifen, um schnell zu wachsen.

Die Firma versteht sich als ausgestreckter Mittelfinger Richtung Kalifornien

Derzeit kommt dieses Geld von Investoren. Sie kaufen Firmenanteile und dadurch Mitspracherechte. Die Schwarm-Firma hingegen hätte diesen Prozess umgekrempelt: Das Kollektiv entscheidet, welche Firmen das Geld bekommen, die einzelnen Schritte und Vertragsklauseln sind in Computercode festgehalten. Es gibt keine Chefs. So erklärt sich auch der Name: "The DAO", die dezentralisierte autonome Organisation. Es ist ein ausgestreckter Mittelfinger in Richtung Kalifornien.

Erst Bitcoin, dann die Welt

Vielleicht startet 2025 ein Auto nicht mehr, wenn eine Ratenzahlung verpasst wird: Möglich würde dies durch smarte, von gewaltigen Online-Datenbanken gestützte Kaufverträge. Hinter der Idee steckt das Blockchain-Prinzip. Es könnte auch die Marktmacht der Großkonzerne brechen. Von Johannes Kuhn mehr ... Analyse

Einer der Menschen hinter dieser Idee ist Christoph Jentzsch aus Mittweida in Sachsen. Im Interview mit Zeit Online wählte er sachlichere Worte: "Ich finde es nicht richtig, wie stark eine Handvoll Investoren die Entwicklung der Technologie bestimmt." Also bastelte er an DAO. Firmen müssen nicht mehr über Investoren gehen, um an Geld zu kommen. Kleininvestoren können sich direkt an DAO wenden - eine vermittelnde Instanz entfällt.

Blockchain und Smart Contracts

DAO basiert auf zwei Grundlagen. Erstens, auf dem Blockchain-Prinzip (siehe Kasten). Wer so ein System aufsetzt, wird sich nicht mehr auf Menschen verlassen. Die Überweisungen laufen autonom über eine Kette ab, anhand von mathematischen Formeln.

DAO setzt auf eine abgewandelte Form der Kette, Ethereum genannt. Sie erlaubt es Programmierern, smarte Verträge ("smart contracts") in Form von Software aufzusetzen. Ein Autokauf auf Raten könnte in Zukunft über solch einen smarten Vertrag abgewickelt werden. Ist der Vertrag geschlossen, kann das Auto aufgesperrt und gestartet werden. Fällt eine Rate aus, springt der Wagen nicht mehr an. Im Fall der Risikokapitalfirma DAO regelt der Vertrag unter anderem Stimmenanteile, das Abgeben der Stimme, das Abheben des Geldes.

Blockchain

Technisch gesehen ist eine Blockchain eine Kette aus Datensätzen, die in einer großen Datenbank liegen. Diese Datenbank lässt sich um weitere Datensätze erweitern - so weit, so gewöhnlich. Die Datenbank ist aber verteilt auf vielen Computern gespeichert - einen einzelnen Herrscher über die Datenbank gibt es nicht. Die Datensätze sind gegen nachträgliche Manipulation geschützt. Aus dem Inhalt eines jeden Datensatzes sowie über alle Datensätze zusammen wird eine sogenannte Prüfsumme erzeugt. Diese erlaubt zu prüfen, ob etwas verändert wurde. Neue Blöcke müssen aufwendig errechnet werden. Anschließend werden sie an die Teilnehmer verbreitet, jeder davon kann sie einsehen. Das Besondere an Blockchains ist, dass sie Transaktionen regeln können, ohne dass dafür eine zentrale Instanz wie etwa eine Bank nötig wäre. Helmut Martin-Jung