Tastaturen Das große ß sucht ein Zuhause

Das große ẞ ist angekommen, nur auf deutschen Tastaturen noch nicht so richtig.

(Foto: dpa)
  • Das große ß ist Teil der deutschen Rechtschreibung geworden.
  • Um es auf Computertastaturen einzugeben, ist Fingerakrobatik nötig.
  • Womöglich muss ein anderes Zeichen Platz machen. Vielleicht kommt das große ß bei einem bestehenden Zeichen unter, wie das € beim E.
Von Marvin Strathmann

Auf deutschen Computertastaturen führt das ß ein ziemlich trostloses Dasein. Es steht oben in der Ziffernreihe, wo auch Dollar- und Paragrafenzeichen darauf hoffen, endlich mal gedrückt zu werden. Seit der Rat für deutsche Rechtschreibung vergangene Woche die großgeschriebene Version des Buchstabens eingeführt hat, stellt sich die Frage: Wie kommt man ans ẞ?

Damit ein Buchstabe in der großen Version auf dem Bildschirm erscheint, hält man normalerweise die Shift-Taste gedrückt und tippt auf den entsprechenden Letter. Stellt man die ß-Taste auf diese Weise groß, ploppt aber nur das Fragezeichen auf, als würde die Tastatur hämisch fragen: "Hä?"

Umständliche Tastenkombinationen

Bisher ist das große ß auf Windows-Rechnern nur über mühsame Tastenkombinationen zu erreichen: Alt Gr, Shift und die ß-Taste oder, für die, die es komplizierter mögen: Alt-Taste gedrückt halten und auf dem Nummernblock 7, 8, 3 und 8 tippen. Allerdings muss dafür das große ß überhaupt von der ausgewählten Schriftart unterstützt werden, was noch nicht alle tun.

Für Besitzer von Macs gibt es gar keine entsprechende Tastenkombination, sie müssen bestimmte Zeichenkombinationen mit dem großen ß ersetzen (Wie das geht, steht zum Beispiel hier). Auch Smartphone-Nutzer suchen das große ß in der Regel vergeblich, sie müssen den Buchstaben umständlich aus dem Internet kopieren, etwa aus dem Wikipedia-Artikel über das große ß.

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Das kann auf Dauer keine Lösung sein für einen anerkannten Buchstaben. Selbst das Euro-Zeichen € hat es auf die deutsche Standard-Tastatur geschafft und ist über die Tastenkombination Alt Gr und E erreichbar, bei Macs über Alt und E. Dabei hieß es noch 1998 im Magazin Focus: "Kein Platz für das Euro-Zeichen". Und die SZ amüsierte sich ein Jahr später darüber, dass der Herr Dirk Boehme vom Hersteller Toshiba neue E-Tasten mit zusätzlichen Euro-Symbolen per Brief verschickt hat - zum Selbereinbauen: "Und wahrhaftig: Auf der dritten Seite des Boehme-Briefes klebt sie, die neue Euro-Taste - klein, niedlich und zu jeder Kühnheit bereit!"

Rettung naht in Form der DIN-Norm

Große-ß-Tasten per Post wird es wohl nicht geben, aber das ß könnte tatsächlich bei einem anderen Buchstaben Unterschlupf finden, wie das € beim E oder das @ beim Q. Es gibt sogar schon eine Lösung, sie versteckt sich in der DIN-Norm 2137 - "Tastaturen für die Daten- und Texteingabe". Die Vorschrift wird beim Deutschen Institut für Normung (DIN) gemeinsam von Vertretern aus Wirtschaft und Forschung sowie Nutzern erstellt. Sie ist nicht verbindlich, aber die meisten Firmen halten sich daran. Selbst die Individualisten von Apple rütteln kaum an der Belegung, sie verschieben höchstens mal das @ vom Q aufs L oder ersetzen Alt Gr mit der Wahltaste.

Die Norm 2137 beschreibt drei deutsche Standard-Tastaturbelegungen: T1, T2 und T3. T1 ist die Belegung einer handelsüblichen deutschen Tastatur, auf der wohl jeder schon einmal getippt hat. T2 und T3 ähneln sich im Grunde, bieten aber mehr Sonderzeichen und sind unübersichtlicher. Wer schon immer mal eine E-Mail auf Vietnamesisch tippen wollte, kann das flüssig mit diesen erweiterten Tastatur-Layouts tun.

Für das große ß reicht schon eine Tastatur nach T2, es wird durch Alt Gr und H gebildet. Allerdings verkauft momentan nur der Hersteller Cherry aus Auerbach in der Oberpfalz so ein Gerät in der T2-Version. Die G85-23100 bezeichnet dieser auch als Europa-Tastatur. Sie deckt die meisten europäischen Sprachen ab, die auf lateinischen Buchstaben basieren.

Eine Cherry-Tastatur mit der Belegung T2.

(Foto: Cherry)

Die Tastatur-Firmen warten darauf, dass die DIN-Norm für die Standards aktualisiert wird. Momentan arbeiten der Normenausschuss Ergonomie und der Normenausschuss Informationstechnik und Anwendungen vom DIN an einer Lösung für das ß-Problem. Bis sie so weit sind, kann es aber noch einige Wochen dauern. Es soll Überlegungen geben, das Grad-Zeichen, also den kleinen hochgestellten Kreis, durch das große ß zu ersetzen, heißt es von der Firma Cherry. Damit befände sich das große ß am linken Rand der Ziffernleiste neben der Eins, das kleine wie gehabt am rechten Rand neben der Null.

Eine zusätzliche Taste für das ß wird es wohl nicht geben, obwohl gleichzeitig quasi nutzlose Tasten mitgeschleppt werden. Oder wann haben Sie zum letzten Mal die "Rollen"-Taste benutzt?

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