Tauschbörse Napster feiert Eierkocher für Musik
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Anders als beispielsweise die Gründer von Skype (die zuvor den Napster-Nachfolger Kazaa nach dem gleichen Prinzip betrieben) sahen sie jedoch nicht die Chancen der neuen P2P-Technologie; sie versuchten, sie zu bekämpfen.
Mit mäßigem Erfolg. Zwar musste Fanning nach einer gerichtlichen Niederlage im Frühjahr 2001 Napster schließen, aber seine Nachfolger ließen nicht lange auf sich warten. Und sie waren technisch noch schwerer zu kontrollieren als das Programm aus dem Jahr 1999.
Denn wo Fanning noch einen zentralen Server benötigte, der Anfragen und Angebote miteinander verband (und den man als Musikindustrie lahmlegen konnte), kommen neuere Angebote wie BitTorrent ohne diesen zentralen Knoten aus und sind so kaum mehr fassbar. Sie eindämmen zu wollen gleicht einem Kampf gegen Windmühlen.
Im Wissen um diese Entwicklung muss man sagen: Shawn Fanning hat vor zehn Jahren so etwas wie den Eierkocher für Musik erfunden - was kulturell zu verstehen ist und weniger technisch. Denn genau wie ein einmal gekochtes Ei nicht mehr in den ungekochten Zustand zurückversetzt werden kann, ist auch der Umgang mit Musik nicht mehr so wie vor dem Sommertag vor zehn Jahren, als ein Student aus Boston ein Programm schrieb, um seine Lieblingslieder mit seinen Freunden zu teilen.
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Gratis-Kultur im Internet
Und genau wie man anders mit einem gekochten Ei umgehen muss als mit einem rohen, verlangt auch die Napster-Welt einen anderen Umgang, um die Chancen der Digitalisierung zum Nutzen von Kunden und Künstlern einzusetzen. So lange beispielsweise die in Online-Geschäften käuflich erworbenen Lieder wegen ihres Kopierschutzes nur begrenzt abspielbar sind und eine schlechtere Qualität haben als diejenigen, die kostenlos aus der Tauschbörse kopiert werden, wird die Klage über die Gratis-Kultur im Internet, die Napster losgetreten habe, ungehört verhallen.
Es dauerte eine Weile, bis jemand die von Napster geweckten Kundenwünsche nicht bekämpfte, sondern zu erfüllen versuchte, und es war erstaunlicherweise nicht die Musik-, sondern die Computerindustrie, die im Jahr 2001 den iPod erfand. Dieser damals neuartige MP3-Player war sozusagen der Eierbecher für das frischgekochte Ei. Dem Computerhersteller Apple gelang es, die Idee von Napster auf urheberrechtlich legale Beine zu stellen.
Dabei drehte Apple das bisherige Geschäftsmodell von den Füßen auf den Kopf: Viel Geld verlangt der Computerhersteller nämlich keineswegs für Musik, sondern für den emotional aufgeladenen Speicherplatz. Der iPod, das coole Gerät, ist teuer, die Musik, also der Inhalt, der auf dem iPod läuft, ist günstig.
Gar nichts gelernt
Shawn Fanning trägt die Haare mittlerweile raspelkurz. Aus dem Uni-Abbrecher mit dem krausen Haar ist ein angesehener Internetentwickler geworden. Zuletzt verkaufte er sein Unternehmen ThreeSF mit dem Netzwerk Rupture, in dem sich Computerspieler austauschen, an den Branchenriesen Electronic Arts.
Als er aus Anlass des zehnjährigen Jubiläums von Napster unlängst gefragt wurde, was er im Wissen um die rechtlichen Auseinandersetzungen um die Tauschbörse heute anders machen würde, antwortete er: ,,Gar nichts!'', und fasste mit diesen beiden Worten auch zusammen, was er von der Strategie der juristischen Verfolgung als Antwort auf die Herausforderungen der Digitalisierung hält.