3500 Nutzer der Tauschbörse "eDonkey" müssen jetzt mit einer Anzeige rechnen. Dabei kann das Tauschen von Musik und Filmen im Internet auch ganz legal sein.
Im Prinzip ist die Plattform Tauschticket.de ein riesiges Bücherregal im Internet: hier stehen eine halbe Million Bücher, mehr als 20.000 Filme und mehr als 40.000 Tonträger zur Verfügung. Jeder kann sich in diesem virtuellen Regal bedienen, ohne dass Geld fließt. Einzige Bedingung: er muss selbst eigene Tauschwaren zur Verfügung stellen.
50.000 Mitglieder verschicken bei Tauschticket untereinander Bücher, CDs und Filme. (© Screenshot)
Anzeige
Die Regeln für den Tausch sind einfach: Jedes Mitglied stellt seine Bücher, CDs, Filme oder Spiele in ein virtuelles Tauschregal. Aus diesem Regal kann sich jedes andere Tauschticket-Mitglied bedienen. Wird ein Interessent fündig, erhält der Anbieter eine E-Mail mit der Adresse des Interessenten. Daraufhin schickt der Anbieter das Paket los und der Empfänger bestätigt den Erhalt.
Für diese Empfangsbestätigung bekommt der Versender ein Tauschticket gutgeschrieben, damit kann er sich in den Beständen anderer Tauschticket-Kunden bedienen. Der Tausch ist kostenlos, nur das Porto zum Versenden seiner Tauschgegenstände muss jeder Teilnehmer selbst tragen.
Der Tausch auf Augenhöhe funktioniert. In weniger als zwei Jahren haben sich 50.000 Mitglieder bei der Börse angemeldet, im Forum werden jeden Tag mehr 6000 neue Beiträge eingestellt. Es bilden sich regelrechte Tauschzirkel, manche Mitglieder schicken ihre Bücherpakete auch ohne Tickets auf Rundreise.
Etwas aufgeräumter geht es beim Newcomer Hitflip zu. Das Startup-Unternehmen aus Vallendar bei Koblenz hat sich auf Hörbücher und Filme konzentriert, vor kurzem sind Musik-CDs und Computerspiele zum Angebot hinzugekommen.
Bald sollen auch Bücher getauscht werden können - hier entsteht ein ernstzunehmender Konkurrent für Tauschticket.de.
Das Anbieten der Tauschobjekte ist bei beiden Anbietern einfach: Niemand muss die kompletten Buchdaten einzeln eintippen. Die ISBN-Nummer oder die EAN-Nummer des Artikels genügen, alle weiteren Angaben liest die Plattform aus einer Datenbank aus und zeigt sie mit dem Artikel an.
Bei Tauschticket kann man zusätzlich den Zustand des Buches beschreiben, bei Hitflip soll dagegen nur neuwertige Ware zum Tausch angeboten werden.
Noch etwas ist anders bei Hitflip. Die Medien werden nach den jeweiligen Marktpreisen gewichtet. So ist die DVD des Films Matrix nur einen Flip wert, für die Abenteuer des Kardinals Braun werden zwei Flips fällig und eine Sammelbox mit einer Staffel der Krimi-Serie "CSI" schlägt mit vier Flips zu Buche.
Auch der Tausch ist nicht kostenlos: 99 Cent zahlt man für einen normalen Tauschvorgang, 1,99 Euro für aktuelle Computerspiele. Dafür bekommt der Kunde auch eine Garantie. Geht etwas beim Tausch schief, erhält er eine Entschädigung. Hitflip kommt beim Publikum an.
Eine "deutlich fünfstellige" Mitgliederzahl hat sich zum Medientausch angemeldet, sagt Hitflip-Gründer Gerald Schönbucher, es stehen fast 30.000 DVDs, 18.000 Audio-CDs und 4000 Computerspiele zur Verfügung. Der Renner sind zur Zeit Hörbücher: 2500 sind online und wechseln häufig den Besitzer.
Während Tauschticket einem virtuellen Antiquariat ähnelt, mutet Hitflip eher wie ein Hochglanz-Produktkatalog an. Kein Wunder: Die Jungunternehmer haben Internet-Buchhändler Amazon als Kooperationspartner gewonnen, der seine Katalogdaten beisteuert. Welcher Ansatz mehr Tauschwillige überzeugt, wird die Zukunft zeigen.
(sueddeutsche.de)
Debatte über Urheberrecht