Von Johannes Kuhn

Image-Gau für die schwedische Plattform "Pirate Bay": Das weltgrößte Verzeichnis für Internet-Tauschbörsen wurde angeblich von einem Rechtspopulisten unterstützt. Die Datenpiraten sehen sich als Opfer einer Kampagne.

Für die Anhänger der Internet-Tauschbörse "Bittorrent" ist die "Pirate Bay" eine Schatzkarte. Auf der schwedischen Seite finden sich Links zu illegalen Downloads der neuesten Blockbuster-Filme, Musikalben oder Computerprogramme.

Pirate Bay

(© Foto: Wikipedia)

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Hunderttausende Files, als Original in vielen Fällen mehrere hundert Euro wert, sind auf der Seite der skandinavischen Netzpiraten nur einen Click vom Download entfernt.

Doch die Macher von Pirate Bay sehen ihre Plattform nicht als illegal an, sondern erklären, sie würden damit auch für eine neue Auffassung des Urheberrechts kämpfen. Nun allerdings finden sie sich plötzlich in der Defensive wieder: In der schwedischen Fernseh-Talkshow "Bert" konfrontierte Moderator Bert Karlsson Ende März den Pirate Bay-Sprecher Tobias Andersson mit harten Vorwürfen: Die Seite soll von Carl Lundström unterstützt worden sein.

Lundström, einer der Erben des Knäckebrot-Konzerns Wasabröd und des Snackherstellers OLW, ist nicht irgend jemand in Schweden. Er gilt als Rechtspopulist und hat nach einem Bericht der Wirtschaftszeitung Ekonomi Nyherterna Rechtsparteien- und -organisationen wie "Sverigedemokraterna" oder die "Nationaldemokraterna" finanziell unterstützt. Zudem berichtet das Blatt, dass Lundström 1988 wegen eines tätlichen Angriffs auf drei Ausländer in Stockholm verurteilt worden sei.

Der Rechtspopulist als Mäzen der Daten-Piraten?

Andersson musste in dem Interview zugeben, dass die Pirate Bay-Macher von Lundströms Einstellung wussten und von ihm unterstützt wurden. Mehr noch: "Wir hätten ohne Carl Lundströms Hilfe nicht starten können."

Der mutmaßliche Rechtspopulist also als Mäzen der Daten-Piraten? Im Interview mit sueddeutsche.de erläutert Andersson: "Als wir 2004 Pirate Bay aufbauten, war einer der Gründer bei 'Rix Telecom' beschäftigt, der Firma Lundströms. Lundström bot an, uns für den Datenverkehr drei seiner Server bereitzustellen."

Als das Projekt wuchs, habe man diese dann allerdings nicht mehr verwendet. Rix Telecom, ein Telekommunikations-Unternehmen, bei dem Lundström damals Geschäftsführer war, habe in der Frühzeit der Pirate Bay einmal ein Werbebanner geschalten. Dies seien die einzigen Formen der Zusammenarbeit gewesen. Inzwischen gebe es seit Jahren keinen Kontakt mehr.

Auch die Piratenpartei könnte Schaden nehmen

Allerdings gibt es Angaben des Branchendienstes Heise zufolge immer noch eine Verbindung. So stünden die aktuellen Pirate Bay-Server in einem von Rix gemieteten Rechenzentrum; allerdings gehört nach Heise-Angaben zum Beispiel auch die liberale Partei Schwedens zum Rix-Kundenstamm. Lundström selbst ist nicht mehr in der Rix-Geschäftsführung tätig, besitzt aber noch erhebliche Geschäftsanteile.

Die Beziehung von Pirate Bay zu Lundström könnte auch der schwedischen Piratenpartei schaden. Diese wurde 2006 mit dem Ziel gegründet, jegliches immaterielles geistiges Eigentum abzuschaffen und zur allgemeinen Verfügung zu stellen, um den kulturellen Austausch zwischen den Menschen zu fördern.

Inzwischen hat die Partei fast 9.000 Mitglieder - beinahe so viele wie die schwedischen Grünen (9.500). Ihre Politik dreht sich monothematisch um das Urheberrecht, ihrem Selbstverständnis nach ist die Piratenpartei weder links noch rechts.

Nach Angaben von Parteigründer Rickard Falkvinge gibt es nur lose Verbindungen zwischen Piratenpartei und Pirate Bay. Die Vorwürfe des Moderators Bert Karlsson bezeichnet er als "Kampagne": "Karlsson hat immer wieder versucht, die Piratenbewegung in eine Verschwörungstheorie zu verwickeln." Er verweist darauf, dass es sich bei Karlsson nicht um einen klassischen Journalisten, sondern um einen Mann der Musikindustrie handele.

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