Technik-Konzern veröffentlicht Zuliefererliste Apples neue Transparenz-Strategie

Apple veröffentlicht einen Bericht, in dem das Unternehmen seine Zulieferer offenlegt und Arbeitsbedingungen evaluiert - Überraschungen sind nicht dabei. Es scheint, als ob sich der Konzern zunehmend von der Verschwiegenheit der Jobs-Ära verabschiedet.

Apple hat erstmals eine Liste seiner weltweiten Zulieferer offengelegt. Der sonst so verschwiegene US-Computerkonzern gab am Freitag überraschend die Namen seiner 156 meist in Asien ansässigen Lieferanten bekannt.

Damit sind fast alle der Unternehmen publik, mit denen die Amerikaner bei der Herstellung ihrer iPhones, iPads und Mac-Computer zusammenarbeiten. "97 Prozent dessen, was wir an Zulieferer zahlen, geht an diese 156 Unternehmen", heißt es in dem Bericht. Apple will mit der Veröffentlichung der Kritik an Missständen und schlechten Arbeitsbedingungen bei Zulieferern entgegentreten.

Die Liste birgt wenige Neuigkeiten. Neben Foxconn sind unter anderem der taiwanesische Konzern Hon Hai Precision und Samsung Electronics aufgeführt. Auch die deutsche Infineon gehört dazu.

Zuletzt hatte vor allem Apple-Lieferant Foxconn immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Dort kam es im vergangenen Jahr zu einer Reihe an Selbstmorden; am 4. Januar sollen zudem 150 Mitarbeiter mit kollektivem Selbstmord gedroht haben, wenn ihre Forderungen nach höheren Löhnen nicht erfüllt werden sollten.

"iSlave"-Vorwürfe kratzen beständig an Apples Markenimage

Es gibt immer wieder Nachrichten von verheerenden Arbeitsbedingungen bei Apples Zulieferern. Der Bericht "iSlave behind the iPhone" der Hongkonger Organisation "Students & Scholars Against Corporate Misbehaviour" zum Beispiel berichtete im September 2011 von erzwungenen, unbezahlten Überstunden sowie möglichen Gesundheitsrisiken beim Kontakt mit Chemikalien. Solche Publikationen haben aus einer der beliebtesten Marken der Welt ein Hauptangriffsziel von Nicht-Regierungs-Organisationen und Aktivisten gemacht.

Nach eigenen Angaben nimmt Apple seit Jahren regelmäßig Überprüfungen vor. Demnach deckte der Konzern bei seinen Zulieferern sechs Fälle von Kinderarbeit auf sowie 13 Fälle, in denen zuvor Minderjährige als Arbeitskräfte eingestellt worden waren. Zudem führt Apple in dem 500 Seiten umfassenden Bericht weitere Verstöße wie zu schlechte Bezahlung und die Verletzung von Umweltauflagen an. Wo dies geschah, sagt Apple aber nicht.

Veröffentlichung gilt als Teil von Tim Cooks neuer Strategie

"Mit jedem Jahr erweitern wir unser Programm, schauen uns unsere Zuliefererkette genauer an und machen es schwerer, die Auflagen zu erfüllen", sagte Apple-Chef Tim Cook der Nachrichtenagentur Reuters. All das bedeute, dass die Belegschaften "mit jedem Jahr besser und besser behandelt" würden. Allerdings müsse noch viel getan werden, gab Cook zu.

Ein weiterer Schritt ist, dass Apple als erster Technologie-Konzern seine Produktionsbedingungen von der Fair Labor Association (FLA) überprüfen lassen will.

Die Veröffentlichung wird von Beobachtern als weiterer Hinweis gesehen, dass Cook den Konzern nach dem Tod von Steve Jobs transparenter ausrichten will. Während Jobs ein Verfechter des Grundsatzes war, so wenig wie möglich bekanntzugeben, beschreitet Cook mit der Veröffentlichung der Zulieferer-Kette einen neuen Weg. Apple gibt am 24. Januar seine Quartalszahlen bekannt.